Full text: Hessenland (14.1900)

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„Ei, ich sein ja der Mützenmacher H. un hawwe 
hier so ein kleins Rechnungche." D. nahm die 
Rechnung mit einem gewissen königlichen, jedenfalls 
imponirenden Anstand entgegen, sah sie durch und 
gab sie mit den ruhigen Worten wieder zurück: 
„Da steht eine Mütze am 21. November angeschrieben. 
Ich habe am 21. November keine Mütze bezogen; 
es muß das ein Irrthum in Ihrer Buchführung 
sein, sehen Sie erst noch einmal nach." 
D. starb noch verhältnißmäßig jung in sehr 
geachteter Stellung, nachdem er längst seine Schulden 
bis zum letzten Heller bezahlt hatte. 
Zahlte man nicht bald nach Ansang des Semesters, 
so erhielt man mit ziemlicher Sicherheit vom 
„Akademischen" einen Zahlungsbefehl mit verhült- 
nißmäßig kurzer Frist, an den sich ein zweiter mit 
noch kürzerer Frist anschloß; dann folgte Stadt 
arrest, wobei man sich blos zwei Stunden von 
Marburg entfernen durfte. Das konnte natürlich, 
wenn wieder Ferien kamen, sehr lustig sein. Trotz 
dem von dem Vater oder Vormund bei Beginn des 
Studiums ein Revers ausgestellt werden mußte, 
daß er die von dem Studenten gemachten Schulden 
bezahlen wollte, hatten die Gläubiger gegen diesen 
noch eilt anderes sehr unangenehmes Mittel in 
Händen, indem sie Beschlag aus das Universitäts 
abgangszeugniß legen konnten. Einer meiner Be 
kannten hals sich dadurch heraus, daß er seine 
sämmtlichen Gläubiger zum Abendbrot einlud, wo 
bei der Champagner nicht gespart wurde. Als er 
nun die Stimmung für geeignet hielt, legte er 
ihnen einen Revers vor, wodurch sie sich verpflichteten, 
das Zeugniß frei zu geben. — Auch hier hatten 
die Gläubiger nicht den geringsten Schaden davon. 
(Schluß folgt.) 
Aus alter und neuer Jert. 
Einige hessische Gedenktage 
NUS der ersten Hälfte des Mnnntü Oktober. 
Am 1. Oktober 1344 schlossen Landgraf Heinrich 
der Eiserne und Gras Johann von Ziegenhain 
wegen des Baus einer Burg auf dem Gerstenberge 
bei Allendors a. L. einen Vertrag. Aus Grund 
desselben wurde dieser Bau in den Jahren 1344 
bis 1350 ausgeführt und die Burg nach ihrer 
Vollendung die Landsburg genannt. Ihren Namen 
trägt jetzt auch, obwohl sie selbst schon seit dem 
16. Jahrhundert in Trümmern liegt, der Berg, 
dessen eigentlicher Name der Vergessenheit anheim 
gefallen ist. 
Am 1. Oktober 1529 begann zu Marburg das 
Religionsgespräch zwischen Luther und Zwingli. 
Am 3. Oktober 1599 wurde im ehemaligen 
Karmeliterkloster zu Kassel die Hosschule (Collegium 
Mauritiaimm) eröffnet. 
Am 4. Oktober 1479 brannte die Stadt Witzen- 
hausen gänzlich ab. 
Am 4. Oktober 1529 fand das Religionsgespräch 
zu Marburg zwischen Luther und Zwingli sein Ende. 
Am 4. Oktober 1540 starb der berühmte lateinische 
Dichter Professor Helius Eobanus Hessus zu Mar- 
burg, 52 Jahre alt. 
Am 5. Oktober 1551 schloß Erbprinz Wilhelm 
von Hessen mit Abgeordneten des Königs Heinrich II. 
von Frankreich, Kurfürst Moritz von Sachsen und 
anderen Fürsten zu Friedewald ein Bündniß zur 
Befreiung seines Vaters Landgraf Philipp. 
Am 5. Oktober 1646 nahmen die Hessen unter 
General Geiße nach sehr tapferer Gegenwehr Alsfeld ein. 
Am 6. Oktober 1567 wurde das Kloster Georgen 
berg bei Frankenberg aufgehoben. 
Am 7. Oktober 1607 fand die Einweihung der 
Universität Gießen statt. 
Am 9. Oktober 1604 starb Landgraf Ludwig IV. 
von Hessen-Marburg, der zweite Sohn Philipp's 
des Großmüthigen, 67 Jahre alt, kinderlos. Ueber 
die Erbschaft, welche das ganze jetzige Oberhessen, 
das kasselische wie das darmstädtische, umfaßte, 
brach aus Grund des von ihm hinterlassenen Testa 
mentes, in welchem die Erhaltung des derzeitigen 
(lutherischen) Religionsstandes zur Bedingung der 
Erbschaft gemacht war, der unglückliche Erbschasts- 
streit zwischen Kassel und Darmstadt aus, nachdem 
Landgraf Moritz 1605 seine vier Verbesserungs 
punkte anzunehmen verordnet hatte. 
Am 9. Oktober 1817 trat Preußen die ehemals 
kölnische Stadt Volkmarsen an Kurhessen ab. 
Am 10. Oktober 1602 starb Georg Nigrinus 
(Schwarz) aus Battenberg, Superintendent zu 
Echzell in der Wetterau, früher Pfarrer zu Kölbe, 
Gießen u. a., Hessens einziger satirischer Dichter. 
Am 10. Oktober 1605 wurde zu Gießen das 
Gymnasium gestiftet, aus welchem 1607 die Uni 
versität hervorging. 
Am 11. Oktober 1636 schloß Landgraf Wil 
helm V. zu Wesel ein Bündmß mit Frankreich. 
Am 12. Oktober 1264 wurden der Ortschaft 
Wvlfhagen Stadtrechte verliehen. 
Am 12. Oktober 1487 wurden die Vorrechte 
der Pfänner in den Sooden bei Allendors bestätigt 
und erweitert.
	        

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