Full text: Hessenland (11.1897)

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Im Juli 1385 fielen die Verbündeten mit 
großer Macht in Hessen ein. Nach vergeblichen 
Stürmen auf Kassel, verbrannten sie Jmmen- 
hausen. Diese That beugte das Gemüth des 
Landgrafen, er erkannte den Erzbischof wieder als 
seinen Lehnsherrn an. Schon am 22. Juli fand 
der Friedensschluß statt, den Balthasar von 
Thüringen nicht sofort annahm. Auch der Name 
Walter's von Hundelshausen fehlt unter den 
Rittern, die in den Frieden eingeschlossen wurden. 
Uebrigeus hatte der letztere nicht ohne Erfolg 
gekämpft. Der Melsnnger Burgmanu Lotze 
von Leimbach wurde von ihm gefangen ge 
nommen und mußte sich mit drei Pferden los 
kaufen. ^ 
Wie ehrlich der Erzischof es mit bem Frieden 
meinte, zeigte er zu Fritzlar in denselben Tagen, 
als Landgraf Hermann ihm die Dienste eines 
Lehnsmannes erweisen mußte. Adolf nahm sich 
dort Hel fr ich's von Schwarzenberg an, 
der vom Landgrafen in seinem Besitze geschädigt 
sein wollte. Der Erzbischof ernannte Helfrich zu 
seinem Burgmanne auf Bischofstein und be 
stimmte ihn, diejenigen der Schwarzenbergischen 
Güter, die Adolf dem Landgrafen mit bewaff 
neter Hand abnähme oder auf anderer Weise 
erwürbe, dem Mainzer zu Lehen aufzutragen. 
Wahrscheinlich handelte es sich dabei um die 
Kirche in Schwarzenberg bei Melsungen, die 
einige Jahre früher vom Landgrafen den: Mar- 
tinsstifte in Kassel geschenkt war. Am 5. Ja 
nuar 1392 nntersiegelte Helfrich in dem eroberten 
Melsungen eine Urkunde. Vielleicht war er dort 
mainzischer Amtmann geworden. Ende Oktober 1385 
schlossen Mainz und Thüringen ein neues Bünd- 
niß gegen Hermann den Gelehrten. Trotzdem 
kam es zunächst zu einem Waffenstillstände zwischen 
Balthasar und dem hessischen Fürsten bis zum 
14. April 1387. 
(5'vrtschung folgt.) 
Geschichte der Burg Mustern. 
Nach den vorhandenen Duellen von Adolph Feh. 
(Fortsetzung.) 
he wir zu der Geschichte der Burg und ihrer 
Wi Besitzer übergehen, berichten wir eine Sage, 
Op die sich, wie in Bezug auf andere Burgen, 
so auch hier noch im Munde des Volkes erhalten hat. 
Zur Zeit, als die Mauern noch unter Dach, 
das Schloß aber nilbewohnt war, sah man ost 
nächtlich Licht in den Räumen, und man redete 
allgemein davon, daß in den Kellern noch große 
Schütze vergraben lügen. Der damals in Born 
hagen wohnende Baron v. Haustein bot dem, der im 
Schloß eine Nacht wacheit wollte, eine gute Be 
lohnung. Doch niemand hatte Lust, sich diese 
zu verdienen, nur ein kleiner Knabe, Hänschen, 
der einzige Sohn einer armen Wittwe, zeigte sich 
beherzt genug, um Wache zu halten. Seine 
Mutter hatte ihm eülgeschürft, niemandeiil zu 
folgen, es sei denn „in Gottes Namen", llm 
Mitternacht, als Hänschen in der Halle allein 
saß, stieg aus einer Fallthüre ein großer Mann 
mit langem Kleide, ein Licht und einen Schlüssel 
bund in der Hand. Er bedeutete Hänschen, mit 
ihm zu gehen, dieser aber fragte erst, ob es „in 
Gottes Namen" sei. Der Geist bejahte es und 
stieg viele Treppen hinab, Hänschen hinterher his 
zu einer großen Halle, all dcreil Wüilden große 
Truhen mit Gold und Silber standeil. Er gebot 
ihm, „in Gottes Nameil" davvrl zu nehmen, sagte 
auch dabei, daß der Schatz für den bestimmt sei, 
der das Schloß wieder ausbaue imb darin wohne. 
Hänschen füllte seine Taschen und stieg wieder 
hinauf. Da schlug es 1 Uhr vonl Dorfe herauf. 
Ter Knabe fiel in tiefen Schlaf und erwachte erst 
Morgens, als der Baron, hocherfreut ihn lebend 
wieder 511 sehen, kam. Natürlich ließ er sich voll 
Hällschen nach ben unterirdischen Räumen führeil, 
sie sailden aber die Halle nicht, statt dessen aber 
einen engen Gang. In dieseil stieg Hänschen 
hinein und war bald verschwlindeil, alles Rllfeil 
brachte ihn nicht zurück. Nach einiger Zeit kam 
ein Bote, der die erfreuliche Meldung brachte, der 
Knabe wäre im Dorfe durch den Gailg in einem 
bekannten Keller wieder zll Tage gefommen. 
Der Baron gab es auf, ben Schatz zll finden, 
da er auch keine Neiguilg znnl Anfball hatte, 
lind schenkte dem Knabeil das Geld, wofür er sich 
ein Bauerngut kaufte. 
F. W i e s e n t h a l hat einen R 0 m a n, voll dem 
ein Eremplar in der Wilhelmshöher Schloß- 
bibliothek vorhaildell ist, geschrieben, betitelt: 
,. Friederich von Haustein, oder Mvnchslist und 
Pfaffentrug. . ." Mainz 1800. Die Hand- 
lnilg spielt zlir Zeit des zweiten Krellzznges,
	        

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