Full text: Hessenland (11.1897)

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sie antreffen oder finden werden, so dieser unser 
Ordnung zuwiderhandelten, solche aufmerken und 
nvtiren, sürderS der Obrigkeit anzeigen, damit sie 
nach Befindung obiger Verordnung gemäß gestraft 
werden mögen, wie denn weniger nicht die Pres 
byterien, oder, wo keine sich besinden, die Aeltesten 
ihr Amt hierbei zu thun, unvergessen sein sollen 
und werden." 
Weiter wird beit Beamten und Ortsobrigkeiten 
eingeschärft, die Verordnung jährlich einmal unter 
Glockenschlag bekannt machen zu lassen, während 
die Pfarrer sie alle Jahr zu Trinitatis von der 
Kanzel verlesett sollen, „auch dieselbe sestiglich 
handhaben, auch selbst halten und dabei nicht faul 
sein unb niemandem durch die Finger sehen, auch 
selbst gute Exempel geben. Geben in unser Stadt 
und Festung Cassel, den 21. Mai im Jahre 
unseres Erlösers 1688." 
Der Tod Herzog Friedrich's von Braun 
schweig bei Kleinenglis. In mehreren Zeitungen 
lesen wir Folgendes: „Jesberg. Dicht an der alten 
Frankfurt-Kasseler Heerstraße, die von Napoleon 
1809 in der jetzigen Richtung und Breite her 
gestellt wurde, befindet sich in der Nähe des Dorfes 
En gl is ans einer kleinen Anhöhe ein altes eisernes 
Kreuz. Es ist mit einem eisernen Gitter um 
geben und mit Bäumen umpflanzt. Kunst und 
Zierrathen finden sich an ihm nicht, jedoch Zeichen 
roher Zerstörung, angebracht, seinen Zweck zu 
vernichten. An dem Kreuze stehen, außer anderen, 
nur schwer zu entziffernden Worten, leserlich 
folgende: . . wart der . . von brunswig lunburg 
.... Das Kreuz war errichtet zum Gedächtniß 
an den Herzog Friedrich von Braunschweig- 
Lttneburg, der, von dem Frankfurter Reichstage 
1366 zurückkehrend, hier von einem Gewaltthätigen 
erschlagen wurde." 
Die Thatsache selbst, welche der Errichtung 
dieses Denkmals zu Grunde liegt, ist in obiger 
Mittheilung höchst ungenau und entstellt wieder 
gegeben, obschon eine reiche Literatur darüber vor 
handen ist. U. a. hat Bibliothekar Dr. Brunner 
zu Kassel am 28. April 1890 in einem Vortrage 
im Geschichtsverein daselbst über „die Er mordung 
des Herzogs Friedrich von Braunschweig" 
den Gegenstand nach allen Richtungen hin er 
schöpfend behandelt, s. Heßler, Geschichte von 
Hessen-Kassel, 1891, S. 190—195. 
Darnach erfolgte die Ermordung des aus der 
Heimkehr von dem Frankfurter Reichstage, auf 
welchem die Absetzung König Wenzel's ver 
handelt war, begriffenen Herzogs Friedrich am 
5. Juni 1400 Mittags unter Gras Ernst von 
Hohenstein. Ueber die näheren Umstände der Mord 
that genüge an dieser Stelle Folgendes: „der Herzog 
ritt mit zahlreicher und vornehmer Begleitung 
wahrscheinlich aus dem nach Wabern zu führenden 
Zweige der Frankfurter Straße auf Fritzlar zu, doch 
hatte sich die große Kolonne der Reisigen in einzelne 
kleine Haufen aufgelöst, die nichts ahnend ihres 
Weges zogen. Plötzlich brach etwa unter der 
Hundsburg eine Schaar Reisiger unter der 
Führung des Grafen Heinrich von Waldeck, 
bei welchem sich die Ritter Friedrich von 
Hertingshausen, Kunz man nvonFalken- 
b e r g, von Padberg, von Löwenstein und von Haustein, 
sowie Bürger der Stadt Hofgeismar befanden, aus 
dem nahen Walde hervor und griff die herzog 
lichen Haufen an. Der Herzog wandte sich in der 
oben angegebenen Richtung zur Flucht, wurde aber von 
den beiden erstgenannten Rittern verfolgt, eingeholt 
und niedergemacht." 
Den eigentlichen Ursachen des Ueberfalls kom 
men wir durch folgende Erwägung auf die Spur: 
Erwiesen ist, daß der Graf von Waldeck eine noch 
von seinem Vater aus dessen verwandschaftlichen 
Rechtsansprüchen aus die Hälfte des in braun 
schweigischen Besitz übergegangenen Lüneburgischen 
Landes herrührende und nach erfolglosen Klagen 
in Verjährung begriffene hohe Schuldforderung 
hatte. Daß man zur Fehde griff, wenn die Klage- 
nicht zum Ziele führte, war in jenen Zeilen eines 
unsicheren Rechtszustandes gewöhnlich, zu beachten 
ist aber, daß der Gras versäumt hatte, die Fehde 
vorher offen anzukündigen. Bei dem Grasen von 
Waldeck kam als Grund seiner Handlungsweise 
noch hinzu seine Feindschaft mit dem Grafen 
Ernst von Hohenstein. Diese Beweggriinde giebt 
Gras Heinrich von Waldeck selbst nach dem Ueberfall 
I in einem (im 19. Bd. der Neuen Folge der Zeit 
schrift des Vereins für hessische Geschichte S. 81 
fg. inhaltlich wiedergegebenen) Schreiben an ver 
schiedene braunschweigische Städte als die an, aus 
welchen er dem Grasen von Hohenstein und den 
Lüneburger Herren, die sich bei dem Herzog be 
fanden, aufgelauert habe. Herzog Friedrich selbst 
sei auf der Flucht erschlagen, ohne daß es von 
jemand beabsichtigt worden. — Diesen Angaben zu 
mißtrauen, fehlt jede Veranlassung. Die oben 
erwähnte Inschrift des „Kaiserkreuzes", wie 
es aus den Generalstabskarten bezeichnet ist, das 
beiläufig bemerkt übrigens nicht aus Eisen, sondern 
ans Stein besteht, ist leider längst erloschen und 
nicht mehr zu entziffern.
	        

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