Full text: Hessenland (11.1897)

im Saufe des Monats sieben neue Mitglieder ge 
wonnen, während ein Abgang von nur zwei s XUit= 
gliedern zu verzeichnen ist. An Geschenken ging 
n. a. ein: vom Posthaltereibesitzer F. Nebelthan 
eine Facsimile der Ansprache, welche Kaiser- 
Friedrich als Kronprinz bei dem Einzüge der 
Truppen in Kassel im Jahre 1871 gehalten und 
ans Bitte des damaligen Ortsbürgermeisters 
Nebelthan, des verstorbenen Baters des Schenk 
gebers, für denselben eigenhändig nnfgeschrieben hat. 
Ferner zeigte Pr. nieä. S ehwarz k o p f zwei von 
Photograph Seitz angefertigte Photographieen vor, 
welche die Portale des Kasseler Zeughauses 
darstellen. Sodann ließ der Vorsitzende eine Reihe 
von Tafeln zirknliren, welche in ganz vortrefflicher 
Weise die h e s s i s ch e n Nt nnzen in Tusche und 
Farbe gezeiehnet, bezw. gemalt, vor Angen führte. 
Diese als wirkliches Kunstwerk zu bezeichnende Münz- 
sammlnng ist vor einigen Jahrzehnten von Henri 
Suchier in Karlshafen, dem Großvater des 
Pr. Brnnner, angefertigt und bereits vor Jahren 
voll dem hessischen Numismatiker Hoffmeister 
auf das Günstigste besprochen worden. Nachdem 
hielt Geh. Regiernngsrath a. D. Frit f ch den an 
gekündigten Vortrag „über die Geschichte des 
Forstes bei Kassel", welcher eine Fülle von 
interessanten Einzelheiten vorführte und mit großem 
Beifalt entgegengenommen Nnlrde. 
000jährige I il b e l f e i e r der Stadt 
Hanau. Am 1. Juni 1597 wurde von aus 
Frankreich und den Niederlanden vertriebenen 
Hugenotten die Nc e u - H a n a it e r Kirchengemeinde 
gegründet und die Erbauung einer neuen Stadt 
begonnen. Zum Gedächtniß mn diese Zeit wird am 
1. Juni d. Js. kirchliche 'Feier mit Enthüllung 
des Denkmals des Grafen Philipp Ludwig II. 
v o n H esse n — des Schützers der Vertriebenen — 
ilnd Pfingsten weltliche Feier stattfinden. Ter 
Glanzpunkt der letzteren wird ein historischer 
Festzng sein, den die kunstsinnigen Bewohner von 
Hanau unter Leitung des Schöpfers des Denkmals, 
Professor Nt. Wiese, durch Vorführung von Gruppen 
aus der reichen geschichtlichen Vergangenheit Hanans 
veranstalten. 
U niversitätsn a ch r ichte n. Am 2 0. Februar 
habilitirte sich an der Universität Marburg der 
von dort gebürtige Pr. phil. Schau m für physi 
kalische Chemie durch eine Antrittsvorlesung über 
„die Theorie der Lösungen und ihr Verhältniß zu 
den exakten Wissenschaften". — Zu außerordentlichen 
Professoren der Universität Marburg wurden 
zwei Berliner Gelehrte ernannt: Gerichtsassessor 
Pr. Traeger in der juristischen, Stabsarzt 
Professor Pr. Wer nicke in der medizinischen 
Fakultät. - Anläßlich der M e l a n ch t h o n s e i e r 
verlieh die theologische Fakultät in Gießen dem 
Geheimen Hofrath Professor Pr. Gelzer zn Jena 
die Würde eines Pr. honoris causa. 
Ernennnng. Freiherr Volprecht Riedesel 
zn Eisenbach ans Schloß Ludwigs eck bei 
Bebra ist zum Oberhvfmeister der Großherzogin 
von Hessen ernannt. Er stand in den 70 er Jahren 
bei den Garde du Corps zn Potsdam, von wo er 
seinem Regimentskameraden, dem verewigten Prinzen 
Alexander von Battenberg, nach Bulgarien 
folgte. In Sofia bekleidete er bis zur Abdankung 
des Fürsten, das Amt des Hofinarschatls. 
K ü nstlerkonzert in Kassel. Einen in 
teressanten Abend verschaffte uns am 17. Februar 
das Künstterpaar Albert Wolf und Frau 
Nt i nn i e W ols- H a n g S. In Ersterem begrüßten 
wir ein Kasseler Kind. Albert Wolf, jetzt Großherzog 
licher Hofschanspieler zn Schwerin, ein Schüler des 
früheren Kasseler Hosschanspielers Gustav Thies, ist 
in seiner jetzigen Stellung eine hochgeschätzte Kraft. 
Seine dramatische Begabung erwies sich besonders 
in dem Vortrag des Wildenbrnch'schen „Heren- 
liedes", das sich zn einem Gemälde ergreifender 
Seelenmalerei gestaltete. Ein klangvolles, mvdn- 
lationssähiges Lrgan nnd vollendete Teklamativns- 
knnst offenbarte Herr Wolf ferner im „Seegespenst" 
von Heine; in dem Freiligrath'schen: „Ans beim 
schlesischen Gebirge" nnd in den humorvollen 
Baumbach'schen Dichtungen: „Liebchen", „Wo der 
Weg zum Liebchen geht" nnd „Der schlaue Abt". 
Als Zugabe erfreute der Künstler noch mit dem Lied 
von „Fichte und Pcilmbanm" von Heine, nach berühm 
ten Nteistern variirt, welches große Heiterkeit erregte. 
In Fran Min nie Wolf-Hangs ans Amerika 
lernten wir eine hervorragend geschulte, stimm 
begabte Sängerin kennen. Sie hat einen Mezzo 
sopran von bedeutendem Umfang nnd großem 
Wohllaut, eine stannenswerthe Kehlfertigkeit nnd 
gediegenen künstlerischen Vortrag. Die Künstlerin 
sang die „Eavatine" ans der Oper „Der Barbier 
von Sevilla" von Rossini, „Litanei" von Schubert, 
„Rose" von Spohr, „Wie leis' die Linde 
rauschte" von unserem heimischen Johann 
Lewalter, „Nun die Schatten dunkeln" von 
Doppler, „Widmung" von Schumann, „Pa, 10 >- 
leitn,“ von Marchesi, „Nur ein Viertelstündchen" 
von Hildach nnd „Variationen über ein Thema 
von Rode" von Morean, auch gewährte sie eine 
neckische Zugabe. Das zahlreich erschienene Publikum 
gab dem Künstterpaar seinen Dank durch leb 
haften Beifalt zn erkennen. <<?>. 3*.
	        

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