Full text: Hessenland (14.1900)

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Vortritt, ihm räumte man die Spitze der keil 
förmigen Schlachtordnung ein und nahm sich an 
seiner Kraft und Tapferkeit ein Vorbild. Ein 
Ruhm war es, „stark wie der Adel" zu fein gleich 
Adelhard von Milsungen, dem Dienstmanne 
des Abtes von Hersfeld (1105), oder „glänzend 
wie der Adel" gleich Albrecht oder Albert 
(1332—1502). Im häuslichen Kreise aber zog 
man die trauliche Kürzung Apell (1626) für 
den letzten oder ähnliche Namen vor. 
Die Edelinge halten viel auf ihr „Geschlecht" 
oder Kunna (4541, 1626; weiblicher Vorname 
1392 und oft). 
Aber was vermochten sie in der Schlacht, wenn 
nicht die Menge der Gemeinfreien hinter ihnen 
stand? Darum wußten sie auch des Volkes Werth 
zu schätzen. Mit Stolz nannten sich die mächtigsten 
Fürsten „Volkskönig", Diederich (1626), und 
priesen den Krieger, der sich bemühte, durch 
Tapferkeit „im Volke berühmt" zu werden, wie 
Ditmar (1369—1626) oder mit Dippel (1626) 
„kühn vor dem Volke". Freunde und Angehörige 
aber riefen also benannte Helden kurz und zärt 
lich Diets (1569), Dietzel (1576), Dihle (1575) 
oder Thiell (1626) und auch Thileman (1575). 
Auch Fol mar (1572) trachtete danach, „im 
Volke berühmt" zu werden, Fauppel (1535) „kühn 
vor dem Volke", Volghard (1464) „stark und fest,, 
und Volschwenk (1535) „kräftig und geschwind". 
Aus dem Volke der Freien ging das Heer her 
vor, und wohl dem, der „ein junger Held im 
Heere" hieß wie Herdegen (1288), dessen Tapfer 
keit Erfolg verhieß, wie der „Kampf eines Heeres" 
Herwig (1626), und dem man schließlich die 
höchste Aufgabe anvertrauen durfte: „über das 
Heer zu walten" als Herold (1303—32). 
Durch das gute Beispiel, das ein einzelner 
Kempe (1288) ans dem „Schlachtfelde" gab, 
wurde manchmal der ganze Kamps entschieden. 
Deshalb fand ein starker junger Held wie 
Degenhard, meist Deynhard genannt (1443 bis 
1575) verdiente Anerkennung.*) 
Nun haben wir wohl Heerschau gehalten über 
Adel und Volk, die Waffen bedürfen indessen noch 
einer besonderen Prüfung. 
Des Schwertes Schneide und Spitze sind wohl 
geeignet, dem Feinde zu schaden; wenn nur 
*) Adalberaht, Albert 9. Jahrh. — Theudoricus 1. — 
Diterili 11. — Thiuclemer 5., Distmar 9. — Theude- 
bald 6., Diepold 11. — Thiezelin 10. — Theudila 6., 
Dilli 9., Tilli und Thilo 8. — Folcmar 9., Folmar 10. — 
Folcbaid 8., später Fulbald. — Fulchard 8. — Folcs- 
wind 8., aber fast immer feminimum. — Heridegan 9. — 
Hariwich 7., Herwig 8. — Chariovalda 1., Herold 10. — 
Nach Jak. Grimm hat hari auch die Bedeutung „Krieger", 
vgl. Schade unter harjis. — Campo 8. Jahrh. 
Eckard (1512) „fest mit der Schneide" drein 
haut und Orte (1369) mit der „Spitze" sticht, 
dann bleibt in den Reihen der Gegner kein 
Ortleub (1495—1510), kein „vom Schwerte 
Uebriggelassener". 
Der Speer ist ebenfalls in Ordnung. Ob es 
schon Eindruck macht, wenn Gerlach (1332, 
1457—1626) „mit dem Speere springt und spielt" ? 
Besser ist's jedenfalls, „fest" zu sein in seinem 
Gebrauche wie Gerhard (1275) und mit ihm 
„Noth" zu bringen, gleich Gernod (1288). 
Irre ich mich nicht? Trägt dort ein Krieger 
noch den Wurfspieß der germanischen Urzeit, die 
Frame, die der Römer Taeitus um 190 n. Chr. 
als deutsche Nationalwasse erwähnt? Möge dieser 
Framler (1626) auch urwüchsige Kraft erweisen. 
Der Stahl der Schwerter und Lanzenspitzen ist 
vorzüglich. „Stahlhart" wird sich jeder Krieger- 
erweisen, nicht Steter allein (1561 — 1626), 
den sie auch Stähler (1575) und kurzweg Stael 
(1626) nennen. 
Mit Stein und Steinhammer der Urahnen 
will Stein (1575) die Feinde niederschmettern. 
Unter den Schutzwafsen verdient der Brust 
harnisch, die Brünne, die erste Stelle. Braun 
(1576) hat solch einen Schutz erwählt. „Stark 
wie eine Brünne" trotzt Brauhartten (1602—7) 
dem feindlichen Angriff. Helming (1626) trägt 
stolz den ererbten Helm aus dem Haupte. Nun, 
Borckart (1400) und Bocking (1626), macht 
eurem Namen Ehre, steht „fest wie eine Burg"; 
denn schon bläst Ho rning (1626) in's Horn 
(1424—1626), und Leuttroff (1626) „ruft die 
Leute" zusammen: mit Werner (1535—1626) 
zieht das „Heer der Abwehr" ins Feld.*) 
Ueberall Kamps, Schlacht und Krieg! Jeden 
„Kämpfer" erwartet seine Arbeit, mag er nun 
Bode (1392-1439), Bade (1412-15) oder 
Batte (1438) heißen.**) Hier streitet Gonter 
*) Eckihard 9. Jahrh. — Ortlaip und Ort 8. — 
Geroiah 8., Gerlach 11. — Garehard 7., Gerhart 9. — 
Gernot 8. — Frammier 9., altnord, framar. — Stal 
hart und Stal 8. In Melsungen ist nachweislich Stael 
nur eine Abkürzung für Steler; denn in der Grenz 
beschreibung von 1577 wird der Besitzer einer Wiese Steler, 
in der Grenzbeschreibnng von 1613 dagegen Stael genannt. — 
Bruno 8. — Brunhard. — Helminus 9., Helniunc. — 
Burghard 8., Borchard 11. — Burgio, Bucco. — 
Hornung 8. — Ist etwa Cornelius (1576—1626 in 
Melsungen) die lateinische ttebersetzung dieses Namens? — 
Liutroch 8. — Warinheri 6. — 
**) Bado 6. Jahrh., Batto 9. — Allem Anscheine nach 
ist der Erfurter Student Conradus Bodonis aus Mel- 
sungen (1392) dieselbe Person wie der Melsunger Früh 
messer Cord Bade (1412. 1415) oder Conrad oder Cord 
Bode (1421, 1429, 1439). Hehncze und Happel Batte 
(1438) gehören vermuthlich derselben Familie an.
	        

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