Full text: Hessenland (14.1900)

286 
Auch huben die Pindcr'schen Grabungen die um 
sangreichsten und wichtigsten Funde aus der 
Bronzezeit und srühen Eisenzeit gerade hier er 
geben. Wenn hier eine Reihe von Jahren hin 
durch in systematischer Weise und nach bestimmtem 
Plane die Gräber untersucht worden sind, so 
können hoffentlich die Grundlinien einer Vor 
geschichte der Fuldaer Gegend gezogen werden, 
und mit diesem zusammenhängenden Materiale 
verglichen, werden die mehr vereinzelten Funde 
ans deni übrigen Hessen besser verständlich werden. 
Ilm aber den vollen Gewinn ans den Gräbern zu 
ziehen, werden sie gleichzeitig im ganzen Lande 
ausgesucht und in die Niveaukarte (1:25 000) 
eingetragen. Es ergiebt sich ans diese Weise ein 
anschauliches und lehrreiches Bild von der Be 
siedelung des Landes, das zu mancherlei Folgerungen 
veranlaßt, wie das die Kartirung der Gräber 
im Fnldischen zwischen Vogelsberg und Fulda 
dargethan hat, die mit Unterstützung der Stände 
1896 vorgenommen wurde. 
In überaus glückverheißender Weise sind 
übrigens die Grabungen schon begonnen worden. 
Ein Hügelgrab bei Obe ran la und sieben in der 
Nähe Fuldas wurden im Sommer d. I. geöffnet, 
da die bevorstehende Einebnung dieser Hügel zur 
Eile mahnte. Die Funde waren über Erwarten 
lehrreich. 
In dem Oberanlaer Grabe wurde eine in 
höchst sorgfältiger und selten beobachteter Weise 
gebaute Grabkiste bloßgelcgt, die von Steinkrünzen 
in verschiedener Höhe umgeben war. Zwei pracht 
volle Brvnzeschwerter ans der älteren Bronze 
zeit, das eine mit den Resten der Hvlzscheide, 
waren dem verbrannten Todten mitgegeben. — 
In Fulda erwiesen sich drei Hügel von den sieben 
noch als unberührt. Wohl das schönste barg die 
unverbrannt beigesetzten Leichen eines Kriegers : 
und seines Kindes, das ihm zu Füßen in einer i 
Steinsetzung ruhte. Bei dem Krieger lagen seine ! 
Waffen: Schwert, Speer, Beil; ein Gehäng- j 
stück rührte wohl von einer Tasche her, eine j 
Nadel hatte seinen Mantel zusammengehalten. 
Bei der Kinderleiche fanden sich nur Schmuck 
stücke: Arm- und Beinringe sowie eine Halskette 
mit einem Mnschelplättchen. Den Todten in 
einem zweiten Hügel waren nur das Beil und 
die Gewandnadel mitgegeben, den Frauen statt 
des Beiles weitere Schmuckstücke. Besonders wichtig 
war die Beobachtung, daß in beiden Hügeln dicht 
unter der Spitze Nachbestattungen konstatirt wurden, 
die hunderte von Jahren nach der Erbauung der 
Hügel dort vorgenommen waren. In der Zwischen 
zeit hatte man in Hessen das Eisen kennen 
gelernt, denn während Waffen und Geräthe unten 
in den Gräbern von Bronze waren, fanden sich 
oben Waffen und Ringe aus Eisen. Die Nach- 
bestattnngen werden um die Mitte des ersten 
Jahrtausends vor Christi Geburt stattgefunden 
haben; die Anlage der Hügel und der Gräber 
auf ihrer Sohle müssen gegen den Ansang des 
Jahrtausends angesetzt werden. — 
Alle diese Funde und alle weiteren. die im 
Verlauf der jährlichen Grabungen gemacht werden, 
sollen von Jahr zu Jahr in der Zeitschrift des 
hessischen Geschichtsvereins veröffentlicht werden. 
An die Leser des „Hessenlandes" aber, denen 
die Erforschung der Geschichte unseres Landes 
am Herzen liegt, ergeht die Bitte, dem Verein 
und dem Museum bei ihren eben geschilderten Ar 
beiten behilflich zu sein. Nicht durch eigenmächtige 
Grabungen! Denn durch jede Ausgrabung, die 
nicht von einem Fachmann geleitet ist, geht kost 
bares Material verloren. Ter Werth der Fund 
stücke an sich ist gering, und wissenschaftlich sind 
sie, wenn die Fundverhältnisse nicht genau beob 
achtet sind, werthlvs. Tie Methode der Beob 
achtung aber will erlernt sein. 
Wer aber den Vorstand des hessischen Geschichts 
vereins von dem Vorhandensein alter Wälle und 
alter Gräber in Kenntniß setzt, wer ihm von 
Zerstörungen solcher Denkmäler zeitig Nachricht 
gibt und sie einstweilen nach Kräften zu ver 
hindern sucht, der erwirbt sich ein hohes Ver 
dienst um die Sache unserer hessischen Vorgeschichte. 
3. V. 
Mellunaer Familiennamen bis 1626. 
lFortse 
it der Tauer der Friedenszeit ziehen immer 
mildere Gesinnungen in die Herzen ein. Ta 
hat jeder wieder seine stille Freude an Besitz und Gut 
und preist denjenigen glücklich, der „an Gut reich" 
ist wie H o t t e r i ch (1535 — 75; später Otterich) 
oder Ullerich (1575). Daheim aber läßt sich 
solch ein Glücklicher gern Oetzel (1576) nennen. 
tzung.) 
Großen Werth legt man aus die eingezäunten 
Besitzungen, denen Hacke (1626) seinen Namen 
verdankt. Reich an solchen ist Henrich (1626), 
der von liebem Munde Heine <1553) oder 
Heintz (1555) angeredet wird. Einen Jüngling 
dieses Namens bezeichnet man zum Unterschiede 
von den andern als Kyndelhentz (1535), einen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.