Full text: Hessenland (14.1900)

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Die ältesten Buchdrucker im ehemaligen Kurhesten. 
® ie Welt schickt sich an, die 500jährige Wieder 
kehr des dem Datum nach freilich unbekannten 
~ Geburtstags I o Hannes Gutenberg's, 
des Erfinders der Buchdruckerkunst, feierlich zu 
begehen. Mancher unserer Landsleute dürfte wohl 
Gelegenheit haben, den für den 24. Juni d. I. 
im großen Maßstabe geplanten Veranstaltungen 
in Gutenberg's Geburtsstadt, der heute zum groß- 
herzoglichen Hessen gehörigen alten Bischofsstadt 
Mainz, beizuwvhneil. 
Die bevorstehende Gntenbergfeier bietet dem 
„Hessenland" Veranlassung darzulegen, wann in 
unsere engere Heimath, das ehemalige Knrhessen, 
die Buchdruckerkunst ihren Einzug gehalten hat, 
bezw. welche Männer es gewesen sind, die daselbst 
zuerst als Buchdrucker thätig waren. 
Der zu einer derartigen Zusammenstellung er 
forderliche Stoff findet sich in zwei sehr verdienst 
lichen Werken, die vor wenigen Jahren in Hessen 
entstanden sind, in der klassischen Arbeit von 
A. von Do mm er, „Die ältesten Drucke ans 
Hessen 1527—1566. Marburg (N. G. Elwert) 
1892" und in dem mustergültigen, hoffentlich für- 
andere Gegenden des deutschen Vaterlandes vor 
bildlich gewordenen „Hessischen Buchdruckerbuch, 
enthaltend Nachweis aller bisher bekannt ge 
wordenen Buchdruckereien des jetzigen Regierungs 
bezirks Kassel und des Kreises Biedenkopf. Im 
Aufträge des Marburger Geschichtsvereins be 
arbeitet und herausgegeben von dessen zeitigem 
Vorsitzenden Or. Gustav Kon necke. Mit Ab 
bildung von 96 Buchdruckerzeichen. Marburg i. H. 
(Druck von Joh. Aug. Koch) 1894". 
Stellen wir zunächst die Orte fest, welche für 
uns in Betracht kommen, so sind es die folgen 
den: Marburg, Schmalkalden, Hanau, 
Kassel, Rinteln, Fulda, H e r s f e l d, 
Grebenstein und Hofgeismar. Damit ist 
die Reihe der hessischen Städte, in welchen wäh 
rend des 16. und 17. Jahrhunderts Druckereien 
bestanden, erschöpft; man könnte noch Esch Wege 
hinzufügen, weil dort im Jahre 1680 von Salo 
mon Kürßner gedruckt ist, doch war dies nur 
ganz vorübergehend, schon 1681 finden wir den 
Genannten in Kassel (Könnecke S. 86). 
Druckwerke aus ehemals knrhessischen Städten 
sind für das 15. Jahrhundert nicht bekannt ge- 
- worden. Der älteste erhaltene hessische Druck ent 
stammt vielmehr erst dem Jahre 1527. Es ist eine 
Schrift des unsern Lesern wohlbekannten Dichters 
und Professors der Medizin E u r i c i n s C o r d u s 
lind bezieht sich ans die Gründung bezw. Ein 
richtung der neuen Universität und des damit 
verbundenen Gymnasiums (Pädagogium). Sie 
ist betitelt: Ad invictissimum Imperatorem 
Carolum quintum . . . reliquosque Germaniae 
proceres pro agnoscenda uera religione Pa- 
raeneticon per Euricium Cordum Medicura . . . 
Marpurgi MDXXVII. Sie umfaßt 50 Blatt 
in 4 o und hat auf dem letzten Blatte die Druck 
zeile: Cudebat Joahnnes Loersfelt in inclita 
Marpurgensi Academia Anno XXVII. 
Johannes Loersfeld ließ sich infolge der 
Gründung der Universität in Marburg nieder. 
Er kam von Erfurt, wo er seit 1525 mit der 
Druckerei, welche der bekannte Drucker der Halber 
städter niederdeutschen Bibel von 1522, Ludwig 
Trutebnl, 1520 in Halberstadt gegründet und 
1523 nach Erfurt verlegt hatte, druckte; vor seinem 
Erfurter Aufenthalte muß er zeitweise in Paris 
thätig gewesen sein. Er druckte in Marburg 
nur etwa bis zur Mitte des Jahres 1528. 
A. von Dommer beschreibt neun Drucke von ihm. 
Sein umfassendstes Druckwerk ist der 146 Blatt 
in Folio starke Nachdruck der zuerst 1527 in 
Wittenberg erschienenenFestpostille Luther's: „Aus 
legung der Evangelien an den fürnemisten Festen 
ym gantzen Jar". Was aus Loersfeld geworden, 
nachdem er in Marburg zu drucken aufhörte, 
war nicht festzustellen. 
Sein Nachfolger war Franciscus Rhode 
(1528—1534), der ans Siegern in Flandern 
stammen soll, Rhode druckte 1538 in Hamburg, 
von 1538 bis 1559 in Danzig, wo er in diesem 
Jahre starb. Seine Druckerei war in Danzig 
noch lange Zeit im Besitze von Buchdruckern 
seines Namens, jedenfalls seiner Nachkommen, bis 
sie 1619 in andere Hände überging, noch 1840 
bestand sie. Rhode war ein Mann von gelehrter 
Bildung, Verfasser lateinischer und deutscher Ge
	        

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