Full text: Hessenland (14.1900)

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schossen. Mulhaussen (1626) führt uns nach 
Mühlhausen bei Homberg. Rohda (1575; Roda 
1626) liegt bei dem oberhessischen Frankenberg, 
ein anderes im Burgwald bei Rosenthal. Stein- 
bach (1626) ist ein öfter wiederkehrender Name 
innerhalb und außerhalb Hessens. Ob bei Schäu 
be rg (1575) die Wüstung bei Geusungeu, zwei 
andere hessische Ortschaften oder der Schöneberg 
bei Melsungen vorzuziehen sei, bleibt zweifelhaft; 
wir möchten uns für die erstere entscheiden. 
Umbach (1626) war ein Dorf bei Heiligenrode, 
das jetzt wüst liegt. Wüstefeld (1500 — 1535 
Wusteselt) ist bei Rotenburg, Ziegeuberg 
(1575) bei Witzeuhausen zu suchen. 
Unter diesen hessischen Ortschaften liegt nur 
noch die kleinere Hälfte in Melsungens Nähe. 
Das Dutzend außerhessischer Ortsnamen, die 
sich in Melsungen als Familiennamen zwischen 
1500 und 1626 nachweisen lassen, führt uns theil- 
weise in weite Ferne. 
Die größten Schwierigkeiten bereitet Eussel 
oder Ensel (1626). Die jetzige Namensform 
Eysel würde ohne ihre merkwürdige Vorgängerin 
als Agiswalt d. h. „mit Schrecken waltend" 
oder als Eysulf d. h. „furchtbarer Wolf" zu er 
klären sein. So aber müssen wir wohl auf die 
Mel in den Niederlanden, vielleicht auch auf 
Usseln in Waldeck zurückgehn. Henhuß (1575; 
Hnnhus 1598; Hannus 1601 — 26) kann sich auf 
Hainhans bei Hannover beziehen, Hör na (1626) 
auf Hornau bei Soden im Taunus. Für Jfflandt 
weiß ich weiter keinen Rath, als eine Beziehung 
ans den alten Eifelgan anzunehmen.*) Klein 
berg (1626) bringt uns nach Süddeutschland, 
läßt uns aber die Wahl zwischen Nieder- und 
Oberbaiern und Oestreich. Le n in g (1527 —1626), 
auch Leining geschrieben, stammt aus Leiningen 
im Kreise St. Goar oder in der Pfalz. Merlebe 
1616 nöthigt zu einer weiten Reise, bis nach 
Marleben im Lüneburgischen; jedoch ist die Mög 
lichkeit nicht ganz ausgeschlossen, daß die hessische 
Wüstung Merlau bei Niederolmen (alt Merlowe) 
als Heimath des Mannes zu betrachten ist. 
Oester ich (1575) lehnt sich bei Eltville an die 
Rebenhügel des schönen Rheinstroms. Ruhrscheit 
(1626) ließ sich nicht näher bestimmen. Trieb- 
stein (1626) ruft Triefenstein in Unterfranken ins 
Gedächtniß. Unter Wahrlos (1626) verbirgt 
sich das Dorf Varlosen bei Dransfeld im 
Regierungsbezirk Hildesheim. Und zum Schluß 
werden wir in die bewegte Zeit der Hohenstaufen 
geführt, von der jeder Deutsche gern hört. Nach 
*) Pott S. 176 führt Jffland auf Effa, Jfo zurück 
und erklärt es also für einen altdeutschen Vornamen. 
einem hohenstaufischen Schlosse Waiblingen (im 
Württembergischen Jartkreise) nennen sich die 
Kaiserlichen, und laut ertönt bei ihnen und ihren 
Gegnern der Schlachtruf: hie Welf! hie Weid 
ling! (1626; später Webeling.)*) 
Nicht selten wurde ein Einwohner aber auch 
nach der genaueren Lage seiner Wohnstätte oder 
seines Besitzthums bezeichnet. Wer am Ende 
einer Gasse oder am Marktplatze wohnte, hieß 
am Ende (1429 — 37), a n deme Markede 
(1332; de Fore 1288). Stehngoße (1454) 
hauste in der gepflasterten Steingasse, welche die 
Brückengasse schneidet. Johan Katzenrodt 
(1640) besaß Land am östlichen Abhange des 
Karlshagens, der noch jetzt Katzenroth genannt 
wird. Auf einem Bühl oder Hügel hatte Bieget 
(1575—77; 1626 Bichell; jetzt Bücheler) sein 
Haus oder seine Felder, am Bergwerke Schacht 
(1626), an einer kleinen Holzbrücke Schaub 
(1626; 1575 siebenmal Schauß, wohl aus dem 
Genetiv Schaubs hervorgegangen). 
Bruck man (1626) stand den langen lieben 
Tag in dem Häuschen auf der Fuldabrücke und 
sammelte unter Aufsicht des Brückenmeisters die 
Heller für die Benutzung der Brücke ein. Uebel 
war's mit Driesch m a n (1575; Trischman 1626) 
bestellt, seine Aecker lagen am Waldesrande und 
konnten nur zur Viehweide benutzt werden; 1577 
werden „Trischer" ans dem Kesselberge erwähnt. 
Schlottmnn (1626) war es dagegen bequem 
gemacht, dicht am Fritzlerthore grünten seine 
Saaten, oben auf dem fruchtbaren Schlote. 
Wasserman (1561 —1626) besaß Wohnstätte 
oder Wiesen dicht am Wasser, Bachman 
(1544 — 1626) am Bache. 
3. Gewerbenamen. 
Brnckman, der vom Brückenhünschen ans das 
Brückengeld einfordert, erfüllt damit die Pflichten 
seines Berufes und leitet also hinüber zu den 
jenigen Familiennamen, welche an das Gewerbe 
ihres ersten Inhabers erinnern. Solche Bernfs- 
namen konnten sich um so eher vererben, als in 
früheren Zeiten der Sohn meistens wieder in das 
Handwerk und in die Lebensstellung des Vaters 
eintrat, bis ihn zunehmende Armuth oder wachsende 
Wohlhabenheit, auch innere und äußere Verhält 
nisse in ein anderes Leben hineindrängten. 
Manchmal steht noch der Artikel vor dem 
Berufsnamen, so wird gesagt Curd der Land 
knecht (1437), oder der Bernfsname steht vor 
dem Vornamen: Messerhans (1575) — Hans 
*) Außer diesem berühmten Waiblingen kommt für 
uns auch das minder bekannte im Neckarkreise und Weib- 
ling bei Landau in Nicderbaiern in Betracht.
	        

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