Full text: Hessenland (11.1897)

86 — 
Geschichte der Burg Haustein. 
Nach den vorhandenen Onellen von Adolph Feh. 
(Fortsetzung.) 
den Beziehungen zn Hessen inuß vorüber- 
gehend wieder eine Erkaltung eingetreten 
Z sein, benu die Chronisten melden, daß der 
Nachsolger von Hermann, Landgras Ludwig 1., 
im Jahre 1415 den Ludwigstein als „Trutz- 
handstein" erbaut habe, um die Bewohner des 
Hausteins besser beobachten zu können. Daß der 
Bau keiti srenudnachbarliches Werk war, läßt sich 
schoii daraus ersehen, daß die erste Anlage unter 
dem -Schutze eines hessischen Heeres geschah. 
Dessenungeachtet bekennen aber die von Haustein 
schon anr 24, April 1430 von Neuem, daß sie 
sich für ewige Zeiten mit Hessen verbinden. 
Der jüngste Sohn Werner's des Aelteren, 
Heinrich der Jüngere genaimt, starb 1407 
und wurde der Stifter von beibeit noch heute 
bestehenden Zweigen der Familie, indem von 
seinem Sohne Hans (dem Lahmen) die jetzigen 
Besitzer der Rittergüter Wahlhausen-Oberhof, 
Bornhagen-Unterhof, Oberstein, Ershausen und 
Töpfer, von seinem anderen Sohne Ritter- 
Werner die von Unterstein, Bornhagen, Steinisch 
Hos mid Wahlhausen-Unterhof abstamiilen. 
Mit diesem Werner beschäftigen sich alle 
Chroniken eingehender, weshalb wir bei ihm etwas 
länger verweileil müssen. Seiil Bild ist in 
den Zeitgenössischen Ouellen mit solcher Treue 
gezeichnet, daß er uns, wie er leibte uiib lebte, 
vor Angen tritt. Er erscheiilt uns darnach als 
ein ritterlicher Held, als ein wahrer Bayard, 
ebenso gefürchtet von seineil Feiilden wie beliebt 
bei den Umwohnern, dabei als Günstling des 
weiblicheil Geschlechts. Freilich ist nicht zn ver 
schweigen, daß er nach nnsern heutigen Begrisseil 
eine äußerst gewaltthätige Natur besaß, die indeß 
in den danialigen Verhältnissen ihre Erklärung 
siildet. 
Zwei tödtliche Feindschaften siild es, die wie 
eiil rother Fadeil sein ganzes Leben durchziehen, 
und seine Gegner sind keine geriilgerell, als der 
berühmte Hofmeister Hans von Dörnberg 
uild Graf H e i n r i eh v o ii S eh iv a r z b n r g. 
HaiiS von Dörnberg erfreute sich bei Landgraf 
Heinrich III. von Oberhesseil hoher Gnilst und 
ist später als Regent voll ganz Hessen bekannt 
geworden. Landgraf Ludwig soll gesagt haben: 
„Wir sein nicht weise gemig zu missen, ob Hans 
von Dörnberg Landgraf an der Lahn, oder unser 
Bruder." Dagegen gelioß Werner von Haustein 
bei Landgraf Llidwig II. großes Ansehen, erhielt 
auch anl 20. Juni 1405 von ihul das Dorf 
Wahlhauseil wieder zn Händen lind ein Geld 
lehen voll 40 fl. Manngeld. Man lveist nicht 
genali, wie der Zwist zwischen Werner und Haüs 
voll Dörnberg begonnen. „Hnnninga" sagt, daß 
er durch die Länderstreitigkciten, die zwischeil 
den beiden fürstlichen Brüdern 1407 am Spieß 
ausbrachell und wobei Dörnberg und Hansteill 
eifrig ihrer Herreil Partei ergriffen hätten, ent 
standen wäre. 
Es fanden nachher Scharmützel zwischen beideil 
statt. Einstmals zog Werner von Haustein mit 
60 Mann vor Frankershausen, das Stammhaus 
feines Feindes, und beschoß es mit einer Stein 
büchse. Werner von Haustein, der bei der Rück 
kehr voransgeritten war, wurde bei der Folgnng, 
einem Walde, der noch jetzt so benannt wird, 
von Landgrüflichen unter Gilbert von Nordeck, 
oder nach „Hnnninga's" Angabe von Bernd Oou 
Dörnberg ergriffen und gefangen genommen. 
Er mußte sich in Homberg vor den Fürsteil 
Ludwig uild Heinrich ftesten, wo Halls von Dörn- 
berg ihil als den Gefangenen seines Bruders 
iil Anspruch nahm. Werner erwiderte daraus 
zornig: „Ich bin deines Bruders .Gefangener 
nicht, uild wer es von mir sagt, der lügt's; 
wiewohl dll nur liicht gut geling bist, daß ich mid) 
mit einem Ballern fdjlagen soll wie du bist, doch 
will ich's dir mit der Hand beweiseil", wüthend 
sprang er über eine Bank ans Hans zu mit beit 
Worten : „Bist dll null fromm von Art, so komnl 
her." Der Landgraf hetzte, Hans verweigerte es 
aber, sich mit einem Gefangenen zu schlagen. — 
Der Streit wurde von den Laildgrasen 1472 
eiilstweileil dadurch geschlichtet, daß Werner 
100 Thaler nnb sein bestes Roß an Hans 
geben mußte; die Feindschaft glimmte aber unter 
der Asche weiter, bis sie später wieder zur hellen 
'Flamme angefacht wurde. 
Die nächste Gelegenheit fand sieh, als ein ge 
wisser Hans von Storndorf an§ Neid gegen 
Hans von Dörnberg mit vier Pferdeil von Burg 
Hansteill ans- in das Dvrnberg'sehe Gebiet einfiel, 
was Hans voll Dörnberg durch einen Raubzng 
auf Hanstein'sehes Gebiet enuibern ließ. Nach 
vorübergehender Beilegung dieser Fehde im 
Jahre 1500 zn Homberg durch Kurfürst Her 
mann von Köln brach alsbald eine neue alis, 
in der sieh noch ein zweiter Feilld hinzugesellte. 
Den Alllaß bot hier ein bildschönes Weib. Vom
	        

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