Full text: Hessenland (14.1900)

6. Weil die Glashütte am Breitenbvrn mehr 
schädlich als nützlich, kann solche abgeschafft und 
darin diesen Leuten Unterhalt gegeben werden. 
7. Zu Haingründan bei der Schmelz können 
auch einige unterkommen, und könnte diesen 
Gettenbachern und Glashüttern die Haingründauer 
Kirche auch gegeben werden. 
Das waren Vorschlüge; sie waren gut gemeint 
und wären wohl auch auszuführen gewesen, aber 
sie begegneten Bedenken, und vor allen Dingen: 
es war sehr viel Zeit für die Ueberlegung nöthig. 
Der gräfliche Kammerrath Scheffer zu Hanau 
schrieb am 9. Juli einen herzbeweglichen Brief 
für die schleunige Unterbringung der Waldenser, 
und bat irr ihrem Namen darum, daß 60 Familien 
nach Kloster Marienborn, 20 Familien nach 
Unterdiebach und 20 Familien in den Fuchs 
graben bei Wiedermus gefetzt würden; sie ver 
langten die Wüstungen um das Kloster gegen 
über der Ronneburg, ferner für jede Familie 
einen Haus- und Hofplatz und gegen Pacht einige 
Morgen gebauten Landes mit Weid- und Be- 
holzungsrecht; ihre Nahrung solle bestehen in 
Flachs-, Manlbeer-, auch Gemüsepflanzen: sie 
wollten Seiden- und Leinenspinnerei- und -Weberei, 
Seidenwürmerzucht und Seidenhandel treiben. 
Die übrigen 150 Familien, die noch in der 
Schweiz und Pfalz sind, würden sich gern um 
bcu Haag oder nach Büdingen oder Rohrbach 
setzen?) Aber dort hatte die Herrschaft nicht so 
freie Hand, und sie hätte am liebsten sie in die 
Nähe des Büdinger Waldes gesetzt. Kammerrath 
Scheffer hielt persönlich noch einmal am 14. Juli 
bei der Gräfin Maria Charlotte darum an, 
daß die Waldenser bald an den gewünschten 
Orten untergebracht würden. Sie hofften fest 
darauf und waren deswegen einem holländischen 
Gesandten nicht gefolgt, der sie überreden wollte, 
an das Vorgebirge der guten Hoffnung zu ziehen. 
Ihr Pfarrer und der Medikus kamen am 21. Juli 
nach Büdingen und hielten inständigst um Bescheid 
an, der alte Pfarrer wurde fast ohnmächtig dabei. 
Aber die Schwierigkeiten waren in Betreff Marien 
borns zu groß; erblich konnte es ihnen nicht 
gegeben werden, sondern nur in Erbleihe, und 
Breitenboru und Gettenbach wollten die Waldenser 
nicht, weil sie dort nicht glaubten leben, wenigstens 
nicht ihre Geschäfte treiben zu können. Es wurde 
noch viel hin und her geschrieben, Konferenzen 
mit sämmtlichen Mitbürger Räthen gehalten, 
Kammerrath Scheffer wies darauf hin, daß „ein 
dem Hochgräflichen Haus Mnburg jederzeit hart 
gewesenes hohes Haus" *) unter den besten Be 
dingungen der Welt die Waldenser in ihr Land 
eingeladen hätte, die Gräfin-Wittwe Maria 
Charlotta schrieb, das Haus Mnburg werde in 
der Fürsorge für diese armen Glaubensgenossen 
durch andere nicht refvrmirte Herrschaften beschämt, 
die Räthe gaben sich Mühe und machten noch 
andere Vorschläge, um alle in einem Ort 
unterzubringen, z. B. den: die Unterthanen in 
Rohrbach, die doch meist Bettler wären, aus 
zukaufen und beu Waldensern das Land zu geben, 
aber alles, so viel guter Wille auch da war, 
führte zu keinem Ende; Marienborn konnte oder 
wollte die Herrschaft nicht geben, und Breiten 
born und Gettenbach wollten die Waldenser nicht 
haben. Ter Rath Scheffer und die Gräfin Maria 
Charlotta trugen das herzlichste Mitleid mit den 
armen Glaubensgenossen, aber schließlich wurden 
die Verhandlungen im Anfang September auf 
gegeben. Wohin schließlich die bedauernswertsten 
Leute gekommen find, vermag ich nicht anzugeben, 
da gar keine Namen genannt find. Aber traurig 
genug war ihre Lage: der Winter vor der Thür 
und keine Stätte, wo sie ihr Haupt hinlegen 
konnten! 
*) Später (1729) bekam Zinzendorf den Haag und die 
Ronneburg für seine Brüdergemeinde. 
*) Wahrscheinlich 
(Fortsetzung folgt.) 
—— 
ist Hessen-Darmstadt gemeint. 
Ltach Weihnachten. 
Schon die letzte von den Kerzen 
Ist verglimmt am Iichtenbauin, 
Und mit ihr verfließt im Herzen 
Nun der schöne Meihnachtstranm 
Doch durch dieses Traumzerfließen, 
Mie die Melt kein zweites kennt, 
Geht ein stilles Glühn und Sprießen, 
Das kein Mund vollendet nennt. 
Ist's doch auch, als ob zerstiebe, 
Mas die Kindeslust erkürt, 
Mährend fort noch wirkt die Liebe, 
Deren Geist uns einst geführt. 
Carl' trefft.
	        

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