Full text: Hessenland (14.1900)

.7*8 20. XIV. Jahrgang. fiofftl, 1«. «Oktober 1900. 
Sonnen-Hlntergcmg. 
0 Menschenkind, du niedrer Zwerg, 
Blick' aus! Die Sonne scheidet, 
Die freundlich noch von Berg zu Berg 
Zum letzten Russe schreitet. 
Getragen von dein Alpenkranz, 
Unsagbar schwachem Worte, 
poch über mir welch goldner Glanz I 
Geht auf des Fimmels Pforte? 
Ein Lichtmeer fluthet noch einmal 
perab auf Wald und Miefen, 
perab auch iu mein dunkles Thal, 
Mich liebevoll zu grüßen. 
pab' Dank, o Sonne! Du der (Quell 
Des ganzen Erdenlebens, 
Wie warft du mir fo mild, so hell, 
Und wohl nicht ganz vergebens. 
Das Gute, das vielleicht ich that, 
Das Befs're, das ich wollte, 
Bestreut wohl einst auch mir den Pfad 
Zn's Grab mit seinem Golde. 
Ä. Trabert. 
O'»- •J'»' 
Wachsornmer. 
Schon wieder kommt ihr, goldne Sommerzeiten. 
Flaumweiches Spinngeweb durchzieht die Luft, 
Und über Gärten, über Dächer gleiten 
Bald Vogelfang, bald süßer Sommerduft. 
Wir hatten schon die Fenster eingehangen, 
Uns warm zu schützen vor dem kalten Jahr — 
Nun kehrst du wieder, weckst uns das verlangen 
Nach einer Zeit, die schön und glücklich war. 
Ach, kehr' nicht wieder, schöne Zeit! Zurück 
Dräng' deinen Balsamduft und deine Lieder — 
Du bringst mir doch nicht jenes Sommerglück 
Mit seiner Lust und seiner Liebe wieder! 
Henri du Kais. 
Do rf-Kirrctz l) of. 
So friedlich still ist's rings umher, 
Als ob hier immer Sonntag wär' — 
poch über sonnenheller Welt 
Der Rirchthurm hcil'gen Frieden hält, 
Und Frieden bei den Gräbern steht, 
Durch Busch und Baum er leise weht. 
Zm blüh'nden Todtengarten, 
Dort wird er dich erwarten, 
0b er dich floh hienieden, 
Der Gottesodem: Frieden! 
Jeannetle Wramer.
	        

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