Full text: Hessenland (11.1897)

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Wer wird, wie er, dem Reiche so Glanz wie Macht 
verleih'« 
Und doch im Kaiserpurpnr dem Volk ein Vater sein! 
Und gleich als ständ's geschrieben im ew'gen Sternen 
zelt, 
Daß mit dem Tod des Staufen des Reiches Kraft 
zerschellt, 
So trauern und so klagen in ihrem Heldenthum, 
Die mit dem Kaiser fochten für Deutschlands Glanz 
und Ruhn:. 
Allein das Volk, das treue, es glaubt an keinen Tod, 
Ihm kann kein Heldenkaiser hingeh'n wie Abendroth, 
hinsterben und erlöschen in Erden-Sturmesweh'n 
Und in gemeinein Tode versinken und vergeh'«. 
Was will der Tod auch werben? Wer hier in schwerer 
Zeit 
Gekämpft in Riesenkämpfen für eine Ewigkeit: 
Der ist im Geist des Volkes, dem seine Sorge galt, 
Unsterblich wie der Gottheit urheil'ge Allgewalt. 
Und ob die Zeiten schwanden in stetem Wechselgang, 
Und ob des Reiches Hoheit mit tausend Leinde« rang, 
Im Grunde des Kyffhäuser, von Helden treu bewacht, 
Lebt fort dem Volk der Kaiser in alter Kaiserpracht. 
hier webt und und wirkt sein Wille am Webstnhl aller 
Zeit, 
Daß sich in Eintracht wandelt der Fürsten Zwistigkeit, 
Daß durch der Eintracht Stärke das Volk in heil'ger 
Lust 
Sich fühlt als eine Seele, ein herz und eine Brust. 
Und endlich — welches Brausen, durchhallt den Felsen- 
saal? — 
Ls ist als ob die Berge bewegten sich zu Thal, 
Als kläng' es aus dem Donner, der jetzt die Felsen 
traf: 
Wach auf, wach auf, o Kaiser, wach ans aus Deinem 
Schlaf! 
Da reckt der hohenstaufe vom Hochsitz sich empor 
Und seiner Wappner Kunde schlägt an sein Kaiserohr: 
„Das ganze, ganze Deutschland, ein Arm und eine 
Brust, 
Zieht hin vom Rhein durch Frankreich in alter Sieges 
lust. — 
verschwunden ist ain Berge der Zwietracht Rabenschaar, 
Statt ihrer wiegt im Aether sich Deutschlands stolzer 
Aar, 
Und an des Heeres Spitze, auf schaumbedecktem Roß, 
Glänzt, wie dereinst der Stause, ein hohenzollernsproß. 
Schon sinken Frankreichs Waffen, schon schwindet Frank 
reichs Macht, 
Schon strahlt in alter Schöne die deutsche Kaiserpracht; 
Jahrhunderte vergingen, doch was Dein Geist gesät, 
Das glüht nun wie der Sonne erhab'ne Majestät." 
„Wohlan," rief drauf der Kaiser freudüberströmend 
aus, 
„Es ist vollbracht! Run traget das Reichsschwert mir 
hinaus 
Und drückt's dem hohenzollern, der Frankreichs Heere 
schlug, 
So fest in seine Rechte, wie's einst der Stanfe trug. 
Und stark, wie meine Liebe das ganze Volk umfing, 
So stark nun sci's umschlossen von seiner Eintracht 
Ring. 
Du aber, Gott der Gnade, laß nun zur Ruh mich 
geh'«, 
So lange Zollerns Fahnen um meine Felsgruft wehn." 
Er sprach's und neigte nieder sein Kaiserhaupt zur 
Ruh, 
Er sprach's und schloß beseligt die Wimpern wieder zu. 
Und Deutschlands Ruhm und Würde, und Deutschlands 
Glück und Glanz, 
Sie stehn ihm Ehrenwache hoch auf dem Felsenkranz. 
Welche gewaltige Kunde dnrchzittert den Erdkreis! 
Welches hosiana nun heiligt das Jauchzen des Volkes! 
„Deutschland ist wiedergeboren im Geist Barbarossa's, 
Wiedergeboren dem Reich ist ein mächtiger Schirmherr", 
Rauscht's von den Alpen bis hin zmn Gestade der 
Nordsee, 
Rauscht es in Klängen hochheiligen Schauers der Wonne. 
Auf denn, o Volk, begnadetes, 
Lobe und preise den Herrn, der dich führte zum Siege!
	        

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