Full text: Hessenland (11.1897)

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geschah 1838 — 1840, wozu 1300 Thaler im 
Ganzen bewilligt wurden. 
Im Jahre 1476 finden sich als Bewohner der 
Burg: Ritter Werner mit seinen Söhnen und 
seinem Bruder Hans und dessen Söhnen und 
die Nachkommen Lippold's; alle Glieder hatten 
also noch eine gemeinschaftliche Behausung. 
Im Laufe der Zeit wurde aber der Raum 
in der Burg den Familien zu eng, dazu kam 
noch, daß die Bewirthschastung der Güter eine 
größere Nähe wünschenswerth machte, sie bauten 
sich also inmitten ihrer Besitzungen an. 
Schon im Jahre 1567 kommt in einer Ur 
kunde vor, daß das Schloß von einigen der 
von Hanstein nicht mehr bewohnt wird und daß 
die ersten Ansitze außerhalb der Burg: Unter 
st ein im Jahre 1544, Werleshausen 1556 
und 1565 und Oberstein 1582 waren. Alle 
übrigen sind erst in dem folgenden Jahrhundert 
eingerichtet, wie Hohengandern 1619, Besen 
hausen 1690, Wahlhausen 1693, Roten 
bach 1719 und 1725, ferner Born Hagen, 
Ershausen, Oberellen, Henfstädt, Geis 
mar, Töpfer. 
Seit 1683 ist die Burg ganz unbewohnt, mit 
Ausnahme des dicht darunter befindlichen ein 
stöckigen Hauses, das früher der Gesangenwärter, 
dann der Gerichtsbote und jetzt noch der Burg 
ausseher bewohnt. 
Im Anfang und Verlaus des 14. Jahrhunderts 
finden wir das Geschlecht von Hanstein in seinen 
Gliedern und Besitzungen schon sehr ausgebreitet, 
wohlhabend und eifrig beschäftigt mit Verkauf, 
Allstausch und Ankauf von Dörfern und Gütern. 
Es erwarb 1315 Arenshausen, Wüsthäuterode, 
Arnstein (das Jahr dieses Erwerbes, der nur 
vorübergehend war, ist unbekannt), 1348 die 
Hälfte von Gerbershansen, 1373 das halbe Dorf 
Fretterode, das Dorf Steina, 1377 Schloß 
Züschen, 1376 Lindenwerra. In dieser Zeit 
hatten sie auch in Hofgeismar Besitz. 
Kehren wir nach dieser Abschweifung zu den 
Personen zurück. Des Erbauers Lnpold Sohn, 
Heinrich, Oberamtmann zu Schöneberg, 
hinterließ zwei Söhne, Lippold und Dittmar, 
als Stifter der beiden Linien, die nach ihnen 
so genannt wurden, später aber auch als die 
Besenhäuser- und Ershäuser Linien be 
zeichnet werden. 
Das weitere Leben der Bewohner beschreiben, 
heißt ihre Kriege berichten, denn die Ritter 
von Hanstein hatten in jener sehdereichen Zeit 
hinreichende Gelegenheit, ihre Kampflust zu be 
thätigen. Wir finden zuerst die von Hanstein 
in der Nachbarschaft mit den Herren von Salza 
im Streit, dann aber mit der Stadt Mühl 
hausen in einer ganzen Reihe von Jahren, 
1334, 1354, 1371 und 1384. Auch das folgende 
Jahrhundert brachte noch keinen Stillstand. 
Mit der Stadt Mlihlhausen verbanden sich 
sämmtliche Städte des Eichsfeldes, denen durch 
die Streifereien der von Hanstein aller Handel 
mehr oder minder empfindlich geschädigt wurde, 
und außerdem noch Graf Heinrich VI. von 
Hvhnstein. Vereint zogen die Verbündeten 
vor die Burg Hanstein, der sie nichts anhaben 
konnten, dafür entschädigten sie sich aber durch 
Verwüstung der ganzen Gegend; mehrere Dörfer, 
wie Hvttenrodt, Fredegershansen und Steina 
sind damals vollständig untergegangen. Dann 
zogen sie ab, die Vergeltung ereilte sie aber, denn 
Herzog Otto von Braunschweig, voll dessen Neu 
tralität sie sich vorher versichert hatten, überfiel 
sie trotz des gegebeilen Versprechens (weshalb er 
der Ouade [Malus] genannt wurde) und 
brachte ihnen mit Hülfe der Hansteiner eine 
schwere Niederlage bei. 
Eine große Allzahl Gefangener wurde gemacht, 
die nach Münden, Friedland und der Bracken- 
burg gebracht wurden und ihre Freiheit nur 
durch großes Lösegeld erkaufen konnten. 
Aber wichtiger und folgenreicher als die Fehdeil 
mit den benachbarten Städten waren die mit 
dem fürstlichen Nachbarn, dem Landgrafen von 
Hessen, dessen Gebiet von Allendorf bis Wenders- 
Hausen an das ihre grenzte und nicht überall 
durch die Werra davon geschieden war. Das 
Verhältniß, in dem die Landgrafen zu dem 
Erzstift Mainz durch die Lage von dessen Be 
sitzungen in Amöneburg, Fritzlar, Hofgeismar, 
dem Reinhardswald und auf dem Eichsfeld 
standen, mußte nothwendig auf die dort an 
sässigen Ritter zurückwirken. Man sieht deshalb 
die Ritter voll Hanstein ailch oft gegen Hessen 
kämpfen. Erzbischof Matthias hatte schon 
mit dem Landgrafen Otto und 1323 mit dessen 
Sohne, Heinrich dem Eisernen, Krieg ge 
führt, und Lnpold von Hanstein in demselben 
feinem Lehns- und Landesherrn beigestanden. 
Auf diese Feindschaft zwischen dem Erzstist und 
Hessen folgte unter Erzbischof Ger lach von 
Nassau gute Freundschaft. Wie so oft im Mittel 
alter zwischen Parteien, die kurz zuvor verfeindet 
im Kriege gewesen, nach Beilegung des Zwistes 
ein Schutz- und Trlltzbündniß geschlossen wird, 
so auch hier. Die Freundschast des Landgrafen 
und des Erzbischofs erstreckte sich auch auf die 
Hansteiner und hatte sogar ein Bündniß zwischen 
Landgraf Heinrich und Heinrich von Haustein, 
Amtmann von Schöneberg, und dessen Söhnen,
	        

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