Full text: Hessenland (14.1900)

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Anderes las. Später wurde er zum Theatersänger 
ausgebildet und fand zu Karlsruhe ein güustiges 
Engagement, woselbst er vielleicht noch jetzt lebt 
und singt. Der andere Sohn, Moritz, wurde 
bezüglich seines Talentes sür Musik und Kom 
position überschätzt und als Kapellmeister eines 
obscuren kleinen Provinztheaters zur Aus 
arbeitung einer Oper hingedrängt, deren Text, 
wie ich später von Hauptmann hörte, eine männ 
liche Preciosa zum Gegeustaud hatte. Ihre Aus 
führung in Leipzig machte aber ein so nieder 
schmetterndes Fiasko, daß bei der angekündigten 
zweiten überall üblichen Aufführung das Haus 
vollständig leer geblieben war und eine Wieder 
holung unmöglich wurde. Moritz Hauser starb 
sehr bald an einer Krankheit, welche durch den 
Mißerfolg seiner Erstlingsoper veranlaßt sein 
mochte. Er war ein höchst liebenswürdiger 
Jüngling und ein feiner Geiger, welchen ich in 
Kassel wie in Wien sehr oft im Ouartettspiel 
bewundert habe. Franz Hauser wurde nach 
einigen Jahren an das Konservatorium zu 
München als Gesanglehrer und Vorstand berufen, 
mit dem Michaelsorden dekorirt und starb am 
14. August 1871 zu Freiburg im Breisgau. 
An Hauser sind diejenigen Briefe von Moritz 
Hauptmann gerichtet, welche Alfred Schöne 1871 
in zwei Bänden zu Leipzig erscheinen ließ." 
„FranzGrillparzer.der bekannte Dramatiker, 
von dessen Tragödien in der neuesten Zeit 
wieder einige auf der Bühne erschienen: Medea, 
Sappho und sogar die unheimliche Ahnfrau, war 
wohl eine der ersten Dichtergrößen, welche ich 
persönlich kennen lernte. Ich fand ihn als 
Archivar irgend eines k. k. Hofarchivs zwischen 
staubigen Aktenreposituren in Thätigkeit, ziemlich 
ernst, aber doch nach und nach angeregt, ent 
stäubt und gesprächig. Er kam sehr bald auf 
Ludwig van Beethoven zu sprechen und sagte, daß 
er in dessen letzten Lebensjahren dessen bester 
Freund und täglicher Umgang gewesen sei, in 
dem Beethoven wegen seiner fast gänzlichen Taub 
heit nur noch mit wenigen älteren Freunden 
hätte verkehren können und neue Bekanntschaften 
ängstlich vermieden habe. Beethoven sei mit 
seiner zunehmenden Schwerhörigkeit auch in seinen 
Kompositionen immer dunkler und unverständ 
licher geworden, weil er es habe dahin bringen 
wollen, mit den Tönen nicht nur allgemeine Ge 
fühle und Gedanken, sondern auch bestimmte 
Worte auszudrücken, und sei an diesem Bestreben 
selbstverständlich gescheitert und immer weiter 
zurückgegangen, wie solches seine neunte Symphonie 
beweise, von welcher bekanntlich auch Louis Spvhr 
in seiner Selbstbiographie sagt. cs gebe zwar 
Leute, welche behaupteten, sie verständen sie, es 
sei aber Selbsttäuschung. Als ich Grillparzer 
im Dezember meinen Abschiedsbesuch machte, 
schrieb er für mein Album folgende Verse: 
In der Kunst, so wie im Glauben, 
Ist Dreieinigkeit das Wesen 
Bon dem Letzten. Höchsten, Einz'gen. 
Wen das Wahre nicht erleuchtet 
Und das Gute nicht erlöset 
Von des alten Uebels Banden. 
Der wird nie das Schöne schaffen; 
Zeigt gleich in verschiedenen Gestalten 
Jede sich der drei Gewalten. 
Nur aus der Vereinten Chor 
Geht das Göttliche hervor. —" 
(Fortsetzung folgt.) 
Airs after unô neuer Ierl. 
Einige hessische Gedenktage 
aus der zweiten Hälfte des Monats Juli. 
Am 16. Juli 1541 erhielt die Universität Mar 
burg den kaiserlichen Bestätigungsbries. 
Am 16. Juli 1663 verstarb Landgraf Wil 
helm VI. zu Kloster Haina. 
Am 16. Juli 1761 wurden die Franzosen bei 
Willingshausen von den Verbündeten unter den 
Generalleutnants von Wutginau und von Gilsa 
geschlagen. 
Am 17. Juli 1621 stiftete Graf Ernst von 
Schaumburg die Universität Rinteln. 
Am 18. Juli 1607 erfolgte die Gründung der 
hohen Landcsschule in Hanau, einer zwischen Uni 
versität und Gymnasium in der Mitte stehenden 
Bildnngsanstalt, die erst im 19. Jahrhundert und 
zwar völlig erst im Jahre 1817 in ein Gymnasium 
umgewandelt wurde. 
Am 18. Juli 1610 schlossen die Grafenhäuser 
von Hanau-Münzenberg und von Hanau-Lichten- 
berg ihre Erbverbrüderung, infolge deren das letztere 
das erstere beerbte. 
Am 18. Juli 1743 verstarb der hessische Ge 
schichtsforscher Johann Hermann Schmincke. 
Am 18. Juli 1809 wurde Oberst Emmerich 
aus dem Forst vor Kassel erschossen. 
Am 19. Juli 1504 wurde Homburg vor der 
Höhe von Landgraf Wilhelm II. in Besitz genommen. 
Am 19. Juli 1809 wurde Hofrath Professor 
Dr. Sternberg aus Marburg aus dem Forst er 
schossen.
	        

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