Full text: Hessenland (14.1900)

nutzt, sondern meistens sogar unmittelbar abge 
zeichnet, während sich der noch spätere Chronist 
Winkelmann ebenso unbefangen die ästhetischen 
Ausführungen Dilich's aneignet. 
An Krollmann's Aufsatz schließt sich Friedrich 
Hoffmann's, des unsern Lesern wohlbekannten 
Bauraths zu Fulda, Artikel „Zum Neidkopf", der 
aus die Neidköpfe auf Ludwig st ein und Hau 
stein Bezug hat und gleichzeitig davor warnt, 
auch anderwärts befindliche ähnliche menschliche 
Fratzen mit heraushängender Zunge ohne Weiteres 
als Neidköpfe anzusprechen. Ferner bringt die vor 
liegende Nummer einen Grundriß des Schlosses 511 
Steinau an der Straße. In einigen beigegebenen 
Bemerkungen wird mahnend daraus hingewiesen, 
wie, nachdem in der ersten Hälfte des 19. Jahr 
hunderts an den künstlerischen Einzelheiten des 
Schlosses bereits mehrfach schwer gefrevelt ist, 
jetzt die Gesammtanlage dieses malerischen alten 
Hanauer Grasensitzes bedroht ist. Aus der vor 
letzten Seite (79) des Blattes erblicken wir eine 
Abbildung des Bergsrieds von Reichenbach, auf 
dessen in Angriff genommene Wiederherstellung auch 
im „Hessenland" mehrfach Bezug genommen ist. 
=——0 
Kesstsche Mücher^schcru. 
Das älteste Fnldaer Kartular im Staats 
archive zu Marburg, das umfaugreichste 
Denkmal in angelsächsischer Schrift 
aus deutschem Boden. Ein Beitrag zur 
Paläographie und Diplomatik sowie zur Ge 
schichte des Hochstifts Fulda von Prof. Di-. 
Eduard Heydenreich. Mit 2 Faksimile- 
Tafeln. Leipzig (B. G. Teubner) 1899. 4". 
59 S. Preis Mk. 5. 
Als Vorarbeit zu dem im Austrage der „Histo 
rischen Kommission für Hessen und Waldeck" von 
Professor Dr. Tan gl herauszugebenden Fnldaer 
Urkundenbuche, dessen erster Theil wohl in nächster 
Zeit erscheinen wird, will die vorliegende Unter 
suchung der ältesten im Marbnrger Staatsarchiv 
verwahrten urkundlichen Auszeichnungen über Kloster 
Fulda dienen. Diese Arbeit, welche der An 
regung ' und den Marburger Seminarübungen 
des genannten Professors entstammt, verfolgt zu 
nächst den Zweck, in das Studium der Fuldaer 
Traditionen (= Schenkungen für das Kloster Fulda) 
und die Geschichte des Hochstists einzuführen, und 
bringt ihren Zweck in sieben Abschnitten zur Aus 
führung. 
Der erste Abschnitt behandelt dementsprechend 
das Kloster Fulda und seinen Güterbesitz im 
Mittelalter, den Quellenwerth der Fuldaer Tra 
ditionen und des ältesten Fuldaer Kartulars. Im 
folgenden Abschnitt wird die Verwerthung des 
Kartulars in der Literatur von Eberhard von 
Fulda (nach 1150) bis zur Gegenwart verfolgt. 
Sodann wird eine Beschreibung des Kartulars 
gegeben. Die verschiedenen Hände, die an dessen 
Abfassung betheiligt sind, werden in scharfsinnigen 
kritischen Ausführungen ihrem Charakter nach 
chronologisch geschieden, und es wird die Ent 
stehung desselben um das Jahr 828 nachgewiesen. 
Ein besonderes Kapitel ist der Charakteristik der 
hauptsächlich betheiligten angelsächsischen Hand ge- 
widmet. Es folgen lehrreiche Darlegungen über 
die Anordnung des Kartulars, über den Zustand 
des Fuldaer Archivs im 9. Jahrhundert sowie 
speziell für fachmännische Kreise berechnete Er 
örterungen über Doppel- und Neuausfertigungen. 
Den Schluß bilden mehrere Urkundenbeilagen (5). 
So Manches in der vorliegenden Schrift ist 
allerdings auf Leser aus Kreisen berechnet, die das 
Studium der Paläographie und Diplomatik mittel 
alterlicher Urkunden wissenschaftlich zu betreiben 
gewillt sind, trotzdem hat der Verfasser nicht ver 
gessen, seine Ausdrucksweise dem allgemeinen Ver 
ständniß anzupassen, namentlich der erste Abschnitt 
(S. 1—8) ist in dieser Hinsicht hervorzuheben. 
Der Leser wird daraus reiche Belehrung über die 
Bedeutung und Wichtigkeit der Auszeichnungen 
klösterlicher Besitzurkunden für die Wirthschasts- 
geschichte, die Landschastsgeschichte und die Ger 
manistik schöpfen können. Für Geschichte, Geo 
graphie und Philologie sind aus diesem Gebiete 
reiche Schätze zu heben. Die vornehme Ausstattung 
des Ganzen seitens der Verlagssirma Teubner ver 
dient lebhaft anerkannt zu werden. 
Deutsche Baukunst im Mittelalter von 
Pros. Dr. A d e l b e r t M a t t h a e i. Leipzig 
(B. G. Teubner) 1899. IV. 155 S. Preis 
in farbigem Umschlag 0,90 Mk., gebunden 
1,15 Mk. 
In einer Zeit, die es sich zur Aufgabe gestellt 
hat, den ehrwürdigen Denkmälern unserer Vorzeit 
wieder gerecht zu werden, ist einem derartigen 
Buche wie dem vorliegenden um so größere An 
erkennung zu spenden, als der Verfasser die ihm 
gestellte Ausgabe, den Laien in das Gebiet der 
mittelalterlichen Baukunst einzuführen, in sehr
	        

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