Full text: Hessenland (11.1897)

5,8 
Friedrich I. am 25. Juli 1171 vorkommt, läßt 
sich als solcher nicht ansprechen, da eine Zu 
sammengehörigkeit mit diesem Grasen nicht nach 
weisbar ist. 
Im Jahre 1205 kommt 1'beodoi-ieus (Dieterich) 
vicedominus de Kusteberg zuerst als solcher 
in einer das Kloster Bursselde betreffenden 
Urkunde vor, und in einer 1236 in Hasungen 
ausgestellten Urkunde des Erzbischofs Siegfried von 
Mainz kommt der Name Han st ein zuerst als 
G e s ch l e ch t s n a m e vor, der Bruder Theoderich's, 
Bieedoms von Rnsteberg, wird als Heideurieus de 
Daueustene. frater ejus, ausgeführt. Natürlich 
rührt die Bezeichnung von der Burg her, wo 
er und seine Verwandte schon Burgmünner waren. 
Dieser Heidenricus, der von 1239—1256 erscheint, 
erhielt einen besonderen Beweis des Wohlwollens 
seines geistlichen Landesherrn, indem ihni und 
seinen ehelichen Erben das Vicedom-Amt Rnsteberg 
als wahres Lehen auf ewige Zeiten unter der 
Bedingung, daß stets der Aelteste das Lehen er 
halten sollte, verliehen wurde. 
Wir begegnen weiter Vieedvm Heidenrich 
dem Jüngeren, 1256 —1290, und Heinrich, 1297 
bis 1325. 
Mit diesem letzten verschwindet in dem Geschlecht 
die Amtsbezeichnnng Vicedominus, und sie nennen 
sich svrtan Dominus oder Miles bezw. Famulus 
von Haustein, da Heinrich, der kinderlos war, 
das Lehen von Rnsteberg dem Erzbischof Mathias 
1323 verkauft hatte. 
(Tvortieiunni folgt.) 
Das Schiller-Heßeimniß. 
Bon Wilhelm Bennecke. 
(Schlup.) 
EMnch den „Räubern" ersthien angeblick) von 
^ • Schiller „Tie Verschwörung des Fiesko zu 
Genua", ein republikanisches Trauerspiel. Schon der 
etwas gesuchte Titel „republikanisches Trauerspiel" 
deutet weit mehr auf Goethe, welcher aus der freien 
Stadt Frankfurt stammte, deren Verfassung eine 
ziemlich republikanische Grundlage hatte, als auf 
den nach Abfolvirung feiner Schulzeit zum 
Regimentsscldscheer ernannten Schiller, welcher 
unter einer monarchischen Regierung aufgewachsen 
war und die Ilnzutrüglichkeiten eines republikanischen 
Gemeindeweseus gar nicht so genau kennen lernen 
konnte, wie aus eigener Anschauung der Frankfurter 
Patriziersohn. Äußer Fiesko in Genua werden 
Schiller u. A. noch „Die Braut von Messina" 
und das novellistische Fragment „Ter G eist er - 
sehe r", welches vorwiegend in Venedig spielt, 
zugeschrieben. Genua, Mesfiua, Venedig! Be- 
vnders in der „Braut vou Messina" imb dem 
„Geisterseher von Venedig" macht sich ein solch' 
wunderbares Lokalkolorit bcmerklich, daß daraus 
klar und deutlich hervorgeht: Der Dichter muß 
an Ort und Stelle gewesen sein. Noch größeres 
Gewicht muß man auf diesen Umstand bei Be 
urtheilung des „Wilhelm Tell" legen, in 
welchem Schauspiel die Schweiz weit besser ge 
schildert ist, als in den gepriesensten Reisehand 
büchern. Nun ist aber erwiesenermaßen weder 
der Württembergische Regimentsmedieus Schiller, 
noch der sachsen-weimar-eisenach'sche Professor 
Schiller jemals in Italien oder in der Schweiz 
gewesen, während Geheimrath von Goethe scüvolst 
Italien wie die Schweiz aus eigener Anschauung 
kennen gelernt hat und somit auch in der Lage 
war, die dortigen Sehenswürdigkeiten und inneren 
Verhältnisse in so trefflicher Weise dem geneigten 
Leser vor Augen führen zu können. In geschicht 
licher Beziehung scheint Sll)iller überhaupt nicht 
sehr bewandert gewesen zu sein, denn obwohl ihm 
der gewaltige Geheimrath von Goethe die Stelle 
eines Professors der Geschichte in Jena verschafft 
hatte, um, wie gesagt, die Arbeiten, welche er 
nicht unter feinem Namen herausgeben wollte, 
unter Schiller's Deckung zu veröffentlichen, so 
hatte dies doch seinen Haken, denn in richtiger 
Würdigung der Sachlage, duldeten es die Jenenser 
Gelehrten nicht, daß Schiller sich „Professor der 
Geschichte" nannte. Danach ist auch klar, daß 
Schiller die Geschichte vou dem „Abfall der 
Niederlande" nicht geschrieben hat, vielmehr 
ist es völlig einleuchtend, daß dieses Werk vou 
dem Dichter des „Egmont" herrührt, welcher 
die niederländische Gesd)iä)te vor Abfassung des 
genannten Trauerspiels gründlich studirt hatte, 
seine Auszeichnungen aber Schiller überließ, uot 
diesen in den klugen der Welt wenigstens etwas 
geschichtsverständig erscheinen zu lassen. Die An 
hänger Schiller's haben geltend gemacht, daß in 
„ W a l l e u st e i u ' s Lage r" nur die beiden 
Zeilen 
„bin Hanptmann, den ein Anderer erstach, 
Oieß mir ein paar glückliche Würfel nach "
	        

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