Full text: Hessenland (14.1900)

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anderen, der viel mit Eisen umgeht, als Äsern- 
hencze (1463; Eiscrheintz 1575, 1626). Ihnen 
schließt sich H egg er (1626) an, „das Heer aus 
der eingehegten Besitzung," und Hekewulle 
(1389), der sie wüthend „wie ein Wolf" ver 
theidigt. Der Bewohner eines umzäunten Gutes 
wurde später Heckmann (1463) genannt. 
Sv giebt es mehr als einen „Reichen" unter 
ihnen: Riche (1435—1519), Reichman (1609) 
und Nichelinan (1626). Wohl ihnen, wenn sie 
auch zu „geben" verstanden nach der Art von 
Gebet (1560, 1561; Goebell 1575). 
Weideling (1626) gelingt es nicht so, große 
Schütze aufzuspeichern; er ist der „Nachkomme 
eines Waldbewohners", der Wald ist seine Lust, 
schenkt ihm das köstliche Wildpret und ernährt 
seine Heerden. Des Waldes Lob verkündet auch 
Witt ich (1626). 
Tie friedlichen Eigenschaften der Mitmenschen 
finden nun gebührende Beachtung. Ter „Glanz", 
die „Schönheit" wird an Wenig (1626) be 
wundert. Diesen ehrwürdigen Alten bezeichnet man 
als Grau (1626). Ter Vater jenes Mannes 
fiel durch den Weg auf, den er nahm, durch die 
Reisen, die er machte; er wurde deshalb Sindo 
genannt und sein Sohn Synyng (1405). j 
Stuelung (1495; Stollgk, Stnlling 1535 bis 
1626) hatte einen Vorfahren, der ein „Fuß 
gestell", eine „Stütze" brauchte, weil er im Kriege 
verwundet war. Als lvbenswerth gilt es, ein 
„lieber" Kerl zu sein wie Lybe (1377; Lcippe 
1577) und „berühmt als Freund" wie Wenemar 
(1392-1412).*) 
Jetzt, da es dem Sinne noch nicht wieder nach 
Hader und Gewaltthat gelüstet, ist der rechte 
Augenblick für die Sendboten des Christenthums 
gekommen. Sie predigen mit Begeisterung von 
dem Gotte der Liebe. Bald schätzt man es als 
gute Vorbedeutung, einen Knaben Gotischalck 
(1626) zu taufen d. h. „Gottes Knecht" oder 
Gittler (1575) d. h. „Gottes Heer". Frauen 
legt man gern den Namen Gutte (1575; jetzt 
Gude) bei, den Nachkommen eines Godv den 
Namen Gotting (1626). Als Koseform aber 
wird Goetze (1575) angewendet. 
Auch die lieben Engel erringen sich einen Platz 
in der Seele des Volkes, und ein Engelhart 
*) Ottirih, Oterich 9. Jahrh. — Udalrich 10. — 
Ozilo. — Hago 6., Hacco 8. — Haganrih 7. — Hagi- 
har 8., Hegere 10. — Hagiwolf. — Rico, Richo 9. — 
Ricman 10., später Richman. — . Gebo. — Ortsname 
Witalinchova. — Witigo 9. — Wanicho, Weneco. — 
Grawo, Grao 9. — Sindung 9. — Stollinc 9. — 
Liuba mase. 6. — Winimar 8., dann Wenemar. 
(1626) bemüht sich, „fest und stark wie ein Engel" 
zu sein.*) 
Dann strömen aber, begünstigt von kurzsichtiger 
Priesterschast, die Fremdworte schaarenweise herbei, 
schmälern den alten deutschen Namen ihr Haus 
recht und verdrängen hier und da einen guten 
Theil von diesen. 
Die meisten christlichen Namen sind der hebräischen 
Sprache entnommen. Bartholmes (1535; 
Bartcll 1626) ist der „Sohn des Tolma'i". 
Jacob (1626), in der Bibel Esau's jüngerer 
Bruder, bedeutet einen „Fersenhalter oder Nach 
geborenen". Mit Jordan (1493) scheint der 
bekannte Strom des heiligen Landes gemeint zu 
sein. KymenJ1534) stellt vermuthlich eine Ab 
kürzung von Joachim vor und tröstet im Unglück, 
denn „Jehovah richtet ans". Mickel (1443; 
Michell 1626) erhebt die Frage: „Wer ist wie 
Gott?" Mattes (1626) oder Thies (1435; 
Thyas 1575—1626; zuletzt Dias) ist ein hebräischer 
Theodor, ein „Geschenk Gottes". Salomon 
(1626) heißt „der Friedliche" und Tobies (1575) 
„Güte Jehovah's". 
Griechischen Ursprungs sind nur: Andreas 
(1626), „der Mannhafte," Asmus (1575) d. h. 
Erasmus, „der Liebenswürdige," und Stephan 
(1435—1566), „Kranz". 
Dem Lateinischen gehört Cappuz (1332) an, 
„eine Mönchskappe," dann auch „Weißkohl" be 
deutend. 
2. Ortsnamen. 
Schon in der Urzeit wurden diejenigen, welche 
ans einem andern Gaue einwanderten, nach ihrem 
Stamme benannt, unb so entstanden Namen wie 
Franke, Sachse, Hesse. Als aber der steigende 
Verkehr und die Städtegründnngen die Menschen 
leichter von der Scholle lösten und durcheinander 
würfelten, wurden die Familiennamen der örtlichen 
Herkunft viel weiter verbreitet. 
So findet sich in Melsungen vor 1500 ein 
Flamländer oder Fleming (1416), an den noch 
jetzt die Flemmergasse erinnert, und einer von 
der Lahn, Lohn er genannt (1493 —1513). 
Brascher (1437) scheint ursprünglich ans Braasche 
im Lüncbnrgischen eingewandert zu sein; die 
späteren Namensformen (1464 Bruscher; 1490, 
1493 Brnesscher) erinnern indessen mehr an einen 
„Preußischen", einen Bewohner des damaligen 
Ordenslandes Preußen. 
*) Godascalcus 7., Gotschalk 11. — Godalhar 8., 
vgl. Gudila. — Guta fein. 8., Guda fein. 9.; Gude 
Guprecht 1393 in Melsungen. — Godizo, Gozo. — 
Angilhart 9.
	        

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