Full text: Hessenland (14.1900)

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„Womit habe ich alle diese Schläge des 
Schicksals verdient? — Ich trage das be 
ruhigende Bewußtsein in mir, redlich, treu und 
uneigennützig stets gehandelt zu haben — und 
was ist mein Lohn?" 
Ferner am 7. Dezember 1831: 
„Wenn ich mein stürmisches Leben überblicke, 
so fühle ich mich trotz aller Anfeindungen vieler 
meiner Landsleute beruhigt in meinem Ge 
wissen !" 
Aehnliche Auslassungen finde ich noch in zwei 
späteren Briefen; so in einem vom 21. August 
1834, worin es heißt: 
„Ich bin jederzeit bereit, vor dem zu er 
scheinen, welcher meine Handlungen gerecht 
beurtheilen und nach seiner Gnade richten wird; 
daher das Urtheil der Menschen mich nicht 
kümmert. Aber für solchen Fall baue ich dar 
auf, daß meine theuern Hinterlassenen zusammen 
halten und durch gegenseitige Liebe und Einig 
keit das Andenken eines Vaters ehren werden, 
welcher — giebt es anders dort Rückblicke 
auf das hier — segnend herabsehen wird aus 
den Kreis seiner Lieben, die sich geschwisterlich 
umschlingen." 
So lauten die Auslassungen, die nach den 
bittern, unverdienten Kränkungen, die Meysenbug 
erfahren hatte, in seinen Briefen der spätern 
Zeit rücksichtlich derselben zu finden sind. 
Außer diesen nehmen noch zwei darauf Bezug, 
welche die Besorgnis;, daß seiner Familie aus den 
gegen ihn gerichteten Umtrieben Schaden erwachsen 
könne, zum Ausdruck bringen. 
So schreibt er unter dem 11. Juni 1831: 
„Und unsere Familie, warum sollte sie 
gerade den Machinationen boshafter Menschen 
unterliegen? Alan sage, was man wolle, haben 
wir wohl unbescheidene Ansprüche gemacht? 
Tu weißt es am besten, daß ich keine Schätze 
sammelte, daß ich meine Familie, meine Sohne 
Niemanden in den Weg treten ließ!" 
Und in einem Briefe vom 8. Juli 1831: 
„Mein guter Sohn, solltest Du um meinet 
willen auch persönliche Kränkungen erfahren! 
Was wollen denn die bösen Menschen?! — 
Wenn ich fort bin, werden sie vielleicht er 
kennen, was ich gewirkt habe. Und wie gerne 
ginge ich nicht! Habe ich doch wahrlich der 
Freuden wenig, der Leiden viel!" 
Schließlich füge ich hier noch die Worte an, 
welche Meysenbug am 29. August 1831 an den 
Obervorsteher, Herrn von Trott, richtete als Ant 
wort auf ein Schreiben des letzteren, in welchem 
er Meysenbug von den Gerüchten, daß derselbe 
einen verhängnißvollen Einfluß aus den Kur 
fürsten ausübe, Mittheilung macht. Das Ant 
wortschreiben Meysenbug's lautet: 
„Ew. Hochwohlgeboren vorgestriges Schreiben 
persönlich zu beantworten, bin ich leider ver 
hindert. Daher erwidere ich hiermit schriftlich, 
daß ich von jeher nach meiner geprüftesten 
Ueberzeugung und nach meinen besten Kräften 
gehandelt habe und deshalb in meinem 
Innersten völlig beruhigt und nächst Gott 
nur meinem gnädigsten Herrn und meinen 
Vorgesetzten Rechenschaft schuldig, über alle die 
jetzt so häufig an mich herantretenden lügen 
haften Beschuldigungen aber erhaben bin." — 
Ueber die „Krawalle" des Jahres 1831 und 
die sich an dieselben für Meysenbug anknüpfenden 
Ereignisse spricht sich ein Brief der Frau Meysen- 
bug's an einen ihrer Söhne, wie folgt, aus: 
„Gottes Güte hat den Vater in der großen 
Gefahr und Noth auch nicht einen Moment 
Muth und Besonnenheit verlieren lassen und 
ich darf mir das Zeugniß geben, daß ich im 
Bunde mit dem getreuen, vortrefflichen Fritz 
alles gethan, alles aufgeboten habe, um den 
guten Vater ausrecht zu erhalten und ihm 
Trost und Stütze zu sein. Wilhelm hat, wie 
er mir sagte, Dir die ewig unvergeßlichen 
Tage, den letzten Montag und den Dienstag, 
geschildert. Wahrscheinlich hat er Dir auch 
gesagt, daß man die grausame Niedrigkeit sv 
weit getrieben hat, den armen Fritz zum Boten 
der scheußlichen Schrift zu machen, worin man 
den Vater mit verläumderischen Schmähungen 
und schimpflichen Vorwürfen überhäuft und 
von ihm verlangt, daß er eine Stelle nieder 
lege, die er durchaus nicht behalten solle und 
dürfe. Der Vater hat es für seine Pflicht 
gehalten, noch an demselben Tage sein Abschieds 
gesuch einzureichen, allein es ist bis diesen 
Augenblick sein Schicksal noch nicht entschieden. 
Der Kurfürst hatte einen Brief an den 
Ministerpräsidenten von Schenk beigelegt, da 
nach der Konstitution die Minister darüber 
berichten müssen, wenn einer derselben den Ab 
schied verlangt. — So viel ist klar: man will 
den Vater los sein. — Was daraus werden 
wird, weiß nur Gott allein! 
Ueber die Auftritte des Dienstags laß mich 
schweigen. Ich flüchtete mich mit den beiden 
Kleinen zu W., weil so hoch die Steine nicht 
reichten. — 
Des Vaters und unser aller Entschluß war: 
fort von hier — allein, wohin sich wenden 
in diesen unruhevollen, bewegten Zeiten! — 
Nach langem Sinnen wurde endlich beschlossen,
	        

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