Full text: Hessenland (11.1897)

M 7. 
XI. Jahrgang. 
Kassel, 1. April 1897. 
7Norgenthau. 
(altern im Niest die Sonne sank, 
Wo die Schatten weben, 
Und ein goldner Streifen trank 
Bald ihr schwindend Leben. 
Bon der Ulutter, die verschied 
In den duft'gen fernen, 
Singt der goldne Streif ein Lied 
Bings den hellen Sternen. 
Dunkel wird's, sie lauschen still 
In den Niolkenkähnen, 
U)as kein Sternlein sagen will, 
AM hinab in Thränen. 
Tropfen glänzen klar und licht 
Aüh an jeder Blüthe, 
Was die Lippe nimmer spricht, 
Perlt mir im Gemüthe. 
Elisabeth Menzel. 
\ ictoi iil 1‘Og‘iil. 
(.Königin der Lluiuen und der Zuubt.; 
g^cr lausesmüde Tag verschied 
In weichem Arm der Uleeresbraut, 
Tin leichtes Schaudern ging durch's Bied 
Beim sanft gehauchten Sterbenslaut. 
Da hebt im stillen Traumesreich, 
Umwoben von Lianenpracht, 
Ihr weites Auge feucht und bleich 
Die stolze Königin der Bacht. 
In ihrer Thränen Perlenthau 
Trklingt's wie stillverschwiegnes U)eh, 
— So trübe starrt das Dämmergrau 
Aus spiegeltiefem Maldessee. — 
Die Königin der Blumenpracht 
l)at nie den Tag — den Lenz geseh'n, 
Blust tragen Leid in düstrer Bacht, 
In Bacht erblühen und vergehen! 
-5-. M. L itterscheid.
	        

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