Full text: Hessenland (11.1897)

J»«5. 
XI. Jahrgang. Kassel. 1. Mim 1897. 
Besuch. 
u kommst ZU mir im Traum der Nacht, 
Als hätte Dich nie geküßt der Tod; 
Dein güt'ges Auge grüßt und lacht, 
Du fragst nach meines Lebens Noth. 
Du sprichst zu mir im alten Ton 
And beugst Dich liebend zu mir her, 
Und die Trinn'rung ist gefloh'n 
An all' Dein Leiden dumpf und schwer. 
Du athmest, lebst — mich faßt kein Grau'n. 
Du bist noch der, den wir gekannt 
In Freud' und Leid, den voll Vertrau'n 
Den treusten freund wir stets genannt. 
IDir wandern durch das grüne Feld — 
Du vor mir her im Sonnenschein, 
Und hoch vom Berge — eng gesellt — 
Schau'n wir in Lenz und Duft hinein. 
Nur manchmal kommst Du müd' und krank, 
Das Auge fremd — das Haar verwirrt, — 
So angstentstellt, so blaß und schwank 
U)ie jemand, der im Ginstern irrt, 
U)ie jemand, der in Einsamkeit 
Vergessen und begraben liegt, 
Und dessen Seele flehend sich 
Tins warme Herz Lebend'ger schmiegt. 
»S. Leiter-Lettner.
	        

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