Full text: Hessenland (14.1900)

„Durch den Tag bin ich gegangen. . 
Durch den Tag bin ich gegangen 
Wie durch einen schönen Wald, 
Sah am Weg die Rosen prangen, 
Sah des Märchens Trauingestalll 
Durch den Wald bin ich gegangen 
Wie durch einen schönen Tag, 
Lieder hab' ich aufgefangen, 
Mehr als ich behalten mag. 
Wald und Leben hat zu einem 
Bild schon längst sich mir erhellt, 
Und ich denk' mir auch in keinem 
Andren Bild — die ew'ge Welt. 
Kart G-rnst Knodt. 
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Sternenfcfyimmer. 
Tin Stern war ausgegangen 
Am weiten Himmelszelt, 
Mit seltsam mildem prangen 
Durchdrang sein Glanz die Welt. 
vergessen konnt' ihn nimmer, 
Dem freundlich er gegleißt, 
Ts weckte sanft sein Schimmer, 
Was kferz und Liebe heißt. 
Lin Abend mußte kommen, 
Da war der Stern nicht mehr. 
Tr war verblaßt, verglommen 
gm Sphärennebelmeer. 
Die Welt — sie hat's ertragen! 
Nur einer härmte sich, 
Dem einst in Iugendtagen 
Lin lieber Stern verblich. 
Kranz W. Lillerscheidt. 
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Sonett 
Nun soll auf Dich ich ein Sonett ersinnen, 
Ich, der ich sonst wohl nie in meinem Leben 
Zu dieser Form die Mühe mir gegeben. 
Wie sang ich's an, wie soll ich es beginnen? 
Welch' süße Töne muß ich da gewinnen, 
Daß würdig sie zu Deinem Lobe schweben, 
Daß sie im Rhythmus taktgemäß sich heben 
Und inühlos sich von Vers zu Verse spinnen? 
Wird mir das hohe Lied wohl auch gelingen? 
Wird's bloßes Spiel und leere Reiincrei? 
wird's ernst und würdevoll dem Ohr erklingen? 
Beginne nun, mein Sang, wie dem auch sei! . . . 
Nun wollt' ich lobend Deine Schönheit singen, 
Da kommt die Form und sagt: „Ts ist vorbei!" 
Kenrl du Kais. 
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