Full text: Hessenland (14.1900)

194 
Wunsch und Befehl Sr. Königl. Hoheit des Kur 
fürsten Allerhöchstihm zur Seite geblieben. —" 
Trotz dieser ausgesprochenen Abneigung Mehsen- 
bug's, wieder nach Kassel zurückzukehren, sah der 
Kurprinz - Mitregent doch in dem Ausharren 
Meysenbug's bei seinem Vater ein werthvolles 
Unterpfand fortdauernder, wenigstens erträg 
licher Beziehungen innerhalb des hessischen 
Fürstenhauses und somit nach der Seite hin 
wenigstens ungestörter Weiterentwickelung der Ver 
hältnisse. Dies zeigte sich, als im Herbste 1835 
Meyseubug seinen Herrn noch einmal bitten zu 
müssen glaubte, ihn aus allen Dienstverhältnissen 
zu entlassen. 
Von allen Seiten, denen die Verhältnisse be 
kannt waren, wurde Meysenbug bestürmt, von 
dem Bestehen aus seinem Entschlüsse abzu 
lassen. 
Ein Mitglied des großherzoglich hessischen 
Hauses äußerte einem Sohne Meysenbug's gegen 
über : 
„Viel Schlimmes ist geschehn. Ihr Herr 
Vater ist derjenige, dem wir alle es danken 
müssen, daß nicht noch Schlimmeres geschah. 
Er ist auch der einzige, der das für die Zu 
kunft zu hindern vermag. " — 
Aus dieser Zeit stammt ein Brief des Flügel- 
adjutanten des Kurpriuz-Mitregenten von Helm- 
schwerd an Meysenbug, der solgendeu Wortlaut 
hat: 
„Mein Verehrtester Freund! Es haben sich 
seit einiger Zeit so mancherlei Gerüchte über 
Ihre Stellung zu Sr. Königl. Hoheit dem 
Kurfürsten verbreitet, daß ich in nicht geringer 
Beunruhigung mich darüber befand, die erst 
dann sich einigermaßen minderte, als ich 
durch das Hanß Rothschild vor Kurzem er 
fuhr, es werde die Sache sich wieder auf Ihnen 
zusagende Weise ausgleichen lassen. Geschähe 
dies nicht, dann w ü ß t e ich wirklich 
nicht, was aus dem ganzen Verhältnisse 
werden soll! Auch Se. Hoheit der Kurprinz 
war sehr unangenehm durch das Ereigniß be 
rührt und besorgte eine nacht heilige Ein 
wirkung aus das Verhältniß zwischen Vater 
und Sohn. 
Haben Sie, mein Verehrtester Freund, die 
Güte, mich recht bald von der Lage der Tinge 
in Kenntniß zu setzen und mich und Ihre 
Freunde zu beruhigen. Bis dahin enthalte 
ich mich jeder Geschästserwähnung, um nichts 
zu berühren, was möglicher Weise nichts nützt. 
Niemand gönnt Ihnen übrigens mehr eine ge 
müthliche Ruhe, wie ich, der ich nachgerade an 
fange, mich ebenwohl danach zu sehnen. 
Schreiben Sie recht bald Ihrem unveränder 
lich treuen v. H." — 
Nach diesem letzten Schritte zur Lösung eines 
Dienstverhältnisses, welches hinsichtlich der damit 
verknüpften Schwierigkeiten, Sorgen und Kämpfe 
ganz geeignet war, die Widerstandsfähigkeit auch 
des pflichtgetreuesten, geduldigsten Mannes zu er 
schöpfen, unternahm Meysenbug keinen neuen 
mehr. Er harrte bis zum Tode, der ihn fast 
gleichzeitig mit seinem Herrn ereilte, in dessen 
Dienste aus, trotzdem Anerbietungen von Preußen, 
Württemberg und einem der kleinen deutschen 
Staaten zum Eintritt in den dortigen Dienst, 
welche ihm in jeder Beziehung eine Ver 
besserung seiner Lage verhießen, an ihn heran 
traten. 
Es mag gefragt werden, was Meysenbug be 
stimmen konnte, trotz aller der vielen ihn 
treffenden Anfeindungen und Verläumdungen an 
der Seite des Kurfürsten auszuharren, wenn 
nicht das Streben nach äußeren Ehren, Macht 
und Reichthum? Ich denke, das Spiegelbild, 
welches aus den vorstehenden Auszeichnungen dem 
Leser derselben entgegentritt, giebt darauf hin 
reichend Antwort. Meysenbug hielt es für „ehren- 
werth", in Stürmen und Wettern bei seinem 
fürstlichen Herrn und Freunde auszuharren, treu 
dem diesem geleisteten Eide, und auch nicht zu 
zögern, die Beschimpfungen, die ihm die Hand 
lungen seines Herrn zuzogen, ruhig über sich er 
gehen zu lassen. 
Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Kurfürst 
dies tief empfand, und ebenso der Kurprinz, 
die Kursürstin und alle die, welche die Verhält 
nisse zu ergründen in der Lage waren. 
Auf das Verhältniß des Kurfürsten zu seinem 
treuesten Diener wirft folgender Passus aus 
einem Briese der Frau Meysenbug's an einen 
ihrer Söhne ein Streiflicht: 
„Tu kannst Dir denken, wie unmuthig der 
Vater, au Kranksein gar nicht gewöhnt, ist: 
wie er anfangs sich gar nicht finden wollte in 
die Nothwendigkeit, zu Hause zu bleiben, die 
ihm bei seiner ununterbrochenen Thätigkeit und 
Beweglichkeit erst gar nicht ausführbar schien. 
Sein Kummer, daß es in allen Geschäften eine 
Stockung geben könnte, wird in etwas gemildert 
durch die große und innige Theilnahme seines 
Herrn, der ihn jeden Tag ein, zwei, auch zu 
weilen drei Mal besticht und sich wirklich so 
beweist, daß man des Vaters große Liebe und 
Anhänglichkeit für ihn natürlich finden muß!" — 
In gleicher Weise wird dies Verhältniß durch 
beit Schluß eines Brieses des Kurfürsten an 
Meysenbug beleuchtet. Es heißt dort:
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.