Full text: Hessenland (14.1900)

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Wahrscheinlichkeit nach seine Zukunft gestaltet 
haben! Aber die damals bei den großen Ver 
kehrsschwierigkeiten noch viel mächtiger wirkenden, 
ihn an seine engere Heimath fesselnden Ver 
bindungen und Beziehungen ließen ihn den: 
Drängen seiner Freunde, in knrhessische Dienste 
zu treten, nachgeben. Ich führe dies alles so 
breit aus, um dadurch den Nachweis zu geben, 
daß bei seinem Eintritte in den Staatsdienst 
schon die Basis, auf welcher eine rasche Carriere 
sich aufbauen kann, bestand. Nach den Schilde 
rungen in den Werken über die Geschichte der 
damaligen Zeit muß man den Eindruck gewinnen, 
daß sein rasches Emporsteigen das eines von 
Persönlicher Gunst emporgetragenen Höflings ge 
wesen sei. 
Im Januar 1800 erhielt er seine erste An 
stellung als Kanzleisekretär. Bald erfolgte seine 
fernerweite Ernennung zum Regierungsassessor 
unter Beibehaltung der ersten Stellung. Mit 
dankbarer Verehrung spricht er in seinen Auf 
zeichnungen aus dieser Zeit von dem Präsidenten 
der Regierung von Baumbach, trotzdem dieser 
ihm persönlich nicht besonders wohlwollend ge 
sinnt gewesen zu sein scheint. Es ist dies so be 
zeichnend für seine Denkungsart, daß ich hierüber 
seine eigenen Worte anführen will. 
Er schreibt: „Der Präsident von Baumbach, 
ein in der Verwaltung und Landesverfassung 
durchaus erfahrener, sehr thätiger und tüchtiger 
Mann, übte seine Autorität mit großer Strenge 
ans, besonders gegen die jüngeren Mitglieder der 
Regierung, welche aber jetzt, im späteren Leben, 
es mit mir einsehen und es ihm herzlich danken 
werden, daß wir dadurch an Ordnung und Pünkt 
lichkeit im Dienste und an die zur Erhaltung 
eines regelmäßigen Geschäftsganges unumgänglich 
nöthige Subordination gewöhnt wurden. Mir 
war derselbe, wohl nicht um meiner Person 
willen, sondern weil er mich als Freund des 
mit ihm nicht in freundlichen Verhältnissen stehen 
den Geheimen Referendarius Kopp betrachtete, 
nicht besonders günstig. Da ich jedoch in keinem 
Stücke mcüteit Dienst versäumte, so war er mir 
auch nicht entgegen." 
Mit wahrer Anhänglichkeit spricht er von an- 
deren Vorgesetzten, besonders von dem damaligen 
Vicekanzler, späteren Präsidenten Kunkell von 
Löwenstern, und erwähnt unter den ihm im Laufe 
der Jahre in Freundschaft näher getretenen Per 
sönlichkeiten die älteren Mitglieder der Regierung 
Ledderhose, von Porbeck, Richter, von 
Motz und Wittich; ferner die mehr in gleichem 
Alter stehenden von Wille, von Kruse, Krafft, 
von dem weiter unten noch die Rede sein wird, 
Rommel, von Schmerseld, dessen Sohn in 
den 1880 er Jahren Eisenbahndirektionsprüsident 
in Hannover war und dem Schreiber dieses 
gegenüber mit großer Anhänglichkeit von der 
Familie desselben sprach; ferner Gr an di di er, 
von Dörnberg und von Baumbach. 
Diese ersten Dienstjahre in Kassel zählte er 
stets zu den heitersten seines Lebens. Kassel war 
damals reich an guter Gesellschaft, in der ein 
harmlos-lebenslustiger Ton herrschte. 
Im Winter von 1801 zu 1802 lernte er 
seine spätere Frau, welche als Pflegetochter der 
verwittweten Erbmarschallin von Ri cd es el von 
dieser in die Kasseler Gesellschaft eingeführt 
wurde, kennen. Sie war als Tochter des Ober 
amtmannes Häusel, durch den Tod beider Eltern 
als kleines Kind verwaist, in die Riedesel'sche 
Familie aufgenommen worden. Dort wuchs sie 
in Geineinschaft mit der gleichaltrigen Amerika 
von Riedesel auf. Diese letztere verdankte ihren 
ungewöhnlichen Taufnamen dem Umstande, daß 
sie, während ihre Eltern in Amerika, wo ihr 
Vater mit auf englischer Seite gegen die Amerikaner 
kämpfte, weilten, geboren wurde. Durch die 
Freundschaft, welche die beiden jungen Mädchen 
mit einem Fräulein von Apell, späteren Frau 
von Ra et, verband, in deren Familie der junge 
Assessor sehr viel verkehrte, wurde bald eine 
nähere Bekanntschaft angebahnt. Nach Jahres 
frist schlossen sie den Bund für's Leben. 
(Fortsetzung folgt.) 
Aas stehende hessische Aeer von 1670—1866. 
Ein Abriß seiner Geschichte. Von Carl von Stamford. 
(Fortsetzung.) 
Die Vertheidigung von Rheinfels durch die Hessen. 
I. Bis 16./26. Dezember 1692. 
Das Jahr 1692 sollte nicht zu Ende gehen, 
ohne hessische Regimenter noch zil hohem Ruhme 
gelangen zu lassen. Die Heere waren sämmtlich 
in die Winterquartiere abgezogen, die Schauplätze 
des Krieges waren unsicherer Ruhe hingegeben, 
die Landschaften am Rheine besonders in bestän 
diger Gefahr, von französischen Parteien über-
	        

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