Full text: Hessenland (14.1900)

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Am 31. Oktober 1785 starb Landgraf Fried 
rich II. von Hessen, 65 Jahre alt. 
DasSpringen d e r W a s s e r ans W i l h e l in s - 
h o h e unter Landgraf W i l h e l in IX. (Kurfürst 
Wilhelm I.) In dem in Gotha erschienenen Blatte 
„Ter Reichsanzeiger oder allgemeines Intelligenz- 
Blatt vom Jahre 1802" findet sich auf S. 3852/53 
folgende Einsendung, deren Wortlaut unseren Lesern 
nicht entzogen werden soll. 
Es heißt da: „Ans dem berühmten Weiß eil 
st ein, Karlsbcrg, jetzt Wilhelmshöhe bey Kassel 
an einem der Wochentage zu seyn, und nun nach 
dem so mannigfaltigen Genusse doch noch mit 
Sehnsucht nach der 600 Stufen hohen Cascade, 
nach dem so meisterhaft erfundenen und ausgeführten 
Steinhvser'schen Wassersall, der Teufelsbrücke, römi 
schen Wasserleitung und nach den soviel versprechenden 
Fontaine« mit gespannter, aber nicht zu befriedigender 
Erwartung Hinblicken zu müssen, selbst schmachtend 
ihnen Wasser zu wünschen . . . ist eine unangenehme, 
quälende Lage. 
Ja in größerer Entfernung von dort hält man 
den so reißend geschilderten Anblick der springenden 
Wasser nur am 3. Pfingsttage und an den Kasseler 
Meßsonntagen für einzig möglich; desto angenehmer 
wird dem nach dieser Gegend Reisenden die, vielen 
dortigen Einwohnern selbst unbekannte Nachricht 
seyn, daß es des humanen Landesherrn Wille sey, 
diesen einzigen Anblick seiner Art jeden Fremden 
unentgeltlich genießen zil lassen. 
Man hat nämlich nichts zu thun, als ans seinem 
Quartiere einen Zettel mit seinen Namen an den 1 
Herrn sOberkammerlrath (Jussowj, Direktor des 
Bauwesens zu Kassel, durch den Marqueur oder 
einen Lohnbedienlen zu schicken mit der Bitte um 
die Erlaubniß, die Wasser sehn zu dürfen. Dieser 
schickt dann an den Brnnnenmeister und den Cascaden- 
aufseher zu Wilhelmshöhe die Ordre: dem Herrn 
N. N. die Wasser springen zu lassen. 
Es wird dafür nicht nur kein Dukaten verlangt, 
wie man bisher glaubte, sondern es steht ganz und 
gar in der Willkühr des freyen Reisende» — wie 
der Eascadenanfseher von freyen Stücken sagte — 
ob er ihm und dem Brnnnenmeister überhaupt eine 
Kleinigkeit oder gar nichts geben wolle. Wer aber 
möchte nicht wenigstens dem letzter», der sich durch 
die Erfindung und Ausführung des trefflichsten 
der dortigen Wasserwerke, des Steinhöfer'schen 
Wasserfalls, als einen so geistreichen Künstler 
zeigte, ein kleines Opfer seiner Dankbarkeit gern 
bringen. 
Im Sommer springen die Wasser gewöhnlich an 
allen Sonntagen." 
Nach dem Schlußsätze kann sich das Obige wohl 
nur auf die übrige Jahreszeit bezogen haben. 
Bei dem heutigen Verkehr auf Wilhelmshöhe und 
den selbst in der schlechteren Jahreszeit häufigen 
Besuchen seiner Anlagen würde sich die gutgemeinte 
Anordnung des Landgrafen wegen des Springens 
der Wasser ans keinen Fall durchführen lassen. 
Ter Name des Baudirektors Jnssow ist in dem 
Zeitungsaussatz nicht genannt. Weshalb die Nennung 
unterblieben ist, wird in einer anscheinend von dem 
Einsender stammenden Anmerkung in kurzen Worten 
gesagt, die auch für heute noch bis zu einem gewissen 
Grade Beachtung verdienen. Es wird dort hinzu 
gefügt : 
„Sein (des Baudirektors) Name ist dem Künstler- 
bekannt. Ich nenne ihn nicht, weil ich es für 
unschicklich halte, jemandes Namen ohne seine Er 
laubniß in einem öffentlichen Blatte zu nennen. 
In Kassel ist er von jedermann zu erfahren." 
Airs Keinrcrth tw6 §rrem6e. 
Verein für hessische Geschichte und 
Landeskunde. Am 25. Oktober wurde die erste 
Monatsversammlnng des Vereins für hessische 
Geschichte und Landeskunde zu Kassel für diesen 
Winter abgehalten. Lehrer Vonderau aus Fulda, 
welcher den Vortrag für diesen Abend übernommen 
hatte, sprach über die von ihm bei Fulda angestellten 
Ausgrabungen und deren Ergebnisse an der Hand 
von Zeichnungen, welche die aufgedeckten Gräber 
darstellten, und unter Vorzeigung einer großen Reihe 
von Fundstücken. Ter fesselnde Vortrag, für den 
der 1. Vorsitzende Oberbibliothekar der Landes 
bibliothek Di-. Brunner dem Redner warmen 
Dank des Vereins aussprach, wurde von der recht 
gut besuchten Versammlung mit lebhaftem Beifall 
aufgenommen. Direktionsassistent IK-. B v h l a u 
machte sich durch Hinzufügung einiger werthvoller 
Erläuterungen über das Alter der vorgelegten Fund 
stücke noch besonders verdient. 
Universitätsnachrichten. Am 14. Oktober- 
sand die feierliche Uebergabe des Rektorats der 
Universität Marburg seitens des abtretenden Rektors 
Professor Dr. Meyer an den neuen Rektor Professor
	        

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