Full text: Hessenland (11.1897)

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späterhin der hessischen Fürsten Fürsorge erfahren. 
W i l h e l m VI. räumte ihr 1650 dieKugelki r ch e 
und einige Jahre später, als die Fahl ihrer Mit- 
glieder stark wuchs, die ehemalige Dominika n e x= 
k i r ch e zur Benutzung ein. Damals wurde auch 
die Verbindung mit der Universität, deren theo- 
'logische Fakultät bis zum Jahre 1822 ihren 
reformirten Charakter beibehalten hat, eine engere; 
nachdem die Hochschule der Gemeinde geradezu 
inkorporirt worden war, wurde die reformirte 
Kirche mit der Feit zur Universitätskirche. Dem 
Landgrafen Karl gelang, was sein Vater vergeblich 
erstrebt hatte, die Einsetzung eines Presbyteriums, 
welches das kirchliche und sittliche Leben zu über 
wachen hatte. Ties straffe Kirchenregiment zeitigte 
in Verbindung mit den Einflüssen einer ernst 
christlichen reformirten Geistesrichtung und der 
Einwirkung pietiftischer Gemüthstiefe eine hohe 
Blüthe der Gemeinde. Sie zeigt sich in eifrigem 
Besuch des Gottesdienstes, für dessen Abhaltung drei 
Prediger nöthig waren; sie spricht sich ans in der 
hohen Spferwilligkeit der Mitglieder; sie kommt 
zum Ausdruck in den Schenkungen kostbarer Altar- 
geräthe, die angesehene und wohlhabende Familien 
vollziehen. Hand in Hand hiermit gehen Werke 
christlicher Liebesthätigkeit und erziehlicher Fürsorge: 
so die Einrichtung eines Waisenhauses, das sich 
besonders der Unterstützung der Familie Bultejus 
zu erfreuen gehabt hat, die Gründung einer refor 
mirten Schule, stattliche Spendeu für arme uud be 
drängte Glaubensgenossen daheim und in der 
Ferne u. a. m. 
Mit der Mitte des 16. Jahrhunderts beginnt 
’2ferfo«aCt«m. 
(Beainten - Personalien folgen im nächsten Heft.) 
Geboren: ein K nabe: Amtsgerichtssekretär Cf. Al o h r- 
rnanit und Fran Ottilie, geb. Hohne (Kassel, 
12. Februar); Landrath Heino von Bischossshausen 
und Frau Lenka, geb. von Eickstedt (Witzenhansen, 
20. Februar); Premierlieutenant von Jeinsen und 
Fran, geb. Weidemann (Hanau, 21. Februar); ein 
Mädchen: Schulvorsteher Dr. Fr. Schaum bürg und 
Frau Emmy, geb. Sachs (Kassel, 12. Februar); Ober 
lehrer R. Beinhauer und Frau, geb. Has (Kassel, 
13. Februar); Dr. med. Krause und Frau, geb. von 
Hartmann (Kassel, 18. Februar); Zwillinge (Mädchen): 
Oberlehrer Heydenreich und Frau (Kassel. 14. Februar); 
(Knabe und Mädchen): Lehrer Bückert und Frau Anna, 
geb. Hossmann (Kassel, 22. Februar). 
Verlobt: Lieutenant a. D. Karl von Oertzen 
zu Boyerode bei Solz mit Fräulein Martha Pockels 
(Räbke bei Frellstedt, Februar); Lieutenant Edgar von 
H i r s ch s e l d zu Potsdam mit Valeska Freiin von 
Berlepsch (Berlin, 23. Februar). 
Vermählt r Hauptmann P a n l W i n i k e r zu Straß 
burg mit Fräulein An navon Mills (Kassel, Februar). 
Gestorben: Professor Dr. Otto Büchner, 
68 Jahre alt (Gießen, 4. Februar): Fräulein Karoline 
der Rückgang des religiösen Lebens, wie er ein 
allgemeiner ist. so anch in Marburg sich bemerkbar 
zu machen; die Sätze der aus der neuen Philosophie 
abgeleiteten natürlichen Theologie und die Lehren einer 
von ihr beeinflußten popnlarisirten Moral erschienen 
als hinlänglicher Ersatz für den Glauben der Väter. 
