Full text: Hessenland (14.1900)

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„daß der Herr den Verein erleuchten möge, das 
Rechte in dieser Angelegenheit zu erkennen, und 
kräftigen, alsdann dasselbe auch auszuführen". 
Um nun allgemein bekannt zu geben, „daß der 
Kurhessische Missionsverein in dieser mitüber 
nommenen evangelischen Sorge für China eine 
gemeinsame deutsche Aufgabe" erblicke, 
beschloß der Vorstand des Vereins, mit einer 
gleichen Summe, womit er jede der deutschen 
Missionsanstalten von der ihm zur Verwendung 
anvertrauten Jahreseinnahme des Vereins bedenken 
konnte, eine Deutsch-Chinesische Stiftung 
zu fundiren. So trat denn zu Weihnachten 1846 
diese Stiftung unter dem Vorsitz des Oberappel 
lationsraths Dr. Elvers*), des Pfarrers Lohr 
und des Obergerichtsraths Dr. von Dehn- 
R o t f e l s e r in's Leben, und in Verbindung mit 
ihr erschienen die „Monats-Berichte", welche über 
die chinesischen Verhältnisse und die dortige Mission 
fortlaufenden Ausschluß geben sollten. Die Nr. 1 
dieser Berichte (Verlag von Hotop in Kassel) 
bestand aus einer „Bitte an die deutschen evan 
gelischen Christen für China". In diesem Artikel 
wird u. A. selbstverständlich auch aus die Opium- 
Pest hingewiesen, gegen welche sogar die chinesische 
Regierung nichts ausrichten könne und die den 
Chinesen, außer den besten und edelsten Kräften 
des Leibes und der Seele, im Jahre 1837 allein 
25 Millionen Thaler gekostet habe. 
Der „kaiserliche Himmelssohn" habe sich selbst 
herabgelassen, „die englischen Kaufleute bei den 
Gesetzen der Tugend und der Moral zu beschwören, 
daß sie die Wohlthaten, welche ihnen das himm 
lische Reich durch die Erlaubniß eines gewinn 
reichen Handels erzeige, nicht durch die Einfuhr 
eines so verderblichen Giftes vergelten möchten. 
Aber wie aus seine eigenen Kinder, hat er auch 
auf die Fang ui, die ausländischen Teufel, 
keinen Eindruck gemacht, und Genuß und Gewinn 
sucht verspotten den kaiserlichen Sittenprediger, 
und zeigen durch die That, daß jene unhöfliche 
chinesische Bezeichnung nicht so ohne allen Grund 
sei." 
In der sehr sachlich gehaltenen Abhandlung 
heißt es weiter, als davon die Rede ist, daß die 
Stellung Chinas zum Evangelium als besonders 
erfreulich und hoffnungsvoll bezeichnet werden 
könne: 
„Das chinesische Volk hat nämlich nicht, gleich 
den Hindus, ein ausgebildetes, das ganze Volks 
leben beherrschendes Götter- und Kasten-System. 
*) Dr. Ewers war früher Professor in Rostock gewesen 
und vom Justizminister Mackeldey an das Oberappellations 
gericht in Kassel berufen worden^ 
Sein ursprüngliches, noch jetzt von der Regierung 
vertretenes nationales Religions-System beruht 
einfach aus Verehrung des sichtbaren Himmels 
— Tien — und der Erde und des ans der Ver 
mählung beider entsprossenen Himmelssohnes, des 
Kaisers, zu welcheni officiellen Glaubenssystem theils 
die Religion des Fuh, in China selbst aus den 
Elementen des einheimischen Glaubens ait Geister 
hervorgegangen, theils die aus Hoch-Indien ein 
gedrungene Religion des Buddha hinzutritt, währeitd 
die vorzüglich von den Mandarinen gehegte Lehre 
des Confucius mehr ein jenen uralten National 
glauben voraussetzendes System der Moral und 
Politik enthält. Infolge dieser Zustände fallen 
für China zahlreiche Hindernisse hinweg, welche in 
Indien dem Evangelium den Sieg so sehr er 
schweren. Zwar arbeitet der in China nicht blos 
geduldete, sondern gepflegte Buddhismus mit 
seinen zahlreichen Tempeln und Priestern, seinen 
vielen Klöstern und Mönchen, seinen Rosenkränzen 
und Kasteiungen dem römischen Katholicismus 
anscheinend in die Hände, allein dieser erschrickt 
selbst vor der äußeren Aehnlichkeit, worin er eine 
teuflische Nachäffung der heiligen Sitten und Ein 
richtungen seiner Kirche erblickt. Dagegen erscheint 
für den Protestantismus förderlich die in dem 
innersten Nationalleben der Chinesen liegende und 
durch Confucius geförderte Vorliebe für die sitt 
liche Betrachtung menschlicher Zustände, besonders 
der Familien-Verhältnisse, ingleichen die durch 
ihre ethische Bildung vorbereitete Befähigung, eine 
Erscheinung, wie die des Heilands, ihrer ethischen 
Seite nach bewundernd aufzufassen, ingleichen die 
den Chinesen allgemein innewohnende Ehrfurcht 
vor jedem geschriebenen Worte, die unter ihnen 
weit verbreitete Kenntniß des Lesens und die Lust 
und Freude an demselben, verbunden mit einer 
ausgezeichneten Befähigung, das einmal Gelesene 
im Gedächtniß zu bewahren, insbesondere kommt 
aber der Verkündung des Evangeliums in China 
der Umstand zu statten, daß die heilige Schrift 
alten und neuen Testamentes bereits in's Chinesische 
übersetzt ist, und daß die eine chinesische Schrift 
sprache nicht nur von den 360 Millionen Chinas, 
sondern auch von den vielen Millionen tributärer 
oder benachbarter Völker, namentlich von den 
Siamesen, Cochinchinesen und selbst Japanesen 
verstanden wird, so daß der stillen Gewalt des 
geschriebenen Wortes, besonders wenn sie mit der 
des kräftig gepredigten Wortes verbunden wird, 
hier ein Sieg, wie kaum irgend anderswo, sich 
vorbereitet. Offenbar liegt eine hohe, providen 
tielle Fürsorge Gottes darin, daß diese eigenthüm 
liche chinesische Schriftsprache, welche es möglich 
macht, daß jedes Volk und jeder Volksstamm
	        

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