Full text: Hessenland (11.1897)

Melsungen 1359—1394. 
3m Zusammenhang mit der hessischen Landesgeschichte.! 
Ban Il>-. L- Armbrust. 
csso VtTcljU ittX j 
1875 rückte hessischem und thüringischemRriegs- 
volk gegen Ctto den Gnaden nnm, der znin 
Frieden und znw Verzichte auf die Erbfolge 
in Hessen gezwungen wurde. Auch Erzbischof 
Adolf erlitt eine Niederlage, der Kaiser ver 
mittelte sedvch einen Vergleich. Diese Zeldzüge 
erhöhten die Schuldenlast der hessischen Land 
grafen bis zu einem bedenklichen Grade. Her 
mann entschloß sich daher, eine Steuer ans 
Lebensrnittel, Zeuge und Metallwaaren aus 
zuschreiben, während die außerordentlichen Veden, 
so lange die Steuer dauerte, in Wegfall kommen 
sollten. Diese neue Abgabe traf besonders Kauf 
leute und Handwerker und entfremdete den Land 
grafen nun auch ihre treuesten Helfer, die Bürger. 
Die Vertreter der niederhefsifchen Städte, unter 
ihnen die Melsungens, versammelten sich im 
Anfange des Jahres 1-577 auf dem Rathhanse 
in K affet und faßten hier den Beschluß, das 
Ungeld nicht zu bezahlen und gemeinsam für die 
folgen ihrer Weigerung einzilßehen. Die Ver 
einigung der Städte tvnrde gewiß hauptsächlich 
von der Noth des Augenblicks veranlaßt, indessen 
wehte damals durch das ganze deutsche Bürger- 
thnm ein frischer Hauch, der dem Zürstenslande 
und dem Adel entgegen war. Den lehteren 
suchte die Stadt Melsungen zur Bezahlung des 
Geschosses heranzuziehen, also zu einer bürgerlichen 
Pflicht, und schloß deswegen mit einzelnen Mit 
gliedern des Ritterstandes besondere Verträge: 
18*10 mit G) er miß v o n Bi sch ose rode, 1:575 
mit den Bnrgmanne Hermann von Wolfers 
hausen und mit der Burgfrau Elsa von 
L e i m b a d) und deren Sahnen W e r n e r, 
Gerold, Lohe nitb Burg het rd, 1:>*1 mit 
Werner von S ch l ntwitisd o rs und seiner 
Gattin Litt gart. Es handelte sieh bei diesem 
Geschosse der Adligen meistens um liegende Güter, 
die sie käuflich erworben hatten. Vorher waren , 
Bürger die Besitzer gewesen, und die Stadt tonnte > 
doch nicht ans das ihr gebührende Gefehoß ver- ! 
ziehten. nur iveil der neue Besitzer von Adel 
war. Die Wolfershausen hatten vom Ober- 
melsnnger Zehnten (beschoß zu entrichten; denn 
achtzig Jahre früher war derselbe zur Hälfte im 
Besitze des Melsnnger Bürgers Gotzwin ge- 
wesen. In den betreffenden Urkunden erklären 
die Ritter sieh einverstanden mit der Erhebung 
des Geschosses. Bei dem Gegensatze, in dem die 
Städte jetzt znm Landgrafen stauben, fand sogar 
eine bedeiltende Annäherung zwischen ihnen und 
der Ritterschaft statt. Nach dem Tode Hein 
richs II. schloffen die niederhefsifchen Städte, 
darunter auch Melsungen, mit ihren Bnrgmannen 
einen förmlichen Bund, dessen erstes Ziel war, 
alle Mißhelligkeiten friedlich beizulegen. Strei 
tigkeiten zivischen Bnrgmannen und Bürgern 
lind Zwistigkeiten der Städte unter Einander 
sollte itack) dieser Verabredung vom Nenjahrstage 
1:57* der Landgraf entscheiden. Thäte dieser es 
aber nicht binnen vier Wochen, so wollte man, 
wie es and) sonst üblich war, fünf Schiedsrichter 
wählen. Bürger, die unter einander haderten, 
hatten nach der bisherigen Gewohnheit ihr Recht 
zu silckfen. Ans die Verhältnisse im landgrüflichen 
Hanse wirft es ein eigenthümliches Licht, daß den 
Bnrgmannen und Bürgern von Spangenberg bte 
Vertheidigung der Landgrüfin Elisabeth, der 
Wittwe Dtto's des Schützen, ausdrücklich über 
tragen wurde. Der Ritter Walter von 
Hundelshausen der Aeltere und die Räthe 
von Raffel erhielten Vollmacht, einen geschästs- 
sührenden Ausschuß von fünf Männern zu er 
nennen. Der Bund richtete seine Spitze gegen 
den Landgrafen Hermann, der fremde Ritter zu 
Amtleuten eingesetzt unb dadurch unter dem ein 
heimischen Adel und den Bürgern böses Blut 
gemacht hatte. Es kam zu einer Schilderhebnng, 
das. Kasseler Schloß siel in die Hände der Anf- 
stäiidischeii, während gleichzeitig die Steriler einen 
vergeblichen Anschlag ans Hersseld ausführten. 
Landgraf Hermann sah sich znm Nachgeben und 
zur Entlassung der ausländischen Beamten ge 
nöthigt, sein Bundesgenosse Balthasar voll
	        

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