Full text: Hessenland (14.1900)

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Nach der Heimkehr gedenken alle dankbaren 
Sinnes der Äsen, der Götter, die huldvoll auf das 
Unternehmen herabsahen. 
Jngbrandt (1569— 72) führte „das Schwert 
Jnguios", eines nordischen Gottes, E n g e m a n 
(1626) kämpfte wie ein Mann desselben. 
Oe sterling (1578) war der Ostergöttin, 
Ostara, in erster Linie zum Danke verpflichtet. 
Götterbeschluß war der Krieg, Götterbeschluß der 
glänzende Sieg; „durch Götterbeschluß" blieb 
Reinhard (1626) „fest", eben dadurch Rampe 
(1534 — 1626) „kühn". Unter den Thieren, die 
der Gottheit heilig waren, genoß der Rabe, 
Wvdan's Vogel, besondere Verehrung. R h em vl d t 
(1626) sollte klug und weise „walten wie ein 
Rabe". Mächtig „wie Bür und Adler walteten" 
Berlt (1572, Berleth 1575, Berloth 1663, 
Berlo 1680; vgl. 1421 Berld Krymer) und 
Arnoldt (1575), den häusliche Vertrautheit 
Noltt (1575), endlich auch Nolle und Noell 
(1626) anredete. Ob Wedderoldt (1575) 
hartnäckig „wie ein Widder waltete"? Des Namens 
äußere Gestalt führt zu solcher Vermuthung. 
Wenn man einen Stammesgenossen einfach 
„Vogel" oder Feuckell (1626, Föckell 1651) 
nannte, so dachte man vor allem an seine Ge 
schwindigkeit, bei Eber hart (1560—1626), 
dessen Namen manche Leute in Ebert (1626) 
zusammenzogen, an die Stärke des Ebers, bei 
Heberlynt (1332) an die sanfte Tochter eines 
eberstarken Mannes?) 
*) Ingobrand 10. Jahrh. — Raginhard 8. — Ragan- 
bald 10., Rampo 9. — Hrabanolt 9., Ramuolt 11. — 
Beroald. — Arnoald 7. — Wiederhold wird von Fick 
S. 12 trotz der alten Form Widarolt zu widu „Wald" 
gestellt, von Pott S. 240 zu holt (silva) mit Frage 
zeichen. — Fugal 9. — Fukelin, Fukkelin 11. — 
Eberhard 9., häufig mit vorgeschlagenem H. — Eberlind 
fern. Wenn bei dem Melsunger Heberlynt ein leichter 
Schreibfehler vorliegen sollte, so muß man Heberlync zum 
Stamme hadu setzen: „Abkömmling eines im Kampfe 
glänzenden" Haduberaht. — 
(Fortsetzung folgt.) 
Zeitgenössische Mittheilungen 
über die Ereignisse in der Kannner Gegend in der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts. 
Von Pfarrer Hufnagel-Kesselstadt. 
(Schluß.) 
Infolge der 1744 abgeschlossenen Frankfurter 
jj Union, eines Bündnisses zwischen Friedrich II., 
N Frankreich und der Kurpfalz, betn auch Hessen- 
Kassel und damit die Grafschaft Hanau zu Gunsten 
des Kaisers beitrat, sowie durch das Vordringen 
Friedrich's II. in Böhmen und seine Einnahme 
von Prag, konnte Kaiser Karl VII. wieder in 
seine inzwischen von den Oesterreichern verwüsteten 
Erblande und am 23. Oktober 1744 in deren 
Hauptstadt München zurückkehren. Aber schon 
am 20. Januar 1745 starb der Kaiser im besten 
Mannesalter von noch nicht ganz 48 Jahren. 
Die Regierung in Hanau ordnete für den Ver 
storbenen eine allgemeine Landestrauer an, indem 
sie unter dem 10. Februar folgendes Schreiben 
an alle Schultheiße ergehen ließ: 
„Nachdem es Gott dem Allmächtigen nach deren 
unwandelbaren Verhängnis; gefallen hat, den aller 
durchlauchtigsten und großmächtigsten Kaiser und 
Herrn Carl aus dieser Zeitlichkeit zu sich zu for 
dern und dann unseres gnädigsten Fürsten und 
Herrns hochfürstliche Durchlaucht auf die beschehene 
Notifikation gnädigst anbefehlen, daß zu öfsent- 
licher Bezeugung eines schuldigsten Mitleids eine 
Landestrauer angeordnet, mithin in den Kirchen 
mit allen Glocken mittags von 12 — 1 Uhr und 
damit 14 Tage continuiret werden solle, auch bei 
3 Monate alle Musik uud Saitenspiel eingestellt 
werden sollen, so wird solches Alles vermöge eines 
hvchfürstlichen Dekrets den herrschaftlichen Schult 
heißen und der Gemeinde durch den Glockenschlag 
bekannt gemacht, auch dahin zu sehen, daß binnen 
3 Monat alle Musik und Saitenspiel eingestellet, 
bei Vermeidung ernster Strafe unterlassen werden." 
NB. „Ist den 15. Februar der Anfang mit 
dem Geläut gemacht worden." 
Wie bereits vorher erwähnt, stand das Fürsten- 
thum Hanau mit Hessen auf Seiten des Kaisers 
und seiner Verbündeten und unterstützte sie auch 
kräftigst mit Geld, Nahrungsmitteln und Fourage- 
lieferungen. Im Jahre 1743 zahlte die Ge 
meinde Kesselstadt an Kaisersteuern 108 fl. 
21 Albus 4 Heller, an Römergeld 367 fl. 
5 Albus 4 Heller, letzteres noch im Jahre 1745 
mit 542 fl. 3 Albus 6 Heller, dazu an Kon 
tribution 98 fl. 12 Albus.
	        

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