Full text: Hessenland (14.1900)

204 
von betn 10. Februar abgesehen und die Hochzeit 
verschoben werden, denn Wilhelm litt seit einiger 
Zeit am Quartanfieber, aber zum Glück blieb 
es zur rechten Zeit aus. Er schreibt seinem 
Schwiegervater: „Doch hat mich die verfluchte 
Plage dermaßen von Leib und Farbe gebracht, 
daß ich einem, den man begraben will, ähnlicher 
sehe als einem, der Hochzeit machen will. Gut, 
daß ich zuvor gefreiet habe, weil zu besorgen steht, 
daß mich jetzt kein schönes Fräulein nehmen 
würde, wenn sie mich sähe, doch hoffe ich, die 
Farbe soll mir mit der Zeit wieder kommen, 
fürchte mich sogar, daß mir des Leibes mehr 
werde, als ich begehre." 
Von der Margarethe von der Saal hatte 
Sabine nichts zu befürchten, ihre (Sabine's) Eltern 
drangen in sie, jede Berührung mit Margarethe 
zu meiden, sie könne ihr etwas eingeben, ihr 
Leben gefährden; Margarethe aber brachte sie 
nicht in Gefahr, sondern starb im Juli des 
Jahres 1566, also bald nach der Hochzeit. 
(Schluß folgt.) 
Die Deutsch-Chinefische Stiftung in Kassel. 
enigen Lesern des „Hessenlandes" dürfte es 
tjfj bekannt sein, daß gegen Ende der vierziger 
'1 Jahre des vorigen Jahrhunderts in der 
Haupt- und Residenzstadt des damaligen Kurfürsten- 
thums Hessen eine lebhafte Bewegung für die 
evangelische Mission in China bestanden hat. 
Der Verlauf derselbert sei in Folgendem kurz 
wiedergegeben. 
Anfangs September 1846 fand zu Berlin, der 
Versammlung des Gustav-Adolf-Vereins 
vorausgehend, eine General-Versammlung von 
Abgeordneten deutscher Missiousgesellschaften statt, 
iu welcher hauptsächlich die vom Kurhessischeu 
Missionsverein geplante weitere Bekehrung 
der Chinesen zur Berathung gelangte. Schon 1845 
hatte nämlich dieser Verein das Comito der Ber 
liner „Gesellschaft zur Beförderung der evan 
gelischen Missionen unter den Heiden" auf das Be 
dürfniß einer innigern Vereinigung aller deutschen 
Missionsfreunde zu einer mehr ineinander greifen 
den, organisch geordneten Thätigkeit aufmerksam 
gemacht, welche um so dringlicher erscheine, als in 
jüngster Zeit auch das unermeßliche China der 
evangelischen Mission geöffnet worden sei. Nach 
dem das Berliner Cvmitö sich mit China als 
„Arbeitsfeld" einverstanden erklärt und den Kur- 
hessischen Verein, von dem der Gedanke zu einer 
deutschen Missionsvereinigung in bestimmterer 
Auffassung zuerst ausgegangen, zur Verwirklichung 
desselben aufgefordert hatte, ward von dem ein 
heimischen Vorstand die Vereinigung sämmtlicher 
deutscher Missiousgesellschaften zu einem gemein 
schaftlichen Missionsunternehmen in China auf 
Grundlage der Augsburgischen Konfession vor 
zugsweise in Betrachtung gezogen. In einer 
Juni l 846 zu Berlin abgehaltenen Konferenz waren 
alle Abgeordnete, mit Ausnahme des Dresdener, 
damit einverstatlden, „daß dem Prinzip nach kein 
Bedenken gegen gemeinsame Missionsunterneh 
mungen auf Grund der Augsburgischen Konfession 
obwalte, vielmehr auf Ausführung solcher Unter 
nehmungen Bedacht zu nehmen, sowie daß China für 
eine Missionsunternehmung der evangelischen Ver 
eine Deutschlands bestimmt in's Auge zu fassen 
und deshalb mit der Vorbereitung einer dessallsigen 
Beschlußnahme vorzuschreiten sei". Die fernere 
Leitung der gemeinsamen Geschäfte wurde von der 
Konferenz einstweilen dem Kurhessischen Verein 
übertragen, welcher in der Folge von der Ansicht 
ausging, „daß China nur durch eingeborene 
Missionare werde bekehrt werden können, und daß 
daher der Zweck des Vereins nur darin gefunden 
werden könne, der chinesischen Nation in dem 
Werke ihrer Evangelisirung mit allen denjenigen 
geistigen und leiblichen Mitteln und Kräften, welche 
der Herr der deutschen Kirche und Nation ver 
liehen habe, möglichst zu Hülfe zu kommen". 
Der Schwerpunkt liegt hierbei jedenfalls in der 
Ueberzeugung der kurhessischen Missionsfreunde, 
daß die Bekehrung der Chinesen mit Erfolg nur 
durch eingeborene Prediger betrieben werden könne, 
worin sie mit dem damals hauptsächlichsten Kenner 
der chinesischen Verhältnisse, dem verdienstvollen 
Gützlaff, übereinstimmen. 
Aus der anfangs erwähnten Versammlung 
von Abgeordneten der deutschen Missionsvereine 
im September 1846 zu Berlin, welche unter dem 
Vorsitz des Geheimen Ober-Tribunals-Viceprüsi- 
denten vr. Götze — Vicevorsitzender der Ver 
sammlung war Oberappellationsrath vr. Elvers 
aus Kassel — stattfand, nahm die Konferenz, 
nachdem sie die Schwierigkeit einer gemeinsamen 
Ausseudung sämmtlicher deutscher Missionsgesell 
schaften nach China erkannt, zu Protokoll, daß der 
auf der Grundlage seiner Landeskirche stehende 
Kurhessische Bereiu die chinesische Mission in die 
Hand zu nehmen Freudigkeit zu haben scheine, 
und sprach zugleich den inständigen Wunsch aus,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.