Full text: Hessenland (11.1897)

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den Hals. Taun aber drängte die Mutter sic 
Hinalls. 
Lange hielt es das Mädchen ans schient Zimmer 
j cd ach nicht ans, seine Ruhe war ja hin und sein 
Herz so schwer. 
Und als die Frau Prokurator sich eben anderen 
Als ein wilder Anabe liebt' ich 
lau- den Herbst, den blüthentosen, 
Alit der IVeilder bunten Farben 
And der Stürme tollem Tosen. 
Mntterpflichten hingegeben hatte und beschüstigt 
war, die Packetsendung für die Jungen vorn 
zubereiten, wobei ihr hie alte treue .Magd Aunlies 
mit Rath und That zur Seite stand, rief Luise 
schon „Adieu" und nahm einen Gruß für Tante 
entgegen. 
(matsctzung folgt.) 
t 
Hills und Alibi. 
Doch den Frühling, doch den Frühling 
Hab' ich damals nicht verstanden: 
Anders ist es, meine Liebe, 
Seit sich unsre Herzen fanden. 
Gern nun überließ den Herbst ich 
jungen oder alten Anaben: 
Gebt den Frühling frischen Herzen, 
Die wie wir so lieb sieb haben. 
T- Ä. Lange. 
JUtr» alter mi6 neuer Zeit. 
Wii' das Erbmarschallamt an die Frei- 
Herrn Riede sei zu Eisenbach kam. Rach 
einer Sage. Im 15. Jahrhundert lebte am 
Hofe Landgraf L u d wi g' s I. v on H es s e n Ritter 
H e r m a n n R i e d e s e l von der Bratend u r g. 
Ter Rätter liebte ein schönes Fräulein, die ihm 
nicht minder zugethan war, Margarethe, die 
Tochter des im Jahre 1432 verstorbenen Erb- 
marschalls Röhrig von Röhrenfurth. Obgleich 
Riedesel alles aufbot, um den Bater Röhrig zu ge 
winnen, ja, obwohl der Landgraf selbst oft als Für 
sprecher der Liebenden auftrat, so blieb der Erbmarschall 
doch unerbittlich. Aber es sollte anders kommen. 
Einst jagte Hermann in einem dichten Walde, als er 
plötzlich jemand um Hilfe rufen hörte. Seiner 
Ritterspflicht eingedenk, eilte er dem Rufen ent 
gegen. Wenige Schritte nur, und er erblickte den 
Baker seiner Geliebten von Räubern niedergeworfen, 
in . der äußersten Gefahr ermordet zu werden. 
Rasch , stürzt er ans die Uebelthäter los, haut 
wacker um sich und zwingt sie Zn eiliger Flucht. 
„Unbekannter Alaun," sprach der Erbmarschall, 
„fordere von mir, was du willst, kein Lohn wird 
mir zu groß sein, um Dir Deine Brnderthat zu 
vergelten." Er kannte nämlich Riedesel nicht, 
weil dieser geharnischt war, und in Folge dessen 
der Helm sein Antlitz verbarg. „Aleine Bitte 
ist kühn," erwiderte der junge Rätter, „aber Du 
wirst sie mir nicht versagen. Ich bitte Dich um 
die Hand Deiner Tochter!" „Du sollst sie haben," 
sprach der Greis, „so Du anders von edlem Blute 
bist." „Das bin ich", versetzte Riedesel, schlug das 
Bisir auf und warf sich dem staunenden Röhrig 
in die Arme. Freudig zogen sie an das Hoslager 
des Landgrafen zurück und brachten Margarethe 
die frohe Kunde, daß alle ihre Wünsche erfüllt 
seien. Soweit die Sage. — Thatsache ist, daß aus 
der Ehe Hermann Riedesel's und Margarethens 
von Röhrenfurth die ganze jetzt noch blühende 
Familie der Freiherren Riedesel zu Eisenbach 
stammt, Thatsache auch, daß Hermann Riedesel 
im Jahre 1429 für sich und seine Leibeslehns 
erben die Anwartschaft auf das Hessische Erb 
marschallamt und die ansehnlichen Mannlehen der 
Röhrenfurthischen Familie erhielt, welch' letztere ihm 
im Jahre 1432 nach dem Tode Röhrig's wirklich 
zufielen, und daß Hermann im Jahre 1459 bei 
dem Regierungsantritt Landgraf Ludwig's II. mit 
dem Erbmarschallamt feierlich belehnt wurde. 
Die vorstehend erzählte Sage scheint übrigens erst 
neueren Ursprungs zu sein. Sie findet sich nach 
K. W. I u st i in seinen D e n k w ü r d i g k e i t e n IV,
	        

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