Full text: Hessenland (11.1897)

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Universität zn S t r a ß b u r g stattgehabten feier 
lichen Festakt, an welchem sich der Fürst-Statthalter 
betheiligte, redete unser hessischer Landsmann Professor 
Dr. Georg Gerland über das Thema: „Tie 
Erfolge und Ziele der P olnrsorschung." 
Tie „Straßburger Neuesten Nachrichten" berichten 
über diese Festrede Folgendes: „Tie gesammte 
Zuhörerschaft war dem Bortrage Dr. Gerland's 
mit großer Aufmerksamkeit gefolgt. Wußte er 
doch das überaus zeitgemäße Thema in knappen 
Zügen so geistvoll und leichtfaßlich zn behandeln, 
den Stoff so geschickt zn grnppiren, daß er auch 
für weitere Kreise anregend imb verständlich ward 
und dabei das wissenschaftliche Moment mit der 
eigentlichen Bedeutung des Tages in schönsten Ein 
klang gebracht wurde. Ter Statthalter unterließ 
es nicht, dem Redner in liebenswürdigen Worten 
das hohe Interesse zn erkennen zn geben, mit dem 
er den Ausführungen gefolgt sei." 
K ü n st ler - Ko n z e r t. Mittwoch, den 
17. Februar giebt unser Landsmann, der groß- 
herzogliche Hofschanspieler A l b e r t W o l f aus 
Schwerin i. M. im Verein mit seiner Gattin, ! 
der Opern-und Kvnzertsängerin Minnie Wolf- j 
Hangs, im Hann sch-Saal zn Kassel ein i 
Konzert, aus das wir alle Freunde des Gesangs und 
der Rezitation aufmerksam machen. Tas interessante 
Künstlerpaar hat bei seinem Auftreten sowohl in 
Deutschland wie in Amerika rauschenden Beisall 
errungen. 
B i l d e r a n s st e l l n n g. Im K u n st h a n s e zn 
Kassel hatten wir in letzter Zeit Gelegenheit, z 
einen interessanten Einbtick in das künstlerische 
Schassen unseres hochgeschätzten Landsmannes 
Adolf Lins zn thun. Der rührige Kunstverein 
hatte den Künstler zur Beranstaltnng einer umfang 
reichen Ausstellung von ihm geschaffener Werke und 
Studien daselbst veranlaßt. 
Adolf Lins, bekanntlich ein geborener Kasselaner, 
der auch seine ursprüngliche Ausbildung der Kunst 
akademie seiner Vaterstadt verdankt, lebt seit längere 
Jahren in der Knnstmetropole Düsseldorf, zn deren 
hervorragenderen Vertretern er mit Recht gezählt 
werden darf. In ihm verkörperte sich die spezifisch 
Düsseldorfer Schule, wie sie sich ans dem Gebiet 
der Genre- und Landschastsmalerei herausgebildet. 
Begabt mit einem offenen Blick für die Schön 
heiten der Natur, einem ursprünglichen Empfinden 
für den wechselvollen Zauber derselben, versteht es 
Adolf Lins, ihr die Geheimnisse abzulauschen und 
in überraschend wahren Schilderten wiederzugeben. 
Dabei verfügt der Künstler über eine hochent 
wickelte Technik, eine oirtnose Beherrschung der Fläche 
und unfehlbare Sicherheit der Zeichnung. Mit 
besonderer Vorliebe hat er sich das Studium des 
dörflichen Lebens angelegen sein lassen, und eben, 
diesem verdanken wir die zahlreichen humorvollen 
Bilder, welche ihm vor allem einen Namen in der 
Künstlerwelt gemacht haben. Lins beobachtete unsere 
Bauern bei der Arbeit ans dein Felde, auf dein 
Hofe, bei der Muße im engen Zimmer, wie im 
trauten Verein vor ihren Behausungen. Und die 
gleiche Liebe, welche er bei: Menschen bei diesen Be 
obachtungen schenkte, widmete er auch ihrem Vieh. 
Am bekanntesten sind wohl seine Günsebilder 
geworden, von denen auch in Kassel im Lause der 
Zeit eine Anzahl zur Ausstellung gelangte. In 
den kürzlich zur Ansicht gebrachten Studien wie in 
den fertigen Gemälden („Gänscweide" w.) waltet ein 
so herzerquickender Humor, eiitzückt uns eine so 
packend naturwahre Auffassung und echt künstle 
rische Wiedergabe, daß wir uns nur schwer von 
ihnen trennen können. Vorzüglich gelungen ist 
die Stimmung in den Landschaften mit und ohne 
Thierstaffage. Auch als Porträtist versuchte sich 
Lins mit Glück, wie das Bildniß des Düsseldorfer 
Nlusikdirektors Zeller (Kniestück) und das eines 
Kunstkollegen beweisen. 
Tas schon vor längerer Zeit im Kunsthanse 
ausgestellt gewesene lebensgroße Bildniß (Kniestück) 
unseres beliebten Mitarbeiters Ludwig Mohr, 
welches Johannes Kleinschmidt gefertigt, 
war jetzt einem größeren Publikum zugänglich ge 
macht worden, indem es hinter dem Schaufenster 
der H ühn'scheu Hosbnch- und Kunsthandlung 
erschien. Dasselbe darf in der That zu den aus 
gezeichnetsten Bildnißschöpsnngen dieses hochbegabten 
hessischen Künstlers gezählt werden, zeichnet es sich 
doch durch charakteristische, lebensvolle Auffassung, 
Plastik und seines Kolorit aus. m. M. 
T odessälle. Am 28. Januar verschied zu 
Hünfeld nach langem Leiden der dortige katholische 
Stadtpsarrer und Kreisschulinspektor Dechant Koch, 
1863 — 1866 Kaplan daselbst, dann Reallehrer, 
bezw. Seminarlehrer in Fulda, von 1882—1887 
Strasanstaltsgeistlicher in Wehlheiden, seit dem 
25. Mai 1887 Stadtpsarrer in Hünfeld. Der 
Verstorbene, der auch Abgeordneter zum preußischen 
Landtage gewesen ist, hatte Aussicht die erledigte 
Domherrustelle in Fulda zu erhalten, weshalb mit 
der Vornahme der Wahl gezögert wurde, bis keine 
Genesung Koch's mehr möglich war. — Am 
8. Februar entschlief zu Göttingenim 79.Lebens 
jahre der Geh. Oberjustizrath Adolf Etienne, 
ein bedeutender Jurist. Etienne, ein geborener 
Kürhesse, war Obergerichtsrath zu Kassel und 
Hilfsarbeiter im hessischen Justizministerium, nicht
	        

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