Full text: Hessenland (11.1897)

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von Haustein", den Aufsatz: „Hessen und die 
Mainzer Stiftssehde" von Franz Gundlach 
und das „Stammbuch des Geschlechts dero 
Don Doringenbergk.. von Johann Hunnin ga 
(Huningha) (1610)", dessen Einsicht uns der Be 
sitzer, Herr Kammerherr und Obervorsteher Frei 
herr von Dörnberg, gütigst gestattete, benutzt. 
Alls Landgras Ludwig folgte in Hessen Land 
gras Wilhelnl I., mit dem die Familie in gutem 
Einvernehmen stand. Derselbe belehnte 1492 den 
ältesten Sohn Werner's, Ritter Kersten (Christian), 
mit einem Geldlehen voll 40 Gulden. Christian 
wurde später auch Statthalter vvil Kassel und 
starb 1506. Seill Bruder Thile trat in nahe 
Verbindung mit Landgraf Wilhelm III, dessen 
Hofdiener er 1498 wurde; der erste derartige 
Fall in der Familie. Auch erhielten die voll 
Hailsteiil in demselben Jahre von dem Landgrafen 
leihweis Kriegsmaterial zu ihrer Vertheidigung. 
Am 19. Juni 1546 wurde durch Schieds 
gericht bestimmt, daß die von Hansteül das seit 
1362 llicht gemuthete Lehen über Wüsthänterode, 
Rodenbach, Reckervde ulld Besenhausen wieder 
voll Hessen empfallgell sollten. Der zur Zeit 
abwesende Kurt von Hallstein verweigerte die 
Anerkellnnng dieses Schiedsspruches und erhob 
bei Kaiser Karl Beschwerde dagegen. Dies, so 
wie die geforderte Rückgabe des Kriegsmaterials 
gab zu vielem Aergerniß uild Weiterungeil 
Anlaß. — 
Gehen wir von der Linie Dittmar's zu 
der Linie Lippold's über, so sind mehrere 
Angehörige derselbeil zu nennen, die sich als 
Kriegs- imb Staatsmänner, bezw. Geistliche aus 
gezeichnet haben. 
Voll Knrt's (des älteren) Söhnen ist Kaspar, 
1492, als Drost voll Lünebllrg bekannt geworden, 
er ist, da die Nachkomulen seiner Brüder später 
ausgestorben sind, der Stamuivater dieser lloch 
blühenden von Hansteinischeil Liilie geworden. Er 
lnachte 1505 den Krieg in der Pfalz mit. Sein 
Sohll B ll r ch ard war Kanonikus des Stifts zu 
Fritzlar, sein zweiter Sohil Konrad oder Kurt 
war ein berühmter Kriegsheld und kaiserlicher 
Oberst. Im Schloß Hanftein nnb zwar in dessen 
südlicher Abtheilung nach 1500 geboren, machte 
er als Hanptmann des Landgrafen Philipp 1532 
den Feldzug in Würtemberg mit, und wurde dann 
dem König Christiail III. von Dänemark mit 
einem Geschwader Reiter und vier Fähnlein 
Knechte zur Hilfe geschickt. Rach Beendigung 
dieses Feldzuges trat er als Hauptmann in den 
Dienst des Kaisers Karl. Zu gleicher Zeit er 
warb er das Manngutlchen Ober - Ellen bei 
Eisenach sowie das Dorf Sieckenrvde ans dem 
Eichsselde. Im Jahre 1544 ernamite ihn Land 
graf Philipp zu seinem Feldmarschall gegen Herzog 
Heinrich den Jüngern von Braunschweig. Kurt 
besiegt ihn bei Nord heim 1545 und nahm ihn 
gefangen. Einen neuen Feldzug vorbereitend, 
reiste er im Januar des Jahres 1550 mit Wilhelnl 
v. Grnmbach, der durch sein „Händel" bekailnt 
geworden, im Eichsfeld umher, um ein Kriegs 
heer für den Markgrafen Albrecht von Branden 
burg anzuwerben, das England zur Hilfe gegeil 
Frankreich geführt werden sollte, Noch ehe die 
geworbenen Truppen sich in Beweguilg gesetzt, 
war zwischen den beiden Mächteli bei Boulvgne 
ein Friedensvertrag unterzeichnet worden. Sv 
war es Kurt für dieses Mal nicht vergöililt, 
neuen Ruhm einzuernten. Doch mir kurz war 
seine Rast, denn, nachdem Landgraf Philipp vom 
Kaiser in die Acht gethan war, trat er zum 
Kaiser über und vertheidigte als sein Feldoberster 
Frankfurt gegen die verbündeten Sachsen und 
Hessen, was ihin eine poetische Verherrlichung eintrug. 
„Herr Konrad von Hanstein, ein Edeler Held, 
Dein war die Stadt anheimgestellt, 
Zn frommen trcwcn Handen, 
Ter hielt sich Wohl, trnm wird er bild) 
Kepreist in allen banden." 
Er starb arn 23. Mürz 1553, wahrscheinlich in 
Mainz, seine Gebeine ruhen in der St. Katharinen- 
kirche in Oppenheim, wo sein Bild in Marmor 
aufgestellt ist. Mit ihnl gillg ein tapferer, edel- 
müthiger Mann ans dem Lebeil. 
(Fortsetzung folgt.) 
Fi-str Ichwalbr. 
Kommt des Glückes erste Schwalbe 
Zu dir her nach trüber Zeit, 
Weht ihr erstes, leises Zwitscheril 
An dein Herz nach durnpfeln Teid. 
O wie zagend, bangen Auges 
folgst du ihrem fchllellen Jlug. 
Schwalbe — ist's der Ruf der Sonile, 
Der dich wieder zu mir trug? 
Schwalbe, darf ich dir vertrauen? 
Daß mein Herz voll Glauben lacht? 
Mder Schwalbe — bist du jene — 
Die noch keinen Sommer macht? 
H. Keiter-Keü'ner.
	        

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