Full text: Hessenland (14.1900)

Das Elternhaus. 
eil' ich durch die lieben Gaffen, 
Darin mir jeder Stein bekannt, 
Ich brauch' nicht auf den Weg zu paffen, 
Den ich so oft im Dunkeln fand. 
Schon steh' ich vor dem Elternhause. 
Wie liegt's so friedlich da, so traut! 
Dur ift's, als wär's die kleinste j)ause, 
Seit ich das liebe Baus geschaut. 
Dort lugt das Fenster aus den Reben, 
An dem die Ulütter immer faß! 
Nickt sie mir nicht herab soeben? 
Nur war's so! — oder täuscht das Glas? 
Und unten auf dem Fensterbrette 
Die vielen Blumen, Topf an Topf, 
Darüber schaut gewiß, — ich wette, — 
Des lieben Naters greiser Aopf! 
Ulir ift's, als ob er eben winkte 
Ucit seiner langen pfeife, dort, — 
Dort, wo so hell die Sonne blinkte 
Auf seinem Fenster immerfort! 
Nur schnell in's Baus! weshalb noch zaudern? 
Jetzt bei den Eltern bin ich ja! 
Wie treibt es mich, so recht zu plaudern 
Non allem, was ich draußen sah! 
!)a! — läßt die Almke sich nicht drücken?! — 
Ich sin de mich ja nicht mehr aus! 
Ach Gott! — es sollt' mir wohl nicht glücken, — 
Ein — Fremder! steh' ich vor dem Haus! 
Träumt' ich?! sie ruh'n ja lang' im — Grabe, 
Die Eltern, die mich einst geküßt. — 
Nun gäb' ich alles, was ich habe, 
Bätt' mich ein liebes Wort begrüßt. 
Du Elternhaus gehörst jetzt Andern, — 
U)ie schwer das nur zu fassen ist! — 
Und ich? Bin fremd! muß von dir wandern, 
Weil du die Beimath nicht mehr bist! — — 
Zurück dann schlich ich durch die Gassen, 
Darin mir jeder Stein bekannt, 
Und doch mußt' auf den Weg ich passen, 
Weil mir das Aug' voll Zähren stand. 
Bettenhausen-Kassel. Georg Schwiening. 
-psrHbr-
	        

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