Full text: Hessenland (14.1900)

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Landgraf Philipp im Feldzug des Jahres 1346 
und die Volksdichtung. 
^bekanntlich verlief der Feldzug des Jahres 1546 
V) für Landgraf Philipp den Großmüthigen 
und feine Bundesgenossen wenig glücklich. 
Am 4. Juli 1546 hatten der Landgraf und 
der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen zu 
Ichtershausen bei Erfurt beschlossen, dem drohenden 
kaiserlichen Angriff zuvorzukommen, um die von 
allen Seiten bereits anrückenden Streitkräfte ihrer 
Gegner auseinander zu halten. Sie rechtfertigten 
ihr Vorgehen hauptsächlich dadurch, daß die von 
Kaiser Karl V. beliebte Herbeiziehung fremd 
ländischer Truppen einen Bruch der kaiserlichen 
Wahlkapitulation enthalte. Dafür traf sie am 
20. Juli die kaiserliche Acht. Anfangs August 
(3., 4.) standen sie bei Donanwörth, wohin der 
Landgraf am 11. Juli von Meiningen ans auf 
gebrochen war. 
Zuerst wurden nun Schvnfeld, Rain und Nen- 
burg als Thore zu Baiern und zur Sicherung 
des Donauübergangs besetzt. Dann rückte der 
Landgraf, ans das linke Donauufer zurückkehreud, 
nach Ingolstadt, wohin der Kaiser einstweilen 
zwei Fähnlein gesandt hatte, und von da über 
Altmühl gegen Regensbnrg vor, wo der Kaiser 
weilte. Dieser war aber inzwischen von da am 
21. August wieder aufgebrochen, erschien auf dem 
linken Dvnauufer bei Neustadt in der Flanke des 
Feindes und überschritt den hier überbrückten 
Fluß am 24. und 25. August. Das nöthigte 
den Landgrafen, der sich nicht von Nenburg ab 
schneiden lassen wollte, in eiligen Märschen durch 
das schwierige Terrain wieder bis Nassenfeld 
oberhalb Ingolstadts zurückzugehen. Der Kaiser, 
am 26. August von Neuburg aufbrechend, rückte 
ihm nach und schlug nördlich von Ingolstadt sein 
Lager auf. 
Zwischen seiner Reiterei und der der Verbündeten 
kam es in der Nacht auf den 29. August und 
an diesem Tage an einem Walde zu lebhafteren 
Scharmützeln, welche nicht ungünstig für die Kaiser 
lichen ausfielen. In der Nacht des 31. August 
führte darauf der Landgraf sein ganzes Heer an 
gesichts des kaiserlichen Lagers über das Flüßchen 
Schütter, welches die Gegner bisher noch trennte, 
und am l. September begann seine sehr starke 
Artillerie, welche die Lagerlinie des Kaisers in 
einem halbmondförmigen Kreise umspann, ein hef 
tiges und ununterbrochenes Feuer. Er hoffte durch 
dessen Gewalt den Kaiser ohne Sturm ans seiner 
Stellung herauszuwerfen. Aber die Kaiserlichen 
hielten unerschüttert Stand. Drei Tage dauerte 
das betäubende Geschützfeuer, das nicht nur ans 
den Schanzen, sondern auch aus der Stadt Ingol 
stadt selbst lebhaft erwidert wurde. 
Der Landgraf sah endlich seine Hoffnung ver 
eitelt, da der Kurfürst nicht dazu zu bewegen 
war, den Sturm und die Schlacht zu beschließen. 
Zudem traf die Nachricht ein, daß der Graf von 
Büren, den die Statthalterei der Niederlande mit 
bedeutender Trnppenmacht sandte, vom Rhein her 
im Anmarsch sei. Es schien gerathen, ihn wo 
möglich vor der Vereinigung mit dem Kaiser zu 
treffen und zu schlagen. In der Nacht auf den 
4. September verbrannte daher der Landgraf seine 
Lagerhütten und zog ab, um über Neubnrg und 
Donanwörth dem Grafen entgegenzurücken. Dieser 
aber täuschte den Landgrafen durch eine etwas 
nördlichere Marschroute und vereinigte sich un 
angefochten am 15. September vor Ingolstadt 
mit dem Kaiser, der nunmehr zur Verfolgling 
des feindlichen Heeres aufbrach. Der Landgraf, 
inzwischen am 13. September nach Donanwörth 
zurückgekehrt, zog dann, um Ulm und Württem 
berg zu decken, über Nördlingen (wo am 
4. Oktober sich plötzlich, und ohne es gewollt zu 
haben, beide Heere gegenüberstanden) nach Giengen. 
Hier schlug er ein festes Lager. 
Dem Kaiser hatte inzwischen Donanwörth am 
11. Oktober die Thore geöffnet. Ueber Dillingen 
marschirend, bezog dann auch er dem Landgrafen 
gegenüber bei Sontheim ein festes Lager, von wo 
ans er zugleich Ulm bedrohte. Seit dem 14. Ok 
tober kam es hier häufiger zu Scharmützeln, 
zugleich aber auch zu einem durch den Herrn 
von Trott geführten Versuch einer Friedens- 
Verhandlung, die sich jedoch bald zerschlug, weil 
der Kaiser auf bedingungsloser Unterwerfung be 
stand.
	        

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