Full text: Hessenland (14.1900)

Vorwurf kirchlicher Einseitigkeit nicht erspart 
bleiben, aber wenn trotzdem sein Bnch so nnge- 
theilten Beifall fand und noch findet, so kommt 
das der sonstigen Vorzüglichkeit des Werkes zu Gnte. 
Vilmar hat seine Literaturgeschichte nie über 
den Stand der Wissenschaft von 1845 erhoben, 
obwohl er noch 22 Jahre lebte. Er wnstte recht 
wohl, daß ihr Erfolg gerade ans ihrem ursprüng 
lichen Charakter beruhte und wollte absichtlich nicht 
die nachbessernde Feile gebrauchen. Die ersten 
12 Auflagen hat er noch selbst besorgt, und seit 
der dritten Auflage seinem Werke den bis heute 
beibehaltenen Titel „Geschichte der deutschen 
National-Literatur" gegeben. Die zwölfte Auf 
lage, deren kurzes Vorwort Vilmar am Weihnachts 
abend 1867 schrieb, erschien in seinem Todesjahre 
1868. Von der zweiten Auflage ab, welche schon 
nach zwei Jahren nöthig wurde, versah er sein 
Buch mit einem 187 Anmerkungen enthaltenden 
Anhang, den er bis zur 12. Auslage auf 255 
vermehrt hat. und die bis heute auf 388 an 
gewachsen sind, abgesehen von den 280 An 
merkungen des Steru'schen Anhangs. Die 13. 
und 14. Allflage wurde nach feinem Tode von 
: seinem Schüler und Zuhörer der Vorlesungen 
5 vom Winter 1843/44, G. T h. Dithmar in 
Marburg, die 15. und 16. Auflage von dem 
verstorbenen hessischen Dichter Karl Altmüller 
in Kassel, die 17. Auslage voil Philipp Wacker 
nagel in Dresden, die 18. bis 21. Auflage von 
Karl Goedeke in Göttingen und endlich die 
22. bis 25. Auflage von Adolf Stern in 
Dresden herausgegeben. An dem Tert des Vilmar'- 
schen Werkes durften lallt testanlentarischer Ver 
fügung nur ganz geringfügige Aenderungen vor 
genommen werden, dagegen wurden die literarischen 
und biographischen Nachweise der Anmerkungen 
nach den neuesten wissenschaftlichen Forschungen 
umgestaltet, ergänzt lind fortgeführt. Adolf 
Stern fügte außerdem von der 22. Auflage ab 
einen Anhang bei, der eine genaue Uebersicht 
über die deutsche Literatur von Goethe's Tod bis 
zur Gegenwart liefert. Mit wohlthuender Pietät 
knüpft Stern an das Vilmar'sche Werk an, aber 
den Ton desselben hat er nicht wiederzugeben gewußt. 
Es weht ein anderer Geist in dieser sonst sehr 
dankenswerthen Ergänzung des Buches. 
(Schluß folgt.) 
Melsunger Familiennamen bis 1626. 
(Fortsetzung.) 
ach 1500 wird der Verkehr größer und 
Melsungen bekannter, also vermehrt sich die 
Zahl derer, die von auswärts zuwandern, und 
auch die Zahl der Familiennamen, die aus Orts- 
ilamen hervorgegangen sind. Besonders war es 
die wilde Zeit des 30jährigen Krieges, die viele 
Bauern vom flachen Lande in die Stadt trieb, 
weil sie hier stärkeren Schutz gegen die Raubgier 
und Grausamkeit der Kriegshorden zu finden 
hofften. In Melsungen tauchten damals eine 
Menge neuer Geschlechtsnamen auf. 
Auch bei diesen von Ortschaften hergenommenen 
Familiennamen der späteren Zeit überwiegen die 
hessischen bedeutend. Sie mögen wiederum vvran- 
gehn. 
Bessa (1626) ist Melsungens Umgegend zu 
zurechnen; noch mehr Beuern, in diesem Zeit 
abschnitte der einzige Name, welcher noch mit der 
Präposition „von" verbunden wird (1575 von 
Beure; 1626 Beurn). Wvlckendorf (1618; 
Bolckendorff 1626) möchte man so leicht nicht 
finden; es ist die Wüstung Bulkendors bei Kir- j 
tors! Brandaw (1626) wird früher geschrieben 
statt Brnndau in der hessen-darmstädtischen Pro- ! 
vinz Starkenburg. Elnberg (1575 — 94; im 
folgenden Jahrhundert der Einwohnername Ellen 
berger) und Eiffershaufcn (1626), wieEmpfers- 
hausen ehemals hieß, führen uns wieder in das 
Fuldagebiet unterhalb Melsungens. E n s e n b c r g 
(1623—26) mag die Wüstung Emseberg bei 
Merkshausen sein; der Jnselsberg in Thüringen 
heißt vor Alters ebenso. In Entzeroth sehen 
wir abermals eine Wüstung: Enzenrode bei 
Neustadt oder bei Schönstein. Heida (1575; 
Heiden 1568 und 1582) bei Morschen und der 
Heiligenberg bei Gensnngen (Hilgenberg 1589 bis 
1626) find jedem Melfnnger wohlbekannt. Nicht 
dasselbe läßt sich von der Burg Hauneck (1531 
Hon eck; 1575 Hunneck) und von der Wüstung 
Hüttenrode bei Hünfeld oder bei Romrod (Hntten- 
rvth, Hüttenrodt 1576—1626) behaupten. Hoene 
(1575 — 86) erinnert an die Eisenbahnstation 
Niederhone oder an das Schwesterdorf Oberhone*). 
Hupbach (1626) ist eine Wüstung bei Spangen 
berg. Jesberg (1626) liegt nicht weit von 
Fritzlar. Der Kratzenberg (1626) vor Kassel 
erweckt trübe Erinnerungen; dort wurden in der 
Westfalenzeit mehrfach fahnenflüchtige Hessen er- 
') Vgl. Höne im Lsnabrürkscheii und in Barmen.
	        

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