Full text: Hessenland (11.1897)

57 
1147 —1149, bet Schauplatz ist das Schloß 
Haustein, ferner die Igelsburg, als Sitz des 
Vehmgerichts, und Damaskus. Die Haupt 
personen sind Friedrich von Haustein seinen 
solchen hat es aber damals nicht gegeben) und 
Ritter Erich von Ringelrode, bereit Heirath mit 
Friedrichs Tochter Kunigunde das Kloster zu 
hintertreiben sucht, was ihm nicht gelingt. 
Nun zu der Geschichte der Burg, über welche 
sich die Besucher derselben gewiß gern unterrichtet 
sehen. 
Im siebenten und achten Jahrhundert bildete 
die Gegend des Hausteins die nördliche Spitze des 
thüringischen Gaues Germaramark, hier 
stießen die Grenzen von drei kriegerischen mächtigen 
Völkern, den Thüringen, Sachsen und Franken, 
aus einander. Diese Nachbarschaft bot den Anlaß 
zu beständigen Reibereien und Kümpfen. Um 
ihren Besitz, namentlich gegen die Sachsen, zu 
schützen, legten die Thüringe eine Befestigung an, 
konnten sich aber trotzdem nicht behaupten, denn 
nach dem Corvey er Güter-Register befand sich 
zwischen 826 und 853 der Haustein als Haan 
st edihus in sächsischem Besitze. Es sei gleich 
bemerkt, daß der Name in verschiedenen Zeiten 
verschieden geschrieben wird, bald Hanenstein, 
Hansteyn, Hanichstein, Haynenstein, bald wie 
oben re. Er wird danach auch verschieden abge 
leitet, einmal von hano (gallus) — Hahn im 
Gegensatz zu dem gegenüberliegenden Berg Henne 
seste, dann von hagan (inclago) — Hagen, d. h. 
ein mit Gräben und Wall umgebener Ort. Von 
mancher Seite wird die erste Burganlage als auf 
dem Höheberg (alte Burg) befindlich angenommen, 
doch ist dies unerwiesen, vielmehr erscheint die 
fetzige Lage so geeignet dafür, daß kaum daran 
zu zweifeln ist, daß sie von jeher hier gewesen. 
Im 11. Jahrhundert war in der Nachbarschaft 
des Hausteines ein Grasengeschlecht angesessen, mit 
dem sich kein anderes der Gegend an Macht und 
Einfluß messen konnte, zog sich doch sein Güter 
besitz durch das Sachsenland bis nach Thüringen. 
Sein damaliger Vertreter war der berühmte 
Graf Otto von Nordheim; 1070 wird die. 
Burg Haustein als ihm gehöriges Allodium erwähnt. 
Als Otto noch das Herzogthum B a i e r n erwarb 
und dazu die höchste Gunst König Heinrich's IV. 
genoß, war er auf dem Höhepunkt seines Ansehens. 
Weil er so mächtig groß dastand, wurde er von 
Neid und Eifersucht der anderen Grasen, nament 
lich deren sächsischer Abkunft, verfolgt. . Man 
beschuldigte ihn, nach dem Leben des Königs ge 
trachtet zu haben, er wurde zur Verantwortung 
vorgeladen, und da er in Ermangelung freien 
Geleites nicht kam, wegen Hochverraths verurtheilt. 
Der König selbst zog gegen ihn aus, nahm 1070 
die Burg ohne Widerstand ein und zerstörte sie 
bis aus den Grund. Lange kann die Burg 
jedoch nicht in Trümmern gelegen haben, wahr 
scheinlich ist sie von Otto selbst wieder erbaut 
worden. Nach seinem Tode theilten sich seine 
drei Söhne in das väterliche Erbe, und wahr 
scheinlich erhielt H e i n r i ch (der Dicke) den Haustein, 
durch dessen Tochter er an das welsische Haus 
kam. Von Heinrich demLöwen, Schwieger 
sohn dieser letzteren, erhielt die Burg dessen Sohn, der 
deutsche Kaiser und König Otto IV., und von 
ihm der Erzbischof Siegfried von Mainz, der 
schon länger Ansprüche daraus erhoben haben 
muß. Ob der Kaiser dem Erzbischof die wichtige 
Grenzseste wirklich Übertragern hat, oder ob der 
letztere die günstige Gelegenheit der Niederwerfung 
der welfischen Macht infolge des Erscheinens des 
jungen Friedrich II. in Deutschland benutzte, 
sich der Burg zu bemächtigen, muß dahingestellt 
bleiben; fest steht nur, daß Otto IV. am 20. No 
vember 1209 dem Erzbischof verhieß, die Ansprüche 
desselben auf den Haustein einem Schiedsgericht 
zu unterbreiten. Jedenfalls blieb die Burg dann 
Eigenthum des mainzischen Rades.. 
Der geistliche Herr bedurfte zur Bewachung der 
wichtigen Grenzfeste Burgmünner von erprobter 
Tapferkeit; solche Männer wählte er am besten 
aus seinen Ministerialen, die schon wegen ihres 
eigenen Güterbesitzes in der Nähe der Burg 
an der Erhaltung derselben Interesse hatten. 
Keine Familie eignete sich dazu besser, als die 
jenige, welche eine lange Zeit schon das Vieedom- 
Amt aus dem nahen Rusteberg verwaltete. Das 
waren die Vorfahren der von Hanstein, wenn 
sie auch diesen Namen noch nicht führten, und 
zwar Heiclenriens (od. Idenriens) aus dem 
Rusteberge von 1162 — 1193, HeUviens von 
1193—1196 und Dietrich von 1205—1239. 
Dieser letztere war sicher schon Bnrgmann. 
Der Forschung ist es nun gelungen, noch einen 
Vorfahren der Genannten zu entdecken, und zwar 
llieoderiens ätz Apolda, er kommt in einer 
Urkunde vom Erzbischof Christian, datirt tiou 
Erfurt 1171, vor, worin es heißt: praesentibus 
ministerialibus Mogimtinis ecclesie Theoderico 
vicedomino in Apolda et filiis ejus Heinderico 
vicedomino in Rusteberc. . . . 
Hieraus ersehen wir mit Gewißheit, daß der 
Vater des Heidenrieus der Vieedom Theodor 
von Apolda war, und daß also die v. Hanstein aus 
Apolda abstammen. Die Ahnenreihe noch weiter 
rückwärts zu vervollständigen, ist bis heute nicht 
möglich gewesen, denn ein Comes Boppo de 
Hanenstein, der in einer Urkunde von Kaiser
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.