Full text: Hessenland (14.1900)

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aus Ehrsucht u. dgl. Hamlet und Lear hat 
man sich nicht gescheut vor französische Augen 
und Ohren zu bringen. Kurz, das Ganze taugt 
nichts!" 
Die Angaben dieses „Deutschenfressers" können 
uns höchstens ein mitleidiges Lächeln entlocken, denn 
die Vorzüglichkeit der Großmann'schen Schauspiel- 
truppe war damals in der ganzen Welt bekannt. 
Die Nachwelt aber kann Direktor Großmann nicht 
dankbar genug sein, daß er das Theater so geschickt 
von dem verhaßten Welschthum zu befreien verstand. 
W. S. 
Airs aster und neuer Zeit. 
Alte Mal statte bei Uttershausen. Im 
November 1233 hielt Gras Gottfried von 
N e i ch e n b a ch mit dem Prälaten des Stifts Fritzlar 
sowie vielen benachbarten Geistlichen und Weltlichen 
aus offenem Felde zwischen Zennern und Utters 
hausen (in campo inter Cenre et Utirshusen) 
eine Versammlung ab, in welcher er dem Kloster 
Haina (damals noch Aulisburg genannt) abermals 
alle Schenkungen und Privilegien bestätigte (Kuchen 
becker, Analecta Hass. IV, S. 347—356). Die 
Stelle, auf welchem dieser feierliche Akt vorgenommen 
wurde, ist schwerlich ein anderer gewesen als der 
Platz am Fußwege von Zennern nach Uttershausen 
aus der kleinen Anhöhe unweit des letzteren Dorfes, 
auf welchem noch nach dem Jahre 1860 der weit 
bekannte s. g. Hünen stein stand. Von diesem 
ging die Volkssage, der Teufel habe ihn, um den 
Dombau zu Fritzlar zu hindern, vom Homberger 
Schloßberge ans gegen diesen Ban geschlendert, 
aber nichts ausgerichtet, weil der Stein an jener 
Stelle niedergefallen sei. Aller Wahrscheinlichkeit 
nach ist in dem Platze eine alte Gerichtsstätte zu 
erblicken, vielleicht die der nachmaligen s. g. Vogtei 
Zennern-Wabern. Der verstorbene Landrath 
Weber zu Fritzlar, bezw. Wolfhagen (st daselbst 
am 3. April 1879), der sich um die Geschichte 
von Fritzlar und seiner weiteren Umgebung durch 
Anlegung der im Besitze des Vereins für hessische 
Geschichte zu Kassel befindlichen darauf bezüglichen 
Sammlungen sehr verdient gemacht hat, ist der 
erste gewesen, der auf die Bedeutung des erwähnten 
Steines als eines Malsteines hingewiesen hat. Ist 
auch der Stein nicht mehr vorhanden, so doch die 
Stätte, an welcher er sich befunden hat, die als 
alte Malstütte bisher noch nicht erkannt worden 
ist und hiermit als solche festgelegt sei. 
Aus Keinrath unö Iremöe. 
Jahresversammlung des Vereins für 
hessische Geschichte und Landeskunde. 
Der Verein für hessische Geschichte wird seine 
Jahresversammlung in Karls Hafen ab 
halten und zwar in den Tagen vom 13.—15. August. 
Den Hauptvortrag am 14. August wird Pfarrer 
Ernst Fraucke, Geistlicher des Vereins für innere 
Mission zu Kassel, halten, welcher eine Reihe von 
Jahren in Karlshasen als Geistlicher gewirkt und 
eine Geschichte der Stadt veröffentlicht hat. Für 
den letzten Tag ist bei genügender Betheiligung 
ein Ausflug mittelst Dampfers nach Lippolds- 
berg und Bursselde mit Vorträgen an beiden 
Orten in Aussicht genommen. 
Ländlicher Fe st zu g. Ein reiches Bild von 
ländlichen Trachten Oberhessens bot der bei Gelegen 
heit des landwirthschastlichen Festes zu 
Kirchhain am 16. Juni stattgehabte Festzug. 
Vorausreitenden Herolden und dein Wagen der 
Vertreter der Stadt Kirchhain folgten nach Ort 
schaften gesondert 28 Wagen mit ländlichen Jn- 
sassen aus dem Wohra- und Ohmthale. Zwischen 
denselben sprengten ländliche Reiter. Den Schluß 
bildeten Krieger-, Gesang- und Turnverein der 
Stadt Kirchhain mit ihren Fahnen. Der erste 
Preis wurde dem von der Gemeinde Kirchhain 
gestellten Erntewagen mit der Erntekönigin und 
ihren Ehrendamen zuerkannt, der zweite Preis dem 
Wagen der Gemeinde Wolferode, aus welchem die 
Flachsverarbeitung dargestellt war. Besondere An 
erkennung erhielten noch die Wagen der Gemeinden 
Rauschenberg (Erntewagen), Amöneburg (prächtiger 
Brautwagen) und Neustadt (Schäferei), auch die 
Festwagen von Mardorf und Anzefahr waren reizend 
geschmückt. Die überaus zahlreichen Zuschauer, 
unter denen sich auch Se. Excellenz der Herr Ober 
präsident Gras v. Zedlitz-Trützschler befand, 
gewannen durch das Schauspiel, welches ihnen ge 
boten wurde, ein farbenreiches Bild von den in 
diesem Theile Oberhessens noch lebendigen alten 
Volkstrachten, die hoffentlich noch ans lange Zeit 
hinaus erhalten bleiben.
	        

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