Full text: Hessenland (14.1900)

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Die Franzosen, welche nach ihrer Niederlage 
bei Dettingen mit ihrer Hauptmacht nach Worms 
abgezogen waren, hatten zur Deckung der Maiu- 
linie doch noch beträchtliche Heeresabtheilungen 
jenseits des Maines zurückgelassen, die von 
diesseits des Maines aus dem Fürstenthum Hanau 
Unterstützungen bezogen. Sv wird am 3. Mai 
1745 laut Dekrets hochfürstlicher Regierung zu 
Hanau angeordnet, daß das Amt Bücherthal 
an die Königl. französische Armee an Fonrage 
geld 2000 st. zu zahlen hat und zwar bis zum 
6. Mai. Davon trug es Kesselstadt, als einer 
der kleinsten Gemeinden des Amtes, 89 st. 23 Al 
bus 1 Heller, der Gemeinde Rodenbach 199 fl. 
18 Albus. 
„Am 25. Juni 1745 rückte die französische 
Armee Nachmittags in Stein heim ein und 
blieb daselbst bis zum 10. Juli." 
„Am 16. September 1745 ist dem Rnmpen- 
heimer Wagen für französische Fouragirnng Korn 
aus der Gemeinde gesteuert worden, insgesammt 
21 Scheffel und 1 Metze." 
Noch 1747 mußte die hiesige Gemeinde einen 
Zehrungszettel ans dem Jahre 1745 an den 
Wirth Dickhard hier bezahlen im Betrag von 
57 fl. 26 Albus 4 Heller, den die kaiserlichen 
Husaren ansgestellt hatten. 
Inzwischen bot Maria Theresia alles auf, 
ihrem Gemahl, dem Großherzog Franz von 
Toskana, die deutsche Kaiserkrone zu verschaffen 
und eben damit die Kaiserwürde, die von 1438 
bis 1740 ununterbrochen beim Hanse Habsburg 
gewesen war, wieder an Oesterreich zurückzubringen. 
Sie schloß mit dem Sohne des verstorbenen 
Kaisers, dem Kurfürsten Maximilian Jose p h, 
am 22. April 1745 den Friedensvertrag von 
Füssen, in welchem der junge Kurfürst, um 
seine bairischen Erblande besorgt, alle Ansprüche 
auf das Habsburgische Erbe aufgab und versprach, 
bei der Neuwahl eines Kaisers seine Stimme 
dem Grvßherzog Franz zu geben. 
Die Wahl fand am 13. September 1745 zu 
Frankfurt statt, und wurde der Großherzog Franz 
trotz des Protestes des preußischen und pfälzischen 
Gesandten zum Kaiser gewühlt. Unser Gewährs 
mann erwähnt unter gleichem Datum diese 
geschichtliche Thatsache und bemerkt dazu: 
„Ter preußische und der pfälzische Gesandte 
sind nicht bei der Kaiserwahl gewesen, haben 
sich zu Hanau einlogiret bis die Krönung vorbei 
gewesen." 
Die darauf folgenden Einträge im „Gemeinde- 
Protokoll" sind interessant genug, daß sie hier 
angefügt werden dürfen. Sie lauten: 
„Den 24. Septbr. 1745 ist der Kaiser und die 
Kaiserin allhir im Schloß Philipps ruhe über 
Nacht geblieben." 
„Den 25. Septbr. ist der Einzug des Kaisers 
von Bornheim (aus) in Frankfurt gehalten worden. 
Bor dem Einzug hat er erstlich zu Fechenheim 
in dem reformirten Pfarrhaus (jetzt Privathaus, 
dem großen Schulhofe gegenüber) das Frühstücks 
mahl eingenommen." 
„Ten 4. Oktober ist die Krönung auf seinen 
Namenstag Franciscus gewesen." 
Der am 25. Dezember 1745 in Dresden ab 
geschlossene Friede zwischen Preußen und Oesterreich 
einer- und Preußen und Sachsen anderseits be 
endigte den zweiten schlesischen Krieg. Friedrich II. 
erkannte Franz I. als deutschen Kaiser an. 
Für die folgenden Jahre beherrschten die kaiser 
lichen Truppen die hiesige Gegend bis zum Schlüsse 
des Erbfolgekrieges (1748). Für sie werden nun 
mehr Kontributionen erhoben, Requisitionen rc. 
ausgeführt. 
So berichtet das „Protokoll" u. a. von einer 
Fouragirnng, die für den 20. März 1747 nach 
Rumpenheim ausgeschrieben worden: „Das 
ganze Amt, als; Kesselstadt, Dörningheim, Rumpen- 
heim, Hvchstadt, Wachenbnchen, Oberdorfelden, 
l Kilianstätten und Mittelbuchen, hat zu liefern: 
! 204 Rationen Heu, 204 Sechter Hafer und 204 
Nationen Stroh." Da in Kesselstadt die be 
treffenden Naturalien nicht aufzubringen waren, 
so wurden die Betrüge für den ihm zufallenden 
Antheil der Fonrageliefernng in Geld ansgeschlagen 
und solche dafür außerhalb angekauft. 
Am 22. März desselben Jahres wurde ein 
Nachen Brot beim „Kommißbäcker" abgeholt 
und in Frohndienst nach Rumpenheim gebracht. 
Desgleichen am 24. März wurden 10 Nachen 
mit Brot nach Rumpenheim und zwei Nachen 
nach Fechenheim gefahren, jeder Nachen mit 200 
Laiben beladen. „Alles vor die Kaiserlichen" 
heißt es am Schlüsse der Aufzeichnungen. 
Nach Abzug der fremdländischen Kriegsschaaren 
trieb sich noch lange Zeit nachher in hiesiger 
Gegend allerlei soldatisches Gesindel umher, be 
unruhigte und brandschatzte die Bewohner, svdaß 
die hochfürstliche Hanauer Regierung sich veranlaßt 
sah, in einem Dekret vom 6. September 1751 die 
herrschaftlichen Schultheiße anzuweisen, „auf die 
durch hiesige Lande Passirende, in andern Kriegs 
diensten engagirten Personen, wie auch ans die 
in hiesiger Gegend sich aufhaltende Deserteurs 
und Marodeurs ans das Allergenaueste zu in- 
vigiliren, und was sich von dergleichen fremden 
j Personen sehen läßt, ohnverzüglich jedesmal dem 
I Amt per expressum einzuberichten oder sich nach
	        

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