Full text: Hessenland (14.1900)

128 
neue König nus den Häusern Baiern, Sachsen, 
Meißen, Hessen, Nürnberg oder Wurtemberg 
sein sollte; sie hatten endlich beide die Freude 
ihren Schwager Ruprecht von der Pfalz ge 
wählt zu sehen. Als sich dieser aber seiner großen 
Aufgabe nicht gewachsen zeigte, schloß sich Burg 
graf Friedrich dem Ungarnkönig Sigismund 
an und bewirkte nach Ruprecht's Tode in Be 
gleitung seines Schwagers Hermann von Hessen 
unter großen Schwierigkeiten Sigismund's Königs 
wahl (1410). 
Die verwandt- und freundschaftlichen Beziehungen 
der Hohenzollern zum Hause Hessen wurden nach 
der Erhebung Friedrichs VI. zum Kurfürsten und 
Markgrafen von Brandenburg von der Pegnitz 
an die Spree übertragen und waren nicht ohne 
Einfluß ans die territoriale Politik. 
Nachdem der Kurfürst Friedrich I. im Jahre 
1427 zwischen dem Landgrafen Ludwig I. dem 
F r i e d s a m e n und dem Erzbischöfe Konrad von 
Mainz den wichtigen Friedensschluß vermittelt 
hatte, der den Einfällen des Erzbischofs in das 
niederhessische Gebiet ein Ziel setzte, stiftete zum 
Dank für diesen Freundschaftsdienst Landgraf Ludwig 
am 1. Juni 1439 zwischen Kurbrandenburg und 
Kursachsen den Vergleich zu Lichtensels und ver 
mittelte ein Gelöbniß zwischen dem brandenburgischen 
Kurprinzeil Friedrich und der sächsischen Prinzessin 
Katharina, einer Schwester des Kurfürsten Friedrich 
des Sanftmüthigen von Sachsen und der Land 
gräfin Anna. Bald darauf, am 2. Februar 1440 
schlug der Kurfürst Friedrich I. in Gemeinschaft 
mit dem böhmischen Abgesandten auf dem Wahl 
tage zu Frankfurt den Kurfürsten den Landgrafen 
Ludwig zum römischen König vor, welche Ehre 
dieser aber ablehnte. 
Am 25. Juli 1445 schlichteten die Fürsten 
von Sachsen, Brandenburg und Hessen einen Streit 
zwischen den Grafen von Henneberg, kurz vor 
Ausbruch des mit so großer Erbitterung geführten 
Bruderkriegs zwischen dem Kurfürsten Friedrich 
dem Sanftmüthigen und dem Herzog Wilhelm 
von Sachsen, an welchem Krieg im Jahre 1449 
auch Brandenburg gegen Kursachsen theilnahm. 
Im Jahre 1451 wurde dieser Krieg beendigt, 
als Vermittler wird der Landgraf genannt. Bald 
sehen wir Sachsen, Brandenburg und Hessen noch 
fester geeinigt. Im Jahre 1457 kam am 29. April 
in Naumburg a. d. Saale zwischen diesen drei 
Fürstenhäusern eine Erbverbrüderung zustande, durch 
welche Brandenburg als neues Mitglied in die 
alte, seit 1373 bestehende und von den Kaisern 
Karl IV. und Sigismund bestätigte Erb 
verbrüderung eintrat. Daraus erklärt es sich, 
daß nach diesem Vertrage, während nach dem 
Aussterben des männlichen Fürstenstammes Sachsen 
und Hessen sich gegenseitig beerben sollten, Branden 
burg erst nach dem Aussterben der beiden anderen 
Fürstenhäuser erbberechtigt werden würde. 
Kaiserliche Bestätigung der Naumburger Fest 
setzungen von 1457 ist niemals erfolgt, obgleich 
die Vertragsurkunde in der Einleitung die Worte 
enthält: „mit sonderlicher Erlaubniß und Gunst 
des allerdurchlauchtigsten und großmüchtigsten Fürsten 
und Herrn Friedrich's römischen Kaisers und 
unsers gnädigsten lieben Herrn". Darüber kann 
nach den zwingenden Beweisen, die E. Löning 
in seiner Schrift: „Die Erbverbrüderungen zwischen 
den Häusern Sachsen und Hessen und Sachsen, 
Brandenburg und Hessen", Frankfurt a. M. 1867, 
Gustav Wachenfeld in der Beilage zum Hers 
felder Gymnasialprogramm von 1884 über „die 
politischen Beziehungen zwischen den Fürsten von 
Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Anfange 
des dreißigjährigen Krieges" (S. 4—5) und Fritz 
Alexander Pagenstecher ganz neuerdings in 
seiner Gießener Inauguraldissertation über „die 
Thronfolge im Großherzogthum Hessen" (S. 91 ff.) 
erbracht haben, nicht mehr die Rede sein. Die 
angestellten Nachforschungen nach der Bestätigungs 
urkunde blieb ohne Erfolg, sodaß die betheiligten 
Fürstenhäuser zu der Ueberzeugung gelangten, die 
Bestätigung sei niemals gegeben worden. Darnach 
war die Erbverbrüderung ungültig, die Lehnsträger 
konnten nicht selbstständig über das Lehn verfügen. 
In rechtsgültiger Weise anerkannt wurde und blieb 
nur die alte sächsisch-hessische Erbverbrüderung. 
Im Jahre 1537 erneuerten die drei Häuser 
zu Zeitz die alte Erbvereinigung dessen ungeachtet, 
doch mußte man die Sache infolge der damaligen 
politischen Verhältnisse vorerst ruhen lassen. 
Von Neuem verhandelte man im März 1555 zu 
Naumburg, doch ging man aus den Vorschlag 
Brandenburgs, in die Erb Verbrüderung ein 
zutreten nicht ein, nur die Erbeinigung 
der drei Häuser wurde am 9. Mürz erneuert, 
ebenso am 12. Mürz die sächsisch-hessische Brüder 
schaft. Weitere Verhandlungen führten im Jahre 
1571 zu dem Beschluß, Brandenburg in die 
Brüderschaft derart aufzunehmen, daß es beim 
Anssterben Hessens oder Sachsens ein Drittel 
erben solle. Doch solle erst die Zustimmung der 
Kurfürsten erwirkt werden, ehe man sich zur Er 
langung der Bestätigung an den Kaiser wende. 
Schon an dem Versuche, die Zustimmung der 
geistlichen Kurfürsten zu erwirken, scheiterten die 
Bemühungen der evangelischen Fürsten. Der 
Kaiser antwortete ausweichend. 
Abermalige Verhandlungen zu Naumburg im 
März 1614 hatten am 30. d. M. die Unter-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.