Full text: Hessenland (13.1899)

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gimentes vergangen, sei es ihm unmöglich, es 
zum Frühjahre komplet zu machen, ebenso die 
Reiter. Er mußte die Kriegsgefangenen mit 
Sold unterhalten, sollte gleichzeitig ein neues 
Regiment aufbringen; mit Recht schob er dem 
Könige den Verlust des 8. Januars zu. Christian V. 
beharrte bei dem Verlangen, die Hessen sich 
zu sichern, er sprach ans, „sie seien besser dis- 
ciplinirt als andere und sicherer als andere an 
vrdte hinzulegen (d. h. zur Besetzung)" . . . 
Endlich kam am 27. April 1678 zu Kopen 
hagen ein neuer Vertrag zu Stande: Der Landgras 
stellt ein Regiment zu Fuß von 1300 Mann 
und 2 Kompagnien Reiter oder nur 1500 zu 
Fuß. Diesen reicht der König von Ueberschreitung 
der dänischen Grenze an bis wieder dahin das 
Kommißbrod und das Futter für die Pferde. 
Für die Truppe werden 34 000 Thaler erlegt, von 
welcher Summe die von den hessischeil Truppen 
in den Quartieren genossene Verpflegung sowie 
die an sie gethanen Vorschüsse wieder cleeourtirt 
werden sollen . . . Längstens Mitte Novembers 
sollten die Völker wieder entlassen werden. 
Baumbach hatte noch 50 Grenadiere angeboten, 
die auch mit ausrückten. 
Oberst ufm Keller marschirte am 23. Mai 
1678 mit dem neuen Regimente aus Hessen ab, 
schließlich war auf 1400 Mann in 8 Kompagnien 
und 50 Grenadiere abgeschlossen. Zu der im 
Frühjahre 1677 neu aufgestellten Geysischen Bri 
gade (damals gleich bedeutend mit Bataillon) 
von vier Kompagnien waren zwei 1678 errichtete 
Kompagnien gestoßen, die in Rinteln stehende 
Kompagnie Im Thuen sollte sich anschließen, 
sowie die in Holstein verbliebene, aus vorgeschriebene 
Stärke zu bringende Kompagnie Josias Hombergk 
zu Vach. Von dem alten Regimente finden sich 
in dem neuen außer dem Obersten nur der Oberst 
wachtmeister A. H. von Wartensleben, die Leut 
nants von Tagk gen. Hossmann und Valentin 
Goclenius sowie der Fühndrich Joh. Peter 
Möller. 
Das Regiment traf am 1. Juli vor Helsing 
borg ein, König Christian besichtigte es und sprach 
seine große Zufriedenheit und Freude über dessen 
Eintreffen aus. Die Hesfen wirkten bei der Be- 
rennung Helsingborgs und dem Sturme auf 
desseil festes Schloß mit, von hier rückte das 
Heer, dem noch münsterische Völker angehörten, 
gegen die von Karl XI. belagerte Festung 
Christianstadt zum Entsätze. Karl ging nicht 
aus seiner stark verschanzten Stellung heraus, so 
verließ Christian sein Heer, der dänische General 
von Osten mußte nach 3 1 / 2 Monate langer tapferer 
Vertheidigung die Festung übergeben, da er nichts 
mehr zu leben hatte, und marschirte mit 1500 
Mann, die Musketirer Kugeln im Munde, 
fliegenden Fahnen und klingenden: Spiele ans. 
Das dänische Heer unternahm nichts Bedeutendes 
mehr, das nordische Klima mit heißen Tagen 
und kalten Nächten erzeugte Krankheiten in dem 
unter Zelten lagernden Heere. Die Wieder- 
ervberung Rügens wurde geplant, Kurfürst Friedrich 
Wilhelm hatte gebeten, das hessische Regiment 
mitwirken zu lassen; der Landgraf wünschte in 
Erinnerung des vorigen Feldzuges auf Rügen, sein 
Regiment diesmal nicht dahin ziehen zu sehen, 
doch überließ er es dem Obersten, das Geeignete 
zu thun. Der bewirkte aber, daß sein Regiment 
in Schonen blieb, es versäumte dadurch die Ge 
legenheit, bei der ruhmvollen Eroberung Rügens 
Mitte September mitzukämpfen. Ufm Keller's 
Kurzsichtigkeit ist zu beklagen, denn nun blieb der 
Feldzug 1678 thatenlos, wenn auch die Beschwerden 
desselben sehr groß waren. 
Die dänischen Regimenter waren bis zum 15. 
Oktober in die Winterquartiere gerückt, die 
münsterischen hatten den Anfang dazu gemacht; 
„der Hessischen schien mau vergessen zu wollen", 
meldete der Oberst. Krankheiten und Sterben 
nahmen beständig zu. Ufm Keller erlangte durch 
zweimalige Fahrt nach Kopenhagen von dem 
Könige, daß das Regiment am 28. Oktober bei 
Kopenhagen ausgeschifft wurde. Der dänische 
Befehlshaber, Feldmarschalllieutenant Wedelt, 
hintertrieb den Marsch der Hessen durch Seeland, 
der viel zuträglicher als der Wasserweg gewesen 
wäre, „weiln die Kranken seine Quartiere infectiren 
würden". Der Oberst schlug vor, seinen Kranken 
Scheuern statt Quartieren einzuräumen, und be 
tonte, daß sie ansteckende Krankheiten nicht Hütten. 
Alles half nichts, die schon marschirenden Kranken 
wurden wieder drei Meilen zurück und in Hel 
singör zu Schiffe gebracht. 
Christian V. hatte mehrfach sein königliches 
Wort gegeben, für Erhaltung der Truppe Sorge 
zu tragen — aber es schien, als wolle man die 
Hessen verderben, Wedell, dem der Oberst mehr 
Dienste als seinem Regiment nach der Kopfzahl 
zukamen, verweigerte, ließ die Leute das büßen. 
Die Gesunden erreichten Kiel am 4. November; 
der selbst kranke Oberst nahm einen medicum an, 
weil der Regiments-Feldscheerer bei den auf 
Schiffen umhergeworfenen Kranken gelassen war. 
Doch der Rath der Stadt drängte, daß das Re 
giment weiter ziehe, das dänische General-Kriegs 
kommissariat schrieb an das Kommissariat zu 
Kiel, um das Regiment fortzuschaffen. Also die 
Behörde, deren erbärmliche Anstalten und Un 
fähigkeit neben widrigen Verhältnissen soviel da
	        

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