Von diesem tiefen Niedergänge, der bis in 
unser Jahrhundert andauert, erholt sich das religiöse 
Leben erst allmählich wieder seit den Befreinngs- 
kriegen und seit der Jubelfeier der Reformation 
im Jahre 1817. Seitdem ist anch von einem Er 
wachen und starken Wachsen kirchlichen Sinnes in 
der reformirten Kirche in Marburg wieder zu 
berichten. Das Gefühl der evangelischen Zusammen 
gehörigkeit. das anderwärts so mächtig durchdraug, 
hat ja freilich in Hessen, wo die Vorbedingungen 
für Bereinigung so günstig lagen, nur in Hanau 
znm vollen Erfolge geführt; in Marburg gerade, 
wo die eitizige Errungenschaft der zwanziger Jahre 
ein gemischtes Presbyterium war, sind später die 
konfessionellen Gegensätze mit rücksichtslosester 
Heftigkeit anfeinandergeplatzt. Gottlob ist der 
Rückblick ans die jüngste Vergangenheit unserer 
hessischen Kirche nach dieser Richtung i;iu ein freund 
licher und wird hoffnnngsverheißend für die Zukunft. 
Wir empfehlen die kleine, vom Verleger ge 
schmackvoll ausgestattete Schrift Wolff's auf's beste; 
sie verdient anch außerhalb des Kreises der 
Marbnrger Gemeinde, für die sie zunächst als 
Jubelgabe bestimntt ist, von Vielen gelesen zu 
werden. Möchte der Herr Verfasser bald Zeit und 
Muße finden, uns ans seinen offenbar reichen Samm 
lungen noch weitere Beiträge zu schenken. Lall. 
Hnnrath. 64 Jahre alt (Kassel, 11. Februar); ver- 
wittwete Frau Appellationsgerichtspräsident Al arte von 
M eigner, geb. Winter, 77 Jahre alt (Kassel, 12. Februar); 
verwittwete Frau Bürgermeister Eva K a th a r i n a H eher, 
geb. Heher, 73 Jahre alt (Kalkobes, 13. Februar); 
Stationsvorsteher Friedrich Harri es, 56 Jahre alt 
(Marburg, 13. Februar); Rechnungsrath n. D. Eduard 
Schmidt. 53 Jahre alt (Kassel. 14. Februar); Fräulein 
M a r i e K a r o l in e S t e i n w e g, 26 Jahre alt (Hersfeld, 
14. Februar); Fräulein E l i s e S o p h i e v o n Trümb ach, 
61 Jahre alt (Hersfeld, 15. Februar); verwittwete Fran 
Lehrer A. B. Knoch, geb. Webert, 61 Jahre alt 
(Rhina, den 16. Februar); Schuldirektor z. D. Dr. Otto 
Kares, 59 Jahre alt (Marburg, 16. Februar); 
Rechnungsrath Karl Eugen Geiger, 63 Jahre alt 
(Kassel, 16. Februar); Schreinermeister Friedrich Crede, 
72 Jahre alt (Marburg, 17. Februar); Katasterzeichner 
Bernhard Specht 51 Jahre alt (Kassel, 19. Februar); 
Sekretariatsassistent Karl Schleich, 40 Jahre alt (Kassel, 
20. Februar); Schlossermeister Georg Haltausder- 
Heide, 92 Jahre alt (Kassel, 20. Februar); Kanzleirath 
Chr. Albrecht, 64 Jahre alt (Kassel, 20. Februar); 
Kaufmann G u st a v F a i l l a r d, 39 Jahre alt (Kassel, 
23. Februar); Privatmann Ferdinand Hentze, 77 
Jahre alt (Kassel, 24. Februar.) 
Für dir Redaktion verantwortlich: Dr. W. Grotefend in Kassel. Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel-
	        

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