Full text: Hessenland (11.1897)

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Melsungen 1359-1394. 
(Im Zusammenhang mit der hessischen Landesgeschichte.) 
Von Dr. L. Armbrust. 
(Schluß.) 
ie Feindseligkeiten zwischen Mainz und 
Hessen hörten unterdessen nicht auf. Das 
Kloster Heida bei A l t m v r s ch e n behauptete 
von landgräflichen Mannen Schaden, erlitten zu 
haben. Erzbischof Adolf beeilte sich, den Dekan 
Ludwig von Binsfört zu Rotenburg und einen 
Fritzlarer Domherrn mit der Untersuchung zu 
betrauen. Die Verhängung des Banlles über den 
Landgrafen Hernianlr und 39 feiner Knechte war 
das Ergebniß dieser Untersuchung. Unter den Ge- 
bannten befallden sich auch zwei Melsunger, nämlich 
Albert von Melsungen, über dessen Persönlich 
keit weiter nichts bekannt ist, und Heinrich 
Smet (auch Sluch genannt) der als landgräf 
licher Parteigänger noch öfter hervortritt. 
Ende Mürz 1387 schlossen Adolf, Balthasar 
und Otto auf Lebenszeit einen Angriffsbund 
gegen Hermann den Gelehrten. Die Bestim- 
nlungen dieses Vertrages wurden für Melsungen 
besonders wichtig. Von den voraussichtlichen 
Eroberungen sollte das Erzbisthum Mainz ein 
Viertel erhalten, Erzbischof Adolf persönlich ein 
zweites Viertel nüt dem Rechte, dasselbe zu ver 
äußern, die letzten beiden Viertel wurden für 
Thüringen bestimmt. Der Erzbischof trat ben 
Theil der Eroberungen, der ihm persönlich zu 
fallen würde, an Otto den Ouaden ab, der den 
Vorwurf vermeiden wollte, als unternähme er 
einen Eroberungskrieg. Ein siegreicher Feldzug 
der Göttinger gegen Herzog Otto hielt die Ver 
bündeten noch ans, dann aber erklärten sie dem 
Landgrafen den Krieg. Ihr Heer sammelte sich 
an der Fulda südlich von Rotenburg; es führte 
Büchsen, aus denen Steine geschossen wurden, 
und Brandpfeile mit sich. Die Stadt Roten 
burg fiel schon am 26. August 1387 in die 
Hände der Feinde, auch das feste Schloß erlag. 
Dienstag den 27. August erschienen sie vor 
Melsungen. Brandpfeile sausten durch die Luft, 
und ehe man sich's versah, lohte es hier und da 
auf, der Brand ergriff die Kirche des heiligen 
Nikolaus. Sie wurde ein Raub der Flammen. 
Nur der Thurm blieb stehen. Der Feind be 
setzte die Stadt. Die Hauptmacht drang am 
folgenden Tage weiter vor, sie bestürmte ver 
geblich Kassel, verbrannte Gilde ns berg, dessen 
obere Burg von Eckbert von Grifte helden 
haft und erfolgreich vertheidigt wurde, und 
gewann Niedenstein. Das Unglück seines 
Landes erschütterte den Landgrafen Hermann, er 
ließ sich in Verhandlungen ein, die am 10. Sep 
tember 1387 zu einem Waffenstillstände führten. 
Rotenburg, Melsungen und Niedenstein blieben 
in der Gewalt der Verbündeten. In deren 
Hände war auch der Melsunger Bürger Heinrich 
Smet gerathen, der früher an der Schädigung 
des Heidaer Klosters Theil genommen hatte. 
Smet wurde beschuldigt, den Zunstbrief der 
Schneiderinnung auf die Seite geschafft zu haben. 
Allein er leugnete und betheuerte auch, nicht zu 
wissen, wo die städtischen Urkunden sich befänden; 
mare hatte diese offenbar beim Anrücken der 
Feinde in Sicherheit gebracht. Ritter Hermann 
von Wern (Wehren), der die Untersuchung 
führte, sah von einer Bestrafung ab. Er ließ 
den verdächtigen Bürger dem Erzbischöfe, dem 
Markgrafen Balthasar, dem Herzog Otto und 
der Stadt Treue geloben und nöthigte ihm das 
Versprechen ab, daß er keinem etwas nachtragen 
wollte. Dies geschah am 29. November 1387. 
Wahrscheinlich entfernte sich Heinrich Smet dann aus 
Melsungen, denn 1392 muß ein Henrik Schmet, 
Knappe der Herren von Oro sa, unter Andern 
auch Otto dem Ouaden noch einmal Urfehde 
schwören. 
Im Allsange des Jahres 1388 befanden sich 
lloch aildere Gefallgene in Melsuilgen, die ver 
muthlich als Anhänger des Landgrafen Hermann 
eingekerkert waren : Heinrich Jacob, Christian 
Heintze von Rieden, Heintze Rupenstörz 
und der Opfermann von Waldau. Am Sonn 
tage vor Lütare, also einige Wochen vor Ostern, 
wurden diese von dem Amtmanne Eckhard von 
Hundelshausen bedingungslos aus dem Ge 
fängnisse entlassen. Eckhard war vom Landgrafen 
Balthasar von Thüringen zum Amtmallne in 
Melsungen eingesetzt, führte aber kein eigenes 
Siegel, fonbern benutzte das des vorher erwähnten 
Bnrgmanns Wigand Riedesel, den wir also mit 
Hermann voll Wehren Ulld Helwig von Tabels- 
hausen (Dagobertshausen) int feindlichen Lager 
finden, während Werner Lotze und Burghard 
von Leimbach wieder auf hessischer Seite standen. — 
Die Verbündeten suchten die Verhältnisse ihres 
gemeinsamen Besitzes aus Grund ihres Bundes 
vertrages (vom März 1387) zu ordnen. Am
	        

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