Full text: Hessenland (11.1897)

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Thüringen übernahm die Vermittlung <1. Mai 
1378). Am 12. Mai erhielt Melsungen mit den 
übrigen niederhessischen Städten eine Bescheinigung 
der drei thüringischen Landgrafen über die Aus 
söhnung mit dem ^andesherru und die Auflösung 
der Bereinigung vom 1. Januar. Wenige Tage j 
später, am 15. Mai, bestätigte Landgraf Hermann 
die Stiftung von vier bis fünf Blessen wöchentlich, ! 
die der Melsnuger Bnrgmann W i ga n d B iedesel 
der Gevrgska pelle vor dem Roten bürg er 
Thor überweisen wollte; das Patrvnatsrecht über 
die Stiftung wurde dein Pfarrer Johannes 
Rh mph zu Melsungen übertragen. 
Scheinbar war das gute Verhältniß zwischen 
dem Fürsten und den Unterthanen wiederher 
gestellt. Allein schon im folgenden Jahre änderte 
sich das Bild. Der Bnrgmann Wigand Ried 
esel hatte für seine Stiftung, deren Bestätigung 
damals vor der eigentlichen Begründung erfolgen 
mußte, wohl uicht genügend Vermögen und ver 
band sich darum mit dem Fr itzlare r Priester 
K o u r a d S t e h d e, dem Sohne eines Melsnuger 
Bürgers. Als für diese Neuordnung der Stiftung, 
die an! 7. Noveinber 1379 erfolgte, int Voraus 
die fürstliche Genehmigung eingeholt wurde, ver 
fügte Hermann der Gelehrte am 8. Juli 1379, 
daß die Stiftung zwar auch in dieser Gestalt 
erlaubt wäre, behielt sich diesmal aber das 
Vvrschlagsrecht vor. Dadurch wurde das Pa 
tronatsrecht des Pfarrers stark beschränkt. Am 
18. Februar 1380 wurde die Riedesel-Steyde'sche 
Stiftung von Hermann von Bechstete, dein 
geistlichen Vertreter des Mainzer Erzbischofs, 
bestätigt. 
Die Theilnehmer an der Vereinigung vom 
1. Januar 1378 und an denn späteren Aufstande 
fühlten sich im Lande nicht mehr sicher. Kasseler 
Bürger flohen nach Thüringen, Walther von 
Hundelshausen begab sich zu Otto dem Suaden. 
In einer Urkunde vom Frühlinge des Jahres 1379 
wird er von Otto und dem Herzoge Friedrich 
von B r a n n fch w e i g und Lüneburg „unser 
Getreuer" genannt. 
Eine scharfe Maßregel ergriff der Landgraf 
in demselben Jahre gegen Beelsungen. Die 
Schöffen, die in bürgerlichen Angelegenheiten 
Recht zu sprechen hatten, und aus deren Zahl 
der Bürgermeister genonnnen wurde, waren bis 
her von den Bürgern, wie es scheint, alljährlich 
gewühlt. Hermann glaubte sich nun der Stadt 
für im!uer zu versichern, wen» er zwölf neue 
Schöffen auf Lebenszeit ernannte. 
Jin nächsten Jahr (1380) mehrten sieh die 
Anzeichen dafür, daß unruhige Zeiten heran 
nahten. Siegfried v o n B »l z i n g s l e b e n, 
der niainzische Amtmann des Eichsfeldes, der 
auf dem Rusteberge saß, erlitt erst vor Mel 
sungen Verluste und daraus im suldi scheu 
Gebiet. Erzbischof Adolf von Mainz ent 
schädigte ihn. Dieser Kirchensürst hatte sich jetzt 
in seinem Sprengel so befestigt, daß er eifrig an 
eine Demüthigung Hessens dachte. Er näherte 
sieh darum dein Landgrafen Balthasar, der 1382 
durch die Erbtheilnng der Wettiner in den 
alleinigen Besitz Thüringens gelangte. Da Her- 
inann der Gelehrte den von Balthasar gestifteten 
Vergleich offenbar als eine drückende Last be 
trachtete, und der thüringische Landgraf die 
flüchtigen Kasseler bereitwillig ausgenommen hatte, 
bestanden mancherlei Streitpunkte zwischen Hessen 
und Thüringen. So zerfiel das Bündnis; zwischen 
beiden Ländern. Hermann warf sich darauf 
seinem alten Widersacher Otto dein Suaden in 
die Arme und schloß mit ihm ant 2. Oktober 1381 
eine Erbverbrüderung, die sich allerdings nur 
über Niederhessen erstreckte. Melsungen ward 
im Vertrage mit angeführt, aber das landgräf 
liche Schloß fand keine Erwähnung. Am 
26. Juli 1382 leisteten Bnrgmannen, Bürger- 
mcifter, Schöffen und Bürger von Melsungen 
dem Herzoge Otto die Erbhuldigung und em 
pfingen dafür die Versicherung, daß beim Anfalle 
Niederhessens an Brannschweig alle ihre Frei 
heiten und Rechte gewahrt bleiben sollten. Die 
den Thüringern geleistete Erbhuldigung war da? 
mit für ungültig erklärt. 
Da also doch schon ein Kriegsfall mit Thüringen 
vorlag, nöthigte Hermann im Herbste 1389 die 
niederhessischen Städte sammt und sonders, die 
von Balthasar und dessen Brüdern ansgestellten 
Versöhnungsurknnden, die er für ungültig erklärte, 
auszuliefern und in einem an jene Fürsten ge 
richteten Schreiben sie von ihren Verpflichtungen 
loszusprechen. Auch Melsungen folgte dem Befehle 
und betheuerte, daß der Brief vom 12. Bkai 1378 
keine Gültigkeit inehr haben sollte. Darauf er 
neuerte Balthasar aut 21. Februar 1385 sein 
bereits zwei Jahre früher mit dem Erzbisehose 
von Mainz abgeschlossenes Bündniß. Sie ver 
sprachen sich gegenseitig Hilfe in einem ans- 
brechenden Kriege und gleichmäßige Theilung der 
Eroberungen. Der staatsmünnischen Kunst des 
Erzbischofs gelang es auch, Otto den Suaden 
wieder mit dein Landgrafen Hermann zu verfeinden 
und zu sieh hinüberzuziehen. Eine Reihe von 
hessischen Rittern schloß sich ebenfalls der 
niainzischen Fahne an, unter ihnen Walter 
von Hundelshausen, derselbe, der an der Spitze 
des Städte- und Bnrgmannenbundes gestanden 
hatte.
	        

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