Full text: Hessenland (14.1900)

103 
(Gaden — einstöckiges Wohnhaus, Gemach) und 
das Gartenfleckchen zn bauen, unbeschadet der daran 
bestehenden Rechte des Landgrafen oder anderer. 
In der zweiten Urkunde erfahren wir, daß die 
Brüder Heinrich, Konrad und Konrad von 
Uffhausen, genannt Am Ende, vom Abt Konrad 
zu Fulda die Erlaubniß erlangt haben, auf ihrem 
Gute zu Oberuffhansen, an dem Wege nach Fürsteneck 
(beides zwischen Eiterfeld und Geisa) hinauf ein 
Gaden mit einem steinernen Fuße zn bauen. Die 
Besitzer des Gutes dursten aber keineswegs bei dem 
Bau nach ihrem Belieben verfahren, vielmehr 
wurde ihnen auferlegt, den Fuß mit Steinen und 
mit Lehm (leymen) auszumauern und untersagt, 
hoher als 8 Fuß zu bauen, es sei denn mit Wissen 
und Willen des Abtes und feiner Nachfolger. 
Vermuthlich handelte es sich in beiden Doku 
menten um Lehngut. Die Art der auferlegten 
Verpflichtung aber beweist, namentlich im letzten 
Falle, wie doch schon damals aus Jnnehaltung 
bestimmter obrigkeitlicherseits festgestellter Normen 
gesehen wurde. 
Die Wasserversorgung der Residenz- 
stadt Kassel unter Landgraf Moritz. Vor 
mir liegt ein altes Heft (Original) mit Aufzeich 
nungen über damals aus Veranlassung des Land 
grafen Moritz gemachte „Ausgabe und Arbeit, so 
! vom 1. Januarii ans den 24. Februarii Anno 1605 
| in 8 Wochen geschehen ist". Die im Ganzen nicht 
! weniger als 1244 fl. 14 Albus 2 Heller be 
tragenden Unkosten beziehen sich größtentheils auf 
! bauliche Aenderungen im fürstlichen Residenzschlvß, 
in welchem eine Kindtaufe abgehalten werden sollte. 
! Es kann dies nur die Taufe des Prinzen Philipp, 
des ältesten Sohnes ans des Landgrafen zweiter 
Ehe, gewesen sein, der bei Lutter am Barenberge 
ans mehreren Wunden blutend in feindliche Ge 
fangenschaft gerieth und in dieser meuchlerisch er 
mordet wurde. 
Ist das Aktenstück schon deshalb interessant, weil 
verschiedene Theile des alten, im Jahre 1811 leider 
! durch Brand vernichteten Schloßbaues darin genannt 
! werden, so ist darin die Thatsache besonders be- 
I merkenswert!), daß damals schon eine künstliche 
! Wasserleitung bestanden haben muß. Es heißt 
> nämlich unter der Ueberschrift „Brunnenleiter" 
I folgendermaßen: 
12 fl. 8 Albus. Dieser hat dafür wie fein Amt 
; und Beruf fordert, wöchentlich wie auch alle Tage 
und Stunde zn Einführung Wassers in die Stadt, 
ins Schloß und Aue an den Gängen, Röhren und 
Zeiten flicken, bessern und reinigen müßen, welche 
dann hie, dann da durch Stauden, Wurzelgewächs 
und andere Materien verstopft oder sin welchen) 
Mangel der Röhren ansgebrochen. 
Aus g&eimatfy uuö gtremöe. 
Geschichtsverein zn Hanau. Am 27. Mürz 
sprach in der Monatsversammlung des Hanauer 
Geschichtsvereins Professor Dr. Suchier über 
den Münz fund von Marköbel. Dort sind 
im Herbst 1899 gelegentlich der Schachtarbeiten 
eines Neubaues des Besitzers Wolf 48 Stück römische 
Münzen gefunden worden, die dem Verein von 
demselben zur Verfügung gestellt sind. Der Vor 
tragende legte die Münzen vor, erläuterte an der 
Tafel die darauf befindlichen Inschriften und gab 
überhaupt werthvolle Aufschlüsse über das römische 
Münzwesen. 
25 Jahre Intendant der Königlichen 
Schauspiele. Im Jahre 1875 übernahm der 
einem althessischen Adelsgeschlechte entsprossene 
Major z. D. Adolf Freiherr von und zu 
Gilsa (geboren 1838 zu Idstein) die durch den 
Tod des bisherigen Intendanten von Carls 
hausen erledigte Stelle des Intendanten der König 
lichen Schauspiele in der Residenzstadt Kassel, 
sodaß er als solcher am 1. April auf eine an 
schönen Erfolgen reiche 25 jährige Dienstzeit zurück 
blicken konnte. Es ist unter Herrn von Gilsa stets 
das vornehmste Streben der Bühnenleitung gewesen, 
der klassischen wie der modernen Kunst gleich ge 
recht zu werden, es gilt dies von der Oper wie 
dem Schauspiel. Den historischen Opernabenden, 
dem Mvzartzyklus einerseits reihte sich andererseits 
würdig die Ausführung der Shakespeareffchen Königs 
dramen wie der bedeutendsten Schöpfungen unserer 
deutschen Dichterheroen an. Wie aus dem Gebiete 
der modernen Kunst in der Oper durch die sorg 
same, Richard Wagner gewidmete Pflege Hoch 
bedeutendes geleistet wird, so läßt auch die ab 
gerundete, vortreffliche Darstellung, welche den 
dramatischen Werken der Gegenwart, sobald sie auf 
der Königlichen Bühne erscheinen, ausnahmslos zu 
Theil wird, von der künstlerischen Befähigung und 
Durchbildung der Bühnenleitung das günstigste 
Urtheil gewinnen. Auf besonders hoher Stufe 
befindet sich am Königlichen Theater alles, was 
aus die Ausstattung und Einstudirnng der Stücke 
Bezug hat.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.