Full text: Hessenland (14.1900)

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Die herrschaftlichen Mühlen wurden alle auf 
sechs, auf neun Jahre oder auch erblich ver- ! 
meiert. Tie jährlichen Abgaben der Meier be 
standen — wie m anderen Gegenden, z. B. im 
Mainzischen. — aus baarem Gelde. Getreide oder 
gemästeten Schweinen, die zum Theil von der 
Herrschaft geliefert wurden. Ter Müller hatte 
d»e Mühle nebst dem zugehörigen Garten und 
Lande in gutem Zustande zu erhalten; zuweilen 
lieferte die Herrschast jedoch Holz und Reisig zu 
Bauten und Ausbesserungen svrstsrei ans ihrem 
Walde. 
Am wichtigsten war die W a g m n h l e. sie 
brachte der Herrschaft am meisten ein. nämlich 
jedesmal am Michaelistage 30 Viertel Roggen 
und 2 Viertel Weizen und außerdem acht gemästete 
Schweine, die dem Müller von der landgräflichen 
Küche im mageren Zustande geliefert wurden. 
War in einem Jahre genug Eichelmast in den 
Wäldern, so hatte der Müller die Mast der 
Schweine mit sechzehn Gulden baar abzukaufen. 
Als die Wagmnhlc 1087 an Marie Andreas, ! 
die Wittwe des früheren Weizenmüllers in der 
Neustadt Kassel, auf sechs Jahre vermeicrt wurde, 
erhielt sie die Zusicherung, das; die beiden gegen- j 
aber liegenden Mühlen, die Loh- und die Schneide- 
wühle, bei niedrigem Wasserslande ihre Schütten 
schließen müßten. Mit dieser Beschränkung hatten 
sich die Melsunger Lohgerber schon durch Revers 
vom Jahre 1551) einverstanden erklärt. 1735 
wohnte aus der Wagmühle noch ein Andreas, 
zur Zeit des Siebenjährigen Krieges hatte sie der 
Müller Schreiber in Erbleihe. 
Tie Leistungen des B a ch m üllers waren 
geringer als die des Wagmüllers. Sie bestanden 
in 15 Vierteln Roggen und der Mästung von 
drei Schweinen oder 0 Gulden baar. In einem 
Leihebricfe von 1671 wird cs dem Müller frei 
gestellt. vb er Schweine mästen oder das übliche 
Mastgcld von 2 Gulden für jedes Schwein ent 
richten wollte; früher begnügte man sich auch 
beim Bachmüller nur dann mit dem baaren Gelde, 
wenn in den Wäldern gute Gelegenheit zur Mast 
war. Derselbe Brief verbietet den Melsunger 
Bürgern, ihre Wiesen am Kehrenbache von dem 
dortigen Mühlgraben aus zu bewässern, es sei 
denn, daß starker Regen eintrete. 1688 verkaufte 
Landgraf Karl das Erbrecht der Bachmühle 
an Ehrlstvph Wickmann für 200 Reichsthalerl 
Ter Müller hatte von da ab die Mühle wie 
eigene Güter erblich inne und konnte nach Belieben 
damit schalten lind walten. Sonst unterschied 
sich die neue Stellung des Bachmüllers nicht 
von der eines Meier-, dem sein Gut nur für 
wenige Jahre verliehen war. Kornzins und 
Mästung der Schweine blieben auf der Mühle 
haften, jener wurde sogar noch um ein Viertel 
erhöht. Auch hörte die fvrstfreic Bewilligung des 
Bauholzes und Reisigs auf. Bei Bauten sollten 
jedoch die Unterthanen des Amtes Melsungen, 
gegen die Verabreichung des üblichen Dienstbrotes 
und -Bieres, hülfrciche Hand leisten. Falls der 
Müller mit seinem Zinse im Rückstände blieb, 
fiel die Blühte ohne Entschädigung in das Eigen- 
thum des Fürsten zurück. Beim Verfalle des 
Gebäudes waren der Müller oder feine Erben 
oder Rechtsnachfolger verpflichtet, es binnen Jahres 
frist wieder in baulichen Stand zu bringen. 
Erst in unseren Zeiten gingen Wag- wie Bach- 
mühle ans der Erbleihe in Privatbesitz über. 
Tie Melsunger Mühlen haben im Lause der 
Jahrhunderte mancherlei S ch i ck s a l s f ch läge er 
fahren. 
Während des Siebenjährigen Krieges brannte 
die Schneidemühle auf dem Werr ab, wurde aber 
bald durch einen Renbau ersetzt. 
Besonders litten die Mühlen beim Eistreiben 
und beim Hochwasser, so im Februar 1767 die 
Wagmühle. Durch die Ucberschwemmung vom 
5. Januar 1043 wurde die oberste Schneidemühle 
und die Lohmühle in der jetzigen Vorstadt durch 
die Fluthen der Fulda gänzlich zerstört und fort 
gerissen. 
Auch die von den Wollenwebern erbaute Walke- 
mühle am Kehrenbache ging um diese Zeit oder 
etwas später durch Hochwasser zu Grunde und 
wurde dann völlig abgebrochen. Johann Valentin 
Ellinger, der Schneidemüller ans dem Werr, baute 
daraus an der Psiefe eine neue Walkemühle, die 
noch jetzt besteht und zwischen Adelshausen und 
der Fahre liegt. Ta er aber auf der untersten 
Schneidemühle seine Wohnung behielt. konnte er 
nur mangelhaft für den Betrieb seiner neuen 
Mühle sorgen. Darum bat im November 1710 
der Bürger Johannes Wcltncr, der bedeutendste 
unter den Melsunger Wollenwebern, die fürstliche 
Rcntkammer um Erlaubniß, an dem Mühlgraben 
unter dem Nick, also wieder an der Ableitung 
des Kehrenbachs, eine Walkemühle zu erbauen. 
Ellinger's Einsprache hals nichts; obwohl eine 
Schleifmühle dicht daneben lag. erhielt Wcltncr 
am t. Juli 1720 die Genehmigung zum Baue. 
Seiner Mühle war aber nur ein kurzes Dasein 
beschlcdcn. der Siebenjährige Krieg gab ihr den 
Todesstoß. Tic Franzosen trieben auf dem Karls 
hagen. der unmittelbar über dem Mühlgraben und 
dem Kehrenbache liegt, lange Zeit ihr Wesen und 
legten fortwährend Vorposten und Einquartierungen 
in die Walkemühle. Wie es im Kriege gewöhn 
lich geschieht, hausten die kleinen Abtheilungen
	        

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