Full text: Hessenland (14.1900)

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des Schlosses bewohnten, bis Philipp am 30. März 
1567 die Augen schloß. Tags vorher, am ersten 
Ostertag, hat Philipp mit Sabine das heilige 
Abendmahl genommen. 
Fünfzehn Jahre lebte Sabine mit ihrem Gatten 
in glücklichster Ehe, der außer dem späteren Land 
graf Moritz noch ein Sohn und neun Töchter*) 
entsprossen. Was sie ihm und dem Lande gewesen, 
ergiebt sich aus dem Urtheil, das hessische Geschichts 
schreiber über sie fälleu. 
Hans Wilhelm Kirchhof sagt in dem 
3. Theil des Wendunmuth über ihr Hinscheiden: 
„Anno 81 ist Landgraf Wilhelm's Gemahl Frau 
Sabina, geborene Herzogin zu Württemberg, eine 
fromme, gottesfürchtige Fürstin, eine Mutter aller 
armen, kranken und nothleidenden Menschen, ja 
des ganzen Landes, zu Rotenburg, ihrer verordneten 
Vermachnng und Mvrgengabe, an einem heftigen 
Hauptslnß sehr krank gelegen und ist den 16. August 
in der Nacht zwischen 12 und 1 Uhr in Gott 
seliglich entschlafen. Schon zuvor hatte sie Gott 
gebeten, auch andere angeredet Gott für sie zu 
bitten, daß er sie bald und seliglich laß absterben. 
Zuletzt hat sie ihren Herrn und Gemahl vor 
sich gefordert, mit ihm von vielen Dingen, 
Kindern, Gesinde und Anderem geredet, ermahnt 
und gebeten, seinen Unterthanen nicht zu hart 
zu sein, Mägde und Gesinde nicht zu bald zu 
verstoßen, alle Gefangenen ledig zu lassen, hat 
sich danach zu Ruhe begeben und also in einem 
sanften Schlaf und im Herrn seliglich verschieden. 
Ihre Kinder hatte sie ihrer Schwester Hedwig in 
Marburg zur Pflege und Versorgung übergeben." 
Kirchhof setzt noch hinzu, diesen Tod vor 
bedeutete Brand in vielen Fürstenhäusern, in 
sonderheit zu Kassel, Einsturz von Mauern, 
Wüllen und dergl., Feuerflammen und Wunder- 
*) 1. Anna Maria, geb. den 27. Januar 1567, ver 
mählt 1589 mit Graf Ludwig von Nassau-Saarbrücken, 
Stammmutter von Nassau-Weilburg. 2. und 3. Hedwig 
und Agnes, Zwillinge, geb. den 30. Juli 1569. Agnes 
starb in demselben Jahr, Hedwig wurde im Jahre 1597 
zu Schmalkalden mit Graf Ernst zu Schaumburg vermählt, 
welcher im Jahre 1621 die Universität Rinteln gestiftet 
hat. 4. Sophie, geb. im Jahre 1571; sie ist unverheirathet 
geblieben und machte sich verdient um die Kinder ihres 
Bruders Moritz. 5. Moritz, geb. im Jahre 1572. 6. Sabine, 
geb. im Jahre 1573, in demselben Jahre gestorben. 
7. Sidonie, im Jahre 1574 geboren und im Jahre 1575 
gestorben. 8. Christian, im Jahre 1575 geboren und im 
Jahre 1578 gestorben. 9. Elisabeth, im Jahre 1577 
geboren und in 1578 gestorben. 10. Christine, 1578 
geboren. 1598 verheirathet mit Herzog Johann Ernst zu 
Sachsen-Eisenach, gestorben im Jahre 1638, ohne Kinder. 
Diese ist eine gelehrte, in der Astrologie sehr bewanderte 
Fürstin gewesen. 11. Juliane, 1581 geboren, kurz nach 
der Taufe gestorben. 
zeichen am Himmel; kurz vor ihrem Abschied 
haben die Hunde um das Schloß gräßlich geheult, 
der Mond sei sehr trüb und dunkel geworden rc. 
In einem gereimten Klagelied auf den Tod 
Sabinens, das von Kirchhof verfaßt ist, heißt es: 
„O was sie für ihre Person täglich für Hand 
arbeit gethan, oft und viel hat sie ganz sanft- 
müthig sich nicht beschwert, selbst zu schauen Kranke, 
sonderlich Kinder und Frauen, manch' arm Kind 
lein nahm sie auf ihren Schooß; das war von 
einer Fürstin ein Groß." 
Folgendes Lob giebt Rommel in seiner hessischen 
Geschichte der Sabine: „Sabine, die älteste Tochter 
des frommen und ruhmvollen Herzogs Christoph 
von Württemberg, eine würdige Stammmutter 
der Fürsten von Hessen-Kassel, deren geräusch 
lose Wirksamkeit alle Lobsprüche ihrer Zeitgenossen 
übertrifft, die bei einer holdseligen Gestalt keinen 
anderen Schmuck als Sanstmuth, Bescheidenheit 
und Keuschheit, keinen anderen Ruhm als die 
Liebe ihres Gemahls kannte, lebte mit ihm in 
fünfzehnjähriger Ehe. Ihr Andenken ist in 
Kassel durch die Stiftung der freien Hof-Arzenei, 
nicht blos für alle Angehörige des Hofes und 
fürstlicher Gäste, sondern für alle Arme und 
Hilfsbedürftige der Hauptstadt, verewigt; sie 
selbst, mit ihrem Gemahl die Kenntniß heilsamer 
Kräuter theilend und in der lateinischen Sprache 
unterrichtet, verschmähte nicht, aus der von ihr 
reichlich ausgestatteten Hofanstalt den Kranken 
die verschriebenen Heilmittel zu reichen, und nach 
dem Beispiel der heiligen Elisabeth der ärmsten 
Unterthanen Elend selbst zu lindern. 
Als sie dem Verlust vieler Kinder und einem 
zarten Körperbau erlegen war, folgten ihr in unüber 
sehbarem Trauerzug bis nach der St. Martins 
kirche zu Kassel die Unterthanen des Landgrafen. 
Der Leichenzug wurde vor Kassel von den Land 
grafen Wilhelm und Ludwig und Wilhelm's 
Sohn Moritz zu Pferd empfangen. Knaben 
mit brennenden Windlichtern gingen voraus, 
die schwarz-sammtne Decke war mit einem weißen 
Kreuz bezeichnet. Alle benachbarten Fürsten, 
selbst der König von Frankreich sandten Beileids 
bezeugungen." 
Wilhelm selbst that das Gelübde, sich nicht 
wieder zu vermählen und hat es gehalten. Er 
sagt, es sei ihm die letzte Bitte „seines lieben 
Beinchen" dermaßen im Sinn, daß er nicht daran 
denke, ein grauer Kopf neben anderen Gebrechen 
sei eine schlechte Morgengabe. 
In einem Kalender hat Wilhelm zu ihrem 
Todestag geschrieben: Obiit in Christo piissiraa 
et dulcissima conjux Rodeburgi. Der Todesfall 
ging ihm je länger, je härter zu Herzen, so daß
	        

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