Full text: Hessenland (11.1897)

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waren: „Sie sehen ja schrecklich verstört aus, 
was ist Ihnen?" 
„Was mir ist? — Eilen Sie, lieber Dvktvr, 
auf Ihr Bureau, das Gerichtspersonal wird gleich 
in Anspruch genommen werden, Freund Harrivt 
hat sich eben erschossen." 
Glnttau stand sprachlos vor mir. Dann 
drückten wir uns stumm die Hände und gingen 
auseinander. Ob er jetzt an die Bemerkungen 
dachte, die ich an unserem letzten Abend bei 
Mellini in Florenz machte? 
•-4-XH--* 
Seid deutsch! 
Diu» war ein Kampf, ein heißes, schweres Werben, 
Als unsre Kjelden einst durch Feindes Hand 
Für Deutschlands Größe durften bluten, sterben 
Den Gpfertad für Gott und Unterland. 
Doch lebt ißr Deutschen, die ihr mitgestritten, 
Doch lebt ihr, die ihr saht, wie sie gelitten. 
Ja, es ist groß, was sie und ihr errungen 
Und all des teuren Heldenblutes wert. 
Ihr habt den übrrmiit'gen Feind bezwungen, 
Das Deutsche Deich gebaut mit eurem Schwert. 
Heisi war der Kampf; ihr wißt, was sie gelitten! 
Groß war der Ureis, den sie und ihr erstritten. 
Das Deich ist da. Vereint sind Deutschlands Gauen. 
Der Fremde achtet Deutschlands Söhne jetzt. 
Des Deiches Sau, von außen stolz zu schauen, 
Habt ihr als Denkmal damals euch gefetzt. 
Kein äußrer Feind kann diesen Sau zerstören, 
Wenn seinen Fall nicht Deutsche selbst beschwören. 
Ihr Deutschen all', die damals mitgestritten, 
An diesem Denkmal damals mitgebaut, 
Die tapfer mitgeblutet, mitgelitten, 
O, schlaft ihr denn? wacht auf! wacht auf und schaut: 
Don innen will die Strömung unterwühlen 
Den stolzen Sau und von der Erde spülen. 
Ihr Helden, die ihr Uüter seid geworden, 
Die ihr für euer Liebstes habt gekämpft, 
Ihr Deutschen, Uüter, Mütter allerorten, 
Macht auf! wacht aus! damit den Strom ihr dämpft. 
Das scharfe Schwert des Geistes nehmt zu Handen 
Und dämpft den Geist der Zwietracht, der entstanden! 
Ihr Deutschen alle, lehret eure Söhne 
Und Töchter: deutsch zu denken, deutsch zu sein! 
Begeistert sie für alles Mahre, Schöne, 
Und ist der Sproß zu knorrig — schneidet ein! 
Dem Deich, das ihr geschaffen, zu Gefallen 
Nehmt es doch ernst mit euren Kindern allen! 
Habt alle lieb, laßt keinen Deutschen darben, 
Deicht jedem Deutschen brüderlich die Hand, 
Und dankt damit den Helden, die da starben 
Für deutsche Einigkeit im fremden Land. 
Seid alle deutsch und einig allerwegen, 
Dann blüht uns Deutschen Cottrs reichster Segen. 
Kurt Dnhn. 
Aus al'fer unò neuer Ieri. 
Ordnuvg gegen die Entheiligung der 
Bet -, Fest -, Feier -, S a b b a t h - u n d Sonn 
tage vom 26. Mai 1686. Neuerdings werden 
in den Blättern sehr ausführliche Polizeiverord 
nungen bezüglich der Sonntagsruhe veröffentlicht. 
Auch in althessischen Zeiten hat es an solchen 
nicht gefehlt, so giebt es deren allein aus den späteren 
Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts mehrere, nämlich 
vom 28. April 1649, 25. Juli 1651, 28. September 
1672 und 21. Mai 1683, abgesehen davon, daß inner 
halb des gleichen Zeitraums die Heilighaltung des 
Sonntags betreffende Bestimmungen sich auch sonst, 
so in der Reformatiousvrdnung Landgraf Wil- 
h e l m's VI. vom Jahre 1656 und in dessen Kirchen 
ordnung vom 12. Juli 1657 finden. Darnach 
legte mau damals ganz besonderes Gewicht auf 
Sonntagsruhe und Sonntagsheiligung. 
Wenn wir nachstehende Ordnung des Landgrafen 
Karl vom 21. Mai 1683 (Sammlung Fürstlich 
Hessischer Landesordnungen und Ausschreiben III,
	        

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