Full text: Hessenland (14.1900)

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Sabine. Fandgrüfin von Hessen. 1566 
Bon Professor G. Th. Dithmar. 
1581. 
Ausführliche Nachrichten von der Hochzeit 
rps Wilhelm's mit Sabine, die am 12. Februar 
V 1566 (einem Dienstag) zu Marburg stattfand, 
giebt uns Kuchenbecker in seiner Abhandlung 
von den Erbhofämtern der Landgraffchaft Hessen 
(Marburg 1744). 
Landgraf Wilhelm sendet seinen Kämmerer 
Bastian von Weitershausen an Herzog 
Christoph zu Württemberg, damit dieser seine 
Meinung über den Hergang bei der Hochzeit, 
namentlich darüber, wie es mit dem Einritt 
und den Ceremonien gehalten werden soll, abgebe. 
Soviel nun erstlich seiner Liebden Reise betrifft, 
hofft Wilhelm, daß Christoph sie glücklich vollbracht 
habe und weiter vollbringen werde. Nachdem 
Christoph vermeldet, daß er von Grünberg seine 
Reise dermaßen anstelle, daß sie um 2 Uhr allhier 
(in Marburg) einkommen möchten, erklärt Wilhelm 
es für erforderlich, daß seine Liebden recht früh 
sich aufmache, denu der Weg sei jetzt sehr tief 
und bergig, wiewohl Verordnung geschehen sei, 
daß die Wege gebessert würden. Seine Liebden 
wollten von Stund' an von Friedberg aus dem 
Markgrafen Haus Georg vou Brandenburg nach 
Alsfeld schreiben und zu erkennen geben, daß 
sich seine Liebden auch wollten früher erheben, 
damit einer auf den anderen nicht lange warte, 
sondern beide im Felde bei Ebsdorf oder 
Wittelsberg zusammenkommen möchten. Die 
Reise von Ebsdorf ginge über den Frauenberg 
durch den Eselsgrund und über den Glaskvpf 
nach Marburg. Im gleichen Sinne sollte Er 
mahnung von hier aus an Hans Georg und 
seine Begleitung auch geschehen. 
Was den Empfang betrifft, so soll derselbe nicht 
weit von Marburg aus geschehen; es sollen die 
Fürsten nicht abstehen (absteigen von den Pferden), 
sondern die Braut und die Fürstinnen zu Roß an 
sprechen und empfangen. „Es meinet unser lieber 
Vater — heißt es dann weiter — unseren 
Schwager Wolfgnng (Pfalzgras von Zweibrücken) zu 
vermögen, daß er das Wort des Empfanges thue. 
Soviel den Einzug in die Stadt anbelangt, 
halten wir es für gebräuchlich, daß es unserer 
(Schluß.) 
Freundschaft Reisigen gebühren möge, den Vor- 
und den Nachzug zu bestellen und nun den Adel 
auf einander folgen zu lassen. Was das Uebrige 
betrifft, so möge seine Liebden zu verstehen geben, 
welcher unter den Markgrafen müsse obenan sitzen. 
Unseres Vaters Meinung ist, daß man zum 
ersten den Verzicht thun lasse, dieweil solches 
eine Form ist, danach soll das Zusammengeben 
geschehen, danach, sobald das Nachtessen und Tanz 
geschehen ist, soll das Bett beschlagen, hessischem 
Brauch gemäß, stattfinden." 
Es ist auch noch die Rede von den Packwagen, 
daß sie zur Zeit eintreffen. Dies alles soll der 
von Weitershausen womöglich aufzeichnen und 
den Sonntag bei uns zeitlich wieder eintreffen. 
Weitershausen soll auch nach gebührender Salu 
tation der Frau Herzogin alles vermelden, 
sonderlich soll er ihre Liebden fragen, ob es ihr 
gefällig sei, daß die zwei Gräfinnen aus dem 
Schlosse in Jungfrauen-Kammern oder in der 
Stadt logirt werden sollten, auch ob die Jung 
frauen und Mägde, welche die Braut mitbringt, 
zu den hessischen Jungfrauen sollen logirt werden. 
Bastian von Weitershausen schreibt: „Die 
Kleidung soll bestehen aus schwarzem Sammet mit 
Beischließ-Aermeln aus schwarzem Damast, dann 
aus braunem und goldfarbenem Schiller-Tastet 
u. s. w."; es soll der Schiller-Taffet veilchenblau 
verbrämt werden und es sind zwei auf Papier 
gemalte Jungfrauen mitgegeben, deren eine in 
schwarzer, die andere in goldgelber verbrämter 
Kleidung nach damaliger Tracht vorgestellt wird. 
Die von Herzog Christoph gegebene Anordnung 
ist vom 10. Februar 1566, geschrieben zu Friedberg, 
und bestimmt Folgendes: „Der Herzog will es 
zu Grünberg dermaßen anschicken, daß er am 
Montag um 5 Uhr zu Grünberg sein und 2 Uhr- 
Nachmittags zu Marburg ankommen will." 
Der Herzog hat auch von Frankfurt aus an 
Markgraf Hans Georg nach Alsfeld geschrieben, 
um welche Zeit er in Marburg ankommen und 
unterwegs zwischen Grünberg und Marburg mit 
ihm zusammenkommen wolle, sodann läßt sich 
seine fürstliche Gnaden gefallen, daß der Empfang
	        

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