Full text: Hessenland (12.1898)

miö einem zupfet man kalt, ans dem andern 
beiß Wasser. In der Stnebe stehet ein fürstlich 
Bette, welches mit lauteren seyden Gezier fürstlich 
zugerichtet. Oben diesem-') ist ein groser Saal, 
so gras wie das Haus, daraus gar kunstreiche 
von allerlei Stimmen Instrumenten, über diesem 
viele kleine doch lustige Kammern, darein eine, 
darin der Landgraf, wenn er im Garten bleibet, 
fehlest, beh der sein Schreibestuebichen lllstig und 
fürstlich hat". Am Sonntag vor Pfingsten 
<1. Juni) besah sich unser Reisender weiter den 
landgraflichen Baumgarten, wobei der dabei be 
findliche Irrgarten fein besonderes Interesse 
erregte'--). „Der Irrgarten ist aber örtliche, 
das; mau sich darin vergehen kan und nicht weis, 
wie man wieder heranSkvmpt und sein die Genge 
mit ansgewaksenen Zeunen bemachet, so hoch, daß 
man nicht überstiegen kan". In dem Lusthans 
in der Alle befand sich auch die Druckerei 
W i l h. W e s s e l' S, die erste in Kassel, der Lupold 
gleichfalls einen Besuch abstattete. „Rach diesem 
bin ich in des Landgrafen Stall gegangen, welcher 
viereckig wie ein Schlößchen zugebauwet lind habe 
in drei Stellen NO Remne gefunden, welche 
anet) mehrenteil voll Pferde gestanden. Das 
vierte Gebellw, besondern oben eine Knnstkammer 
lind unten andere Sachen -''); vor dem einen 
Stalle hat ein Luks gelegen." 
Am Freitag. den 0. Juni, beehrte der Schwager 
des Landgrafen. Graf Johann von Ra ff an, 
der, wie oben erwähnt, damals in Kassel war, 
deil pvmmerschen Edelmann mit seinem Besuch 
und speiste mit ihn; in seinem Losament. Tags 
darauf kam Landgraf Bl o r i tz von einem acht 
tägigen Iagdansflng „auf fein Schifflein" von 
Rotenburg zurück und zog in Begleitung eines 
anderen Schwagers, des Herzogs Ernst von 
Eisenach, unter dem Donner der Festnngsgcschütze 
i» seiner Hauptstadt ein. Am ersten Pfingsttag 
war feierlicher Kirchgang des ganzen Hofes zur 
großen Kirche, wobei die Grafen, Freihcrrn lind 
Junker des Hofes zu Fuße den in vier Gala- 
wagen folgenden fürstlichen Herren und ihren 
Frauenzimmern voranschritten. Die folgenden 
Feiertage boten unserm Reisenden noch Gelegen 
heit das große Armbrust schießen mit anzusehen, 
das der Landgraf wie gewöhnlich an solchen 
[') i>. I). utt Erdgeschost 
Tiefen Irrgarten finde ich sonst nirgends erwähnt, 
mich Herr von Stnmfvrd scheint ihn nicht zu kennen. 
Wahrscheinlich hat er nicht lange bestanden. Ter Name 
haftet übrigens noch fetzt an dem der Bellevue am nächsten 
liegende Theil der Ane. 
j:, i Insbesondere die von Landgraf Wilhelm IV. an 
gelegte fürstliche Bibliothek, ans der die jetzige Landes- 
dibliothek erwachsen ist. 
Festtagen für die Bürger verairstaltet hatte. Es 
fand iin Lustgarten in der Aue statt, wo das 
fürstliche Schießhaus etwa in der Gegend zwischen 
der jetzigen Löwen- und Drahtbrücke stand. Als 
Preise für die besten Schießleistungen hatte der 
Landgraf „viereckige silberen Stucken, ein jedes 
eines Ortsthalers Wert schlagen lassen, welcher 
zun jederm Schvs zum nehesten gekommen, hat 
eines erlangt, es ist auch ein groser Becher ge 
macht, wer auf dem ganzen wehrenden Schießen 
das beste thut, fol denselben erlangen". Es ist 
bekannt, welchen Werth Landgraf Moritz auf 
fleißige Waffenübungen seiner Unterthanen legte, 
die zur Durchführung seines Planes der all 
gemeinen Volksbewaffnung ja auch unbedingt 
erforderlich waren. Wedel hebt auch hervor- 
daß das Land Hessen „iln Kriege treflich viel 
Fußvolk ufbringcn könne, weiln ein jeder Haus 
wirt seine Rüstunge, Spieße und langes Rohr 
im Hause haben mus". 
>! Inzwischen muß nun Oswalt von Baumbach 
die geschuldete Summe beigebracht haben, und 
Lupold von Wedel konnte Weiterreisen. Am 
Abend des 14. Juni 1606 ritt er aus den Thoren 
Kassels, wo er diesmal über drei Wochen ver 
weilt hatte, und kam spät in der Nacht bei 
strömendem Regen vor Melsungen an. „Weil 
das Thor geschlossen, bin ich in der Herberg 24 ), 
so vor'm Thore ligt, geblieben, hat mir der 
Wirt in grosen Regenwetter lange halten lassen 
und nit ufstehen wollen." Die Weiterreise ging 
stromaufwärts die Fulda entlang über Roten 
burg. Hersseld, Fulda zum Main nach Würzburg, 
wo Lupold am 18. Juni eintraf. Sein Aufent 
halt in Franken, wie er dort zu seinem Gelde 
kam und schließlich in Kissingen die Brunnenkur 
gebrauchte, hat für uns hier weiter kein Interesse. 
Uebrigens bricht hier gleich auch die Handschrift 
der Reisebeschreibnng ab; die letzten Blätter 
fehlen. Lupold von Wedel kehrte wohl noch im selben 
Jahre in seine Heimath zurück, wo er auf seinem 
Gute Kremzvw im Juni 1615 gestorben ist. 
Wir sind ihm aus seinen Reisen durch Heffen 
getreulich gefolgt und haben nun noch zu er 
wähnen, was für einen Eindruck Land und Leute 
**) Ter Name der Herberge ist nicht genannt. — Bei 
dieser Gelegenheit seien alle die hessischen Gasthäuser auf 
geführt. die Lupold von Wedel auf seinen Reisen besuchte 
und namentlich erwähnt hat. Es sind folgende: in 
Kastei „zum Meerstß" oder „zum f5fife"; Fritzlar „gold- 
ncr Adler" ; Spangenberg „zu dem Lintwurm"; Sontra 
„Meister Schwan"; Treysa „Goldner Stern"; Zimmers 
rode „Weistes Pferd"; Kirchhain „Schwarzes Horn"; 
Wittelsberg „bey dem gekrönten Löwen"; Giehen „bei 
dem Einhorn"; Butzbach „zu dem rothen Kreuze" und 
schließlich in Frankfurt „zu der Gerste".
	        

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