Full text: Hessenland (14.1900)

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Aus KeinrutH und Irremöe. 
Hcf f if d)er Ge) chich tsverein zu Marburg. 
Das Ziel der zweiten Burgenfahrt des Vereins, 
welche am 5. Juni unter zahlreicher Betheiligung 
stattfand, bildete H o h e n s o l m s. Von Station 
Bieber aus ging der Marsch durch das schöne 
Bieberthal nach Königsberg, von dort aber nach 
Hohensolms, wo unter Führung des Archivars 
Dr. Then n e r die Burganlagen in Augenschein 
genommen wurden. Auch wurden die inneren 
Räume des Schlosses besichtigt. Das Wetter be 
günstigte die Fahrt sehr, wenigstens war dieses 
Mal über kalte Winde nidst zu klagen, eher über 
zu hohe Temperaturgrade. 
Bibliothekar Versammlung. In den Tagen 
vom 6. bis 8. Juni beherbergte das alte Marburg 
die erste Versammlung deutscher Bibliothekare. 
Aus dem vorjährigen Philologeutage in Bremen 
war in der dortigen Sektion für Bibliothekswesen 
der Beschluß gefaßt worden, fortan regelmäßige 
Bibliothekarversammlungen abzuhalten, mit anderen 
Worten, sich selbständig zu konstituiren. Marburg 
hatte die Ehre, in seinen Mauern diesen Akt sid) 
vollziehen zu sehen. Zahlreid) waren die Fach 
genossen erschienen, unter ihnen besondere Autoritäten 
ihres Faches; so z. B. die Direktoren Geh. Rath 
Dziatzko-Göttingen, Schwenke und Erman-Berlin, 
Geh. Rath von Laubmann-München, die Ober- 
bibliothekare von Gebhardt und Professor Schulz- 
Leipzig, Geiger-Tübingen. And) die Schweiz und 
Oesterreich waren vertreten. Die Verhandlungen 
fanden im Lvsesaal der neuen Universitätsbibliothek 
statt und zwar unter Vorsitz des Direktors der 
selben Geh. Regierungsraths Dr. Roediger, dem 
Direktor Dr. Schwenke-Berlin, der Herausgeber 
des Adreßbuches deutscher Bibliotheken, als 2. Vor 
sitzender zur Seite stand. Der 1. Vorsitzende hielt 
einen Vortrag über das neue Bibliotheksgebäude, 
welches unter seiner Führung dann eingehend be- 
sid)tigt wurde. Tie Einrichtungen der Bibliothek 
fanden dabei gebührende Würdigung. Aus der 
Tagesordnung des 8. Juni stand die Berathung 
der Satzungen des neuen Vereins der deutschen 
Bibliothekare. Nach der dem 8 1 gegebenen 
Fassung hat der Verein den Zweck, den Zu 
sammenhang unter den deutschen Bibliothekaren 
zu pflegen und Interessen des Bibliothekswesens 
zu fördern. Die Versammlungen des Vereins 
werden jährlich stattfinden. Tie Annahme der 
Satzungen erfolgte mit großer Mehrheit. Zum 
Vorsitzenden des Vereins wurde im zweiten Wahl 
gang Direktor Schwenke-Berlin gewählt, nach 
dem Geh. Regierungsrath Dziatzko-Göttingen 
die bereits ans ihn gefallene Wahl abgelehnt hatte. 
Dem weiteren Ausschuß gehören n. a. an Ge 
heimrath Roediger-Marburg und Hosbibliothekar 
Schmidt-Darmstadt, sowie Direktor Professor 
Ebrard- Frankfurt a. M. Letzterer hatte es 
übernommen dem Vorsitzenden für seine nmsick)tige 
und erfolgreiche Leitung zu danken. 
Daß die Sehenswürdigkeiten Marburgs von 
den Theilnehmern der Versammlung fleißig in 
Allgenschein genommen wurden, braucht kaum er 
wähnt zll werden. 
Theater i n K affe l. Mit dem Ende der 
Spielzeit scheiden zwei verdiente Mitglieder aus 
dem Verbände des Hoftheaters in Kassel, nämlich 
Fräulein Turba', die allgemein beliebte langjährige 
komische Alte desselben, und Frau Wetze stein, 
die viele Jahre als Solotänzerin und Ballekmeisterin 
Hervorragendes geleistet hat; beide treten in den 
Ruhestand. Das Publikum wird ihnen ein dank 
bares Andenken bewahren. 
UniversitätsNachrichten. Die Gesammt- 
zahl der im laufenden Sommersemester der Uni 
versität zu Marburg immatriknlirten Studenten 
betrügt 1184 gegenüber 1030 im letzten Winter 
semester und 1209 im vorigen Sommersemester. 
Von den jetzt Immatriknlirten entfallen aus die 
theologische Fakultät 113, auf die juristische 371, 
die medizinische Fakultät 239 und die philosophische 
Fakultät 461. Tie letztere hat gegenüber dem 
vorigen Sommersemester einen Zuwachs von 12 
Studenten auszuweisen. Mit Erlaubniß des Rektors 
hören Vorlesungen 53 Personen, darunter 8 Damen. 
Die Gesammtzahl aller Berechtigten beträgt somit 
1237. 
Zur Ableitung des Idiotismus „Scherzen". 
Erwiederung. — In Nr. 7, S. 88—89, dieser 
Zeitschrift*) hat Herr Metr. F. Ri ebelin g die 
Ableitung des Wortes „Scherzen" vom jetzigen 
Worte „scherzen" (jocari), welche Vilmar und 
Hainebach (im von mir angezeigten Oberhessischen 
Wörterbuche) in Verwerfung der Auffassung 
Schmeller's geben, als „an sich ganz unwahr 
scheinlich" bezeick)net, und zwar aus dem von 
mir angegebenen Grunde (dem Vokalismus und 
dem Begriffe nach). Gleichzeitig aber erscheint ihm 
die Ableitung des Wortes von „schürzen" nicht 
*) Durch ein (allerdings entschuldbares) Versehen der 
Post habe ich diese Nr. 7 des Hessenlandes erst im Mai 
erhalten, weshalb diese Erwiederung etwas verspätet er 
scheint. —
	        

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