Full text: Hessenland (14.1900)

I. 
IDie nun der Zug das stille Land durchgleitet, 
Und immer traulicher die Scholle winkt, 
Bis sich die Heimath vor den Blicken breitet, 
N)ie über'm Thale schon die Sonne sinkt, 
Die blauen Berge in den Abend steigen, 
Blein trunk'nes Aug' die schlichte Schönheit 
trinkt, 
And alle Wünsche mir in Andacht schweigen — 
Ach, daß ich gold'ne Worte dafür fände, 
Statt dieser Thräne, die im Zwielicht blinkt, 
^tatt dieser fest und stumm verschlung'nen 
Hände, 
Auf die sich betend meine Lippen neigen. 
*) Mbige Gedichte unterer bernbmten Landsmännin gingen uns 
durch gütige Vermittelung unseres Mitarbeiters w i! b c l in S ch o o f 
in Marburg zu. 
II. 
Durch die Heimath bin ich gefahren, 
Zmmer den Fluß entlang, 
Wo die Thäler am schönsten waren, 
Stand meine Zugend und sang. 
Trug in ihren goldenen Haaren 
Tin Aränzlein grün und roth 
„Ti, liebe Zugend, was singst du so laut, 
Was stehst du im A ranze, gleich einer Braut, 
And bist dock) begraben und todt. .?" 
„„Zch kann nicht schlafen, ick) kann nicht liegen 
Zn meinem Bettlein kalt, 
Zch hörte den Zug vorüberfliegen, 
Zch sah deine dunkle Gestalt; 
Zch sah die Thränen auf deinen Wangen 
Und deine zitternde Hand. — 
Da bin ich dir heimlich entgegen gegangen: 
Willkommen im Hessen land!"" 
A««« Htiticr.
	        

